Wasser Dresden
Weil sich der Bedarf nach Wasser in der Dresden erhöhen wird, entkoppelt SachsenEnergie das Trinkwasser. Bildrechte: SachsenEnergie

Wassermangel Wasserbedarf für Industrie verdoppelt sich: Dresden strukturiert Versorgung neu

22. April 2023, 08:00 Uhr

Nach Prognosen wird sich der Wasserbedarf für die Industrie in der Region Dresden bis 2030 verdoppeln. Grund sind die geplante Halbleiterfabrik von Infineon, die neue Fabrik von Bosch sowie die Produktion weiterer Unternehmen. Um die Trinkwasserversorgung weiter zu gewährleisten, entkoppelt der Wasserversorger SachsenEnergie das Industriewasser jetzt vom Trinkwasser.

  • Der Wasserbedarf für die Industrie in Sachsen wird sich Prognosen zufolge bis zum Jahr 2030 verdoppeln. Bereits jetzt wird etwa ein Drittel des Trinkwasser in der Region Dresden in der Industrie verwendet. Das entspricht täglich etwa 30.000 Kubikmetern.
  • Dresdens Wasserversorger "SachsenEnergie" möchte jetzt das Trinkwasser vom Industriewasser entkoppeln. Das Ziel: Trotz eines hohen Verbrauchs der Industrie genügend Trinkwasser für die Bevölkerung zu haben.
  • Mit 15 Brunnen an der Elbe unterhalb der Saloppe wird das Trinkwassersystem um täglich 18.000 Kubikmeter Wasser entlastet.

Der Energie- und Wasserversorger "SachsenEnergie" will eigenes Betriebswasser für die Industrie im Dresdner Norden zu gewinnen. Dafür hat der Versorger jetzt 15 neue Brunnen unterhalb des alten Dresdner Wasserwerks Saloppe gebaut. Statt mit aufwendig aufbereitetem Trinkwasser können Industrie-Kunden nun direkt mit Rohwasser beliefert werden. "Man geht davon aus, dass sich der Wasserbedarf für die Industrie bis 2030 verdoppeln wird", erklärt Diana Hüttner von "Sachsenenergie" MDR SACHSEN. Sowohl die neue Halbleiter-Fabrik von Bosch als auch das geplante Infineon-Werk und weitere Industrieanlagen seien Gründe dafür.

Diana Hüttner, Projektentwicklerin im Bereich Wasser, SachenEnergie
Diana Hüttner arbeitet als Projektentwicklerin im Bereich Wasser des Versorgers "SachenEnergie". Bildrechte: Diana Hüttner

Industrie verbraucht etwa ein Drittel des Wassers

"Wir versuchen den größtmöglichen Teil des Industriewassers über ein neues separates Betriebswassersystem abzubilden", erklärt Hüttner. "Mit dieser Entkopplung wollen wir die Versorgung der Bevölkerung weiter gewährleisten. Die Betriebswasserversorgung für die Industrie sei ein riesiges Thema. Derzeit würden mit etwa 30.000 Kubikmeter Trinkwasser täglich für die Industrie verwendet – etwa ein Drittel des gesamten Wasserbedarfs in der Region Dresden.

Die Elbe in Dresden 114 min
Das Dresdner Elbufer zeigt sich hier im Sommer 2022 bereits im Juli verdorrt. Die Elbe hatte sich mit Niedrigwasser weit in das Flussbett zurückgezogen. Bildrechte: MDR/KatrinTominski
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Entlastung um täglich 18.000 Kubikmeter Wasser

Nach Angaben des Wasserversorgers wird mit den 15 neuen Brunnen nahe der Elbe das Trinkwassersystem künftig um 750 Kubikmeter pro Stunde entlastet – das entspricht 18.000 Kubikmeter am Tag, umgerechnet 18 Millionen Litern. Das entspricht etwa sechs großen Schwimmbecken von 50 mal 20 Metern und 2 Metern Tiefe. Das Betriebswasser speise sich aus Mischwasser des naturnah aufbereiteten Uferfiltrats der Elbe sowie einem geringen Grundwasseranteil. "Eine zusätzliche Betriebswasserversorgung für den Dresdner Nordraum entlastet erstens die in Dürrezeiten angespannte Trinkwasserversorgung und ist zweitens ein wichtiger Baustein, um industrielle Neuansiedlungen und -erweiterungen im Raum Dresden zu ermöglichen“, betonte auch SachsenEnergie-Chef Frank Brinkmann.

Wasser Dresden
Genau 15 neue Brunnen unterhalb des alten Wasserwerks Saloppe fördern aus Uferfiltrat Wasser für die Industrie. Bildrechte: SachsenEnergie

Auch Umland möchte viel vom Dresdner Wasser

Für Ingenieurin Hüttner ist der sorgfältige Umgang mit Trinkwasser essentiell. "Der Klimawandel und die damit verbundene Verknappung stellt die Wasserversorgungsunternehmen in Sachsen vor große Herausforderungen. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Ressource Wasser ist entscheidend", erklärt sie MDR SACHSEN. "Der Ausbau einer separaten Industriewasserversorgung, welche die Trinkwasserversorgung entlastet, Nutzungskonflikte vermeidet und den Wirtschaftsstandort Dresden stärkt, stellt eine notwendige, zukunftsorientierte Maßnahme dar." Das für die Halbleiterindustrie benötigte Wasser werde ohnehin speziell auf die Bedürfnisse der Produktion von den Unternehmen selbst aufbereitet. Da müsse man vorher nicht extra Trinkwasser dafür produzieren. Zudem wachse der Druck auf die Versorgung auch durch immer größere Nachfragen aus dem Umland. "Coswig und Meißen bekommen schon jetzt regelmäßig Wasser aus Dresden. Die Wasserbezüge in das Umland gehen seit Jahren erheblich nach oben ", sagt Hüttner. Zudem gebe es bei langanhaltender Trockenheit regelmäßige Anfragen aus Bischofswerda, Röderaue sowie aus Pirna und Sebnitz. "Die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser hat oberste Priorität", erklärte die Ingenieurin.

Halbleiterindustrie benötigt viel Wasser

Die Halbleiterindustrie gilt als besonders wasserintensive Industrie. Der geschätzte Wasserverbrauch für einen einzigen Mikrochip in einem Laptop oder einem Smartphone kann laut der Fachplattform "E-Fundresearch" bis zu 30 Liter betragen. Noch höher falle dieser Wert bei Silizium-Wafern aus, "die in mehreren Lagen hunderte Mikrochips enthalten". In jeder Wafer-Lage müssten die Schaltkreise und das Leitermaterial chemisch geätzt und sorgfältig gereinigt werden – diese Prozesse erfordern enorme Mengen von ultrareinem Wasser.

Wassermanagement dringend notwendig

Spekulationen gibt es derzeit um eine mögliche Ansiedlung eines weiteren Chip-Herstellers in Dresden. Der weltgrößte Chipproduzent "TSMC" plant laut Medienberichten eine Ansiedlung in Europa, macht dies jedoch auch von Fördergeldern abhängig. Dabei soll es bereits Gespräche mit dem sächsischen Wirtschaftsministerium gegeben haben. Kommt der riesige Chiphersteller wirklich in das "Silicon Saxony" würde das weitere große Wassermengen binden. Hinzu kommt die aktuelle Grundwasserdürre und Prognosen für weitere Dürreperioden.

Klimaangepasstes Wassermanagement ist essenziell für Sachsens Zukunft.

Dr. Uwe Müller Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

"Klimaangepasstes Wassermanagement ist essenziell für Sachsens Zukunft. Wir müssen uns rechtzeitig um Strategien und Maßnahmen kümmern, die gewährleisten, dass die momentan sichere Wasserversorgung trotz abnehmender Dargebote* auch in Zukunft sicher bleibt", erklärt auch Uwe Müller vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Die nationale Wasserstrategie der Bundesregierung sei dafür ein wichtiger Baustein.
*Dargebote: Hydrologischer Begriff für verfügbares Oberflächen- und Grundwasser in einem Gebiet. (Anmerkung der Redaktion)

Wasser Dresden
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Beispiel: Streit um Tesla-Wasser

Mit welchen Herausforderungen die Wasserversorgung großer Industriebetriebe für die ansässige Bevölkerung schon jetzt verbunden ist, zeigt der Wasserstreit rund um die Tesla-Fabrik in Brandenburg. Dort ist der Verbrauch für Privathaushalte bereits teilweise gedeckelt. Gleichzeitig plant Tesla einen weiteren Ausbau der Fabrik. "Dass die Behörden klammheimlich jegliche Kontrolle an Tesla abgegeben haben, ohne uns oder die Öffentlichkeit zu informieren, ist ein handfester Skandal", erläutert André Bähler, Chef des Wasserversorgers WSE im Januar dem Magazin "Stern".

Winterdürre in Frankreich

Wie sich Wassermangel inmitten von Europa auswirken kann, zeigt die Situation in Frankreich. Die Flüsse sind nicht erst im Sommer, sondern schon in einer Winterdürre im Februar trockengefallen. Vier Wochen hat es Berichten zufolge nicht geregnet, die Trinkwasserversorgung ist in vielen Kommunen gefährdet. Staatspräsident Emmanuel Macron setzt mit einem Wasserplan auf massive Einsparungen. Laut Meldung des Nationalen Geologischen Diensten (BRGM) in Frankreich ist der Grundwasserstand aktuell in drei Vierteln der Gebiete unterdurchschnittlich und vielfach niedrig bis sehr niedrig. Weiten Teilen Frankreichs steht nach Befürchtung der Behörden wegen mangelnden Regens ein zweiter Dürre-Sommer bevor.

Das normalerweise teilweise überflutete Eisenbahnviadukt von Chanteloube steht über der Wasserlinie am See Serre-Poncon in Südfrankreich. Frankreich verzeichnete die längste Winterdürre seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1959. In ganz Frankreich teilen die Einwohner Bilder von ausgetrockneten Flussbetten oder geschrumpften Seen, ein schockierender Anblick im tiefsten Winter. 8 min
Das normalerweise teilweise überflutete Eisenbahnviadukt von Chanteloube steht über der Wasserlinie am See Serre-Poncon in Südfrankreich. Frankreich verzeichnete die längste Winterdürre seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1959. In ganz Frankreich teilen die Einwohner Bilder von ausgetrockneten Flussbetten oder geschrumpften Seen, ein schockierender Anblick im tiefsten Winter. Bildrechte: dpa
8 min

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Mi 19.04.2023 16:30Uhr 08:23 min

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