Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel betritt neben dem Journalisten Giovanni di Lorenzo die Bühne des Schauspiels Leipzig zu einer Veranstaltung im Rahmen der Leipziger Buchmesse.
Angela Merkel betritt neben dem Journalisten Giovanni di Lorenzo die Bühne des Schauspiels Leipzig zu einer Veranstaltung im Rahmen der Leipziger Buchmesse Bildrechte: picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt

"Leipzig liest" Altkanzlerin Merkel auf der Buchmesse Leipzig

30. April 2023, 16:10 Uhr

Ex-Kanzlerin Angela Merkel hat am Samstagabend im Schauspiel Leipzig über ihre Memoiren gesprochen. Nach dem Ende ihrer Kanzlerschaft gehe es ihr gut, sagte die Altkanzlerin auf der Buchmesse-Veranstaltung. Vor ausverkauftem Haus sprach Merkel mit dem Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Zeit", Giovanni di Lorenzo, unter anderem über ihre ostdeutschen Wurzeln, kontroverse Entscheidungen sowie die Abhängigkeit von russischem Gas.

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel ist am Samstagabend für ein Buchmesse-Gespräch ins Schauspiel Leipzig gekommen. Im Rahmen der Reihe "Leipzig liest" diskutierte sie im ausverkauften Schauspielhaus mit "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo über aktuelle Themen, aber auch über ihre ostdeutschen Wurzeln, ihre Kanzlerschaft und über ihr jetziges Leben. Auf dem Weg zur Bundeskanzlerin a.D. komme sie voran, sagte Merkel und ergänzte, sie könne noch nicht unerkannt durch die Straßen gehen.

Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel sitzt neben dem Journalisten Giovanni di Lorenzo
Angela Merkel neben dem Journalisten Giovanni di Lorenzo Bildrechte: picture alliance/dpa | Sebastian Willnow

Mit ihren Memoiren will die Altkanzlerin nach eigenen Angaben Einblicke in ihr Leben und ihre Amtszeit geben. Gemeinsam mit ihrer langjährigen Büroleiterin Beate Baumann arbeite sie ihre Kindheit, aber auch ihre Kanzlerschaft auf. Das schaffe Klarheit, Stück für Stück. Das Buch soll im Herbst 2024 erscheinen.

Merkel betonte, nach dem Ende ihrer Kanzlerschaft gehe es ihr gut, sie sei zufrieden.

Ich bin zufrieden.

Angela Merkel Altkanzlerin

Merkel: Gedanken zum Krieg in der Ukraine nicht verengen

Mit Blick auf eine Beilegung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine plädierte die CDU-Politikerin für offene Debatten. Sie habe immer versucht, "dass wir unsere Gedanken nicht zu sehr verengen". Wenn jemand wie Wolfgang Ischinger, ehemaliger Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, sage, man müsse auch darüber nachdenken, dass irgendwann auch verhandelt werden müsse, dann müsse man "ihn nicht gleich niederzischen". Das seien nicht immer alles Leute, die nur Putin nach dem Mund redeten, sagte Merkel mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Habe kontroverse Entscheidungen getroffen

Auf eine Frage ihres Gesprächspartners, ob ihre Politik etwas mit den Wahlergebnissen der AfD zu tun haben könnte, lehnte Merkel eine Mitverantwortung für hohe Zustimmungswerte vor allem in Ostdeutschland ab. Sie habe zum Beispiel bei der Flüchtlingskrise oder der Eurokrise Entscheidungen treffen müssen, die das Land gespalten haben, sagte die 68-Jährige. Zugleich äußerte sie Unverständnis für Menschen, die demokratische Prinzipien verletzten.

Ich habe politische Situationen zu bewältigen gehabt, die zu einer Spaltung der Gesellschaft geführt haben.

Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel

Merkel verteidigt Gas-Abhängigkeit von Russland

Beim Thema Klimaschutz räumte Merkel im Gespräch Versäumnisse ein. Ereignisse wie die Finanz- oder Flüchtlingskrise hätten sie daran gehindert, anderen Themen mit mehr Kraft nachzugehen. Ihre Russland-Politik und die energiepolitischen Entscheidungen, die Deutschland in eine starke Abhängigkeit von russischem Gas getrieben hatten, verteidigte Merkel rückblickend.

"Ich hätte lieber Gas importiert aus Großbritannien und Norwegen, wie wir das früher gemacht haben, und den Niederlanden. Die standen aber nicht mehr zur Verfügung. Für uns stand die Frage: Teureres LNG - ein Drittel teurer - oder billigeres russisches Gas."

Stärkere Frauenförderung wäre wichtig gewesen

Die Altkanzlerin räumte ein, es wäre wichtig gewesen, Frauen stärker zu fördern. Dieses Ziel habe sie nicht erreicht. "Wir brauchen Parität - überall", forderte sie. Das gelte auch für den Bundestag.

Zugleich erklärte sie, dass es ihr noch schwer falle, von sich als Altkanzlerin in der weiblichen Form zu sprechen. "Physikerin" verwende sie bereits für ihre Berufsbezeichnung, ansonsten gendere sie nicht.

MDR/epd/dpa (rnm/isc/vm/kkö)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 29. April 2023 | 12:18 Uhr

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