Rasha Nasr, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Dresden
Die Dresdner SPD-Bundestagsabgeordnete Rasha Nasr will lernen, sich besser gegen Angriffe zu verteidigen. Bildrechte: MDR/Carolin Büscher

Anzeige erstattet Dresdner Bundestagsabgeordnete Rasha Nasr rassistisch bedroht

14. September 2023, 17:06 Uhr

Anfeindungen und Bedrohungen gegen Politikerinnen und Politiker haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Nach Angaben von Opferberatungsstellen sind Menschen mit ausländischen Wurzeln besonders häufig von rassistischen Angriffen betroffen. Die Dresdner SPD-Bundestagsabgeordnete Rasha Nasr macht die Angriffe auf sich jetzt öffentlich. Und sie sucht sich Hilfe für sich und ihr Team - in einem Selbstverteidigungskurs.

Die Dresdner SPD-Bundestagsabgeordnete Rasha Nasr hat sich wegen rassistischer Bedrohungen an die Öffentlichkeit gewandt. "Ich habe mich entschlossen das öffentlich zu machen, weil ich mich über die Aussage von Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert geärgert habe, es gebe kein Rassismusproblem in Dresden", sagte Nasr MDR SACHSEN.

Rassismusproblem in Dresden?

Auf ihrem Instagram-Account schreibt sie dazu: "Dass Herr Hilberts Erfahrungen als weißer, einflussreicher Mann an der Lebenswirklichkeit von zehntausenden Dresdner:innen, die regelmäßig Rassismus erfahren, vorbeigeht, überrascht mich wenig." Umso erstaunlicher finde sie es, dass der Oberbürgermeister scheinbar auch nicht auf Unternehmen und Forschungseinrichtungen höre, die beschrieben, "wie schwer es ist, die besten Leute nach Dresden und Sachsen zu locken, weil die Zahlen, die Stimmung in der Stadt und die regelmäßigen rechten Aufmärsche eine deutliche Sprache sprechen."

Nasr bezieht sich dabei auf ein Interview, das OB Hilbert vor rund einer Woche gegeben hatte. Dem Online-Portal Table.Media hatte er gesagt, er widerspreche, dass es in Dresden ein Rassismus-Problem gebe, das "in Größenordnungen über das Problem jeder anderen deutschen Großstadt hinausgeht".

Anfeindungen von rechts seit ihrem Einzug in den Bundestag

Die Anfeindungen gegen sie und ihr Team hätten bereits mit der Wahl in den Bundestag begonnen. "Im Frühjahr dieses Jahres haben die Bedrohungen zugenommen, als jemand meine Privatnummer herausgefunden hat." Ihr sei dann neben den üblichen Anfeindungen wie "an die Wand stellen" auch mit einer Gruppenvergewaltigung "durch fünf Nazis" gedroht worden. Zudem seien in ihrem Namen Mails mit strafrechtlich relevanten Inhalten verschickt worden. Sie habe daraufhin Anzeige bei der Polizei in Dresden erstattet, auch das Bundeskriminalamt (BKA) sei eingeschaltet.

Auf Anfrage von MDR SACHSEN konnte das BKA keine Auskunft zu dem Fall Nasr geben. Eine Anfrage bei der Polizei Dresden läuft derzeit.

Zur Person Rasha Nasr wurde am 12. Mai 1992 in Dresden geboren. Sie studierte Politikwissenschaften an der TU Dresden. Von 2016 bis 2017 war sie Asyl- und Integrationsbeauftragte von Freiberg. 2021 wurde sie in den Bundestag gewählt. Ihre Eltern kamen in den 1980-er Jahren aus Syrien in die DDR.

Nasr und ihr SPD-Team üben Selbstverteidigung

Nasr hat auch Konsequenzen für sich selbst gezogen. Auf Instagram sagte sie am Mittwoch, dass sie und ihr Team wegen anhaltender Bedrohungen durch Rechtsextreme einen Selbstverteidigungskurs machen. "Wir werden lernen, wie wir mit unserem Körper und unserer Stimme umgehen in kritischen Situationen, um zu deeskalieren. Und deswegen wird es hier etwas ruhiger", erzählt Nasr in der Story.

Wir werden lernen, wie wir mit unserem Körper und unserer Stimme umgehen in kritischen Situationen, um zu deeskalieren.

Rasha Nasr SPD-Bundestagsabgeordnete aus Dresden

Zuletzt habe sie eine solche kritische Situation in einer Straßenbahn erlebt, als ihr ein Mann die Faust vors Gesicht gehalten habe und sie wegen des Energiegesetzes beschimpft habe, sagte die SPD-Politikerin MDR SACHSEN. Auf ihren Instagram-Post habe sie inzwischen viel Resonanz bekommen. Nasr hat deshalb am Donnerstag noch ein Video dazu veröffentlicht:

MDR (kbe)

Mehr aus Dresden und Radebeul

Mehr aus Sachsen