Schreiendes Baby, kurz nach der Geburt im Krankenhaus
In der Muldentalklinik am Standort Grimma ist die Entbindungsstation seit dem 1. November geschlossen. Ab sofort kann nur noch in der Muldentalklinik in Wurzen entbunden werden. Bildrechte: dpa

Gesundheitsversorgung Entbindungsstation der Muldentalklinik Grimma geschlossen

03. November 2023, 10:16 Uhr

In der Mulentalklinik in Grimma wird so schnell kein Babygeschrei mehr zu hören sein. Seit dem 1. November ist die Entbindungsstation am Standort Grimma geschlossen. Der Nachwuchs soll jetzt am Wurzener Standort der Mulentalklinik auf die Welt kommen. Grund für das Aus der Geburtsstation in Grimma ist den Angaben zufolge die finanzielle Schieflage des Klinikunternehmens.


In der Muldentalklinik in Grimma ist seit dem 1. November die Entbindungsstation geschlossen. Geburtshilfe, Gynäkologie und Kinderklinik werden ab sofort in der Muldentalklinik in Wurzen gebündelt.

Bürgerin aus Grimma: "Schließung ist Armutszeugnis"

Zwischen Wurzen und Grimma liegen rund 20 Kilometer. Nicht viel, würde man meinen. Doch geht es um die künftige medizinische Versorgung sehen die Menschen in Grimma die Entfernung nach Wurzen anders, wie eine Umfrage von MDR SACHSEN zeigt. Eine Passantin erklärte: "Man kann nicht eine Frau, die schwanger ist, rum fahren. Was da passieren kann, mit den Kindern und mit den Muttis!" Eine andere Bewohnerin Grimmas meint gar: "Für die Allgemeinheit ist es ein Armutszeugnis, dass wir hier um die Kliniken kämpfen müssen. Es gehört zu einer ganz normalen Infrastruktur dazu, dass wirklich jede Stadt eine Klinik hat."

Es ist ein Armutszeugnis, dass wir hier um die Kliniken kämpfen müssen.

Passantin in Grimma

Sanierungskonzept soll Ende des Jahres stehen

Im Mai dieses Jahres hatte der Kreistag des Landkreises Leipzig den Muldentalkliniken ein Gesellschafter-Darlehen in Höhe von 10 Millionen Euro bewilligt - geknüpft an ein Sanierungskonzept. Es ist mittlerweile das vierte Konzept, an dem gearbeitet wird. Bis Ende des Jahres soll es stehen und den Muldentalkliniken eine sichere finanzielle Zukunft bescheren. Denn das Ziel des Konzepts lautet: ein positiver Jahresabschluss ab 2026. Um das zu erreichen, wurde jetzt die Geburtsstation in Grimma geschlossen. Die Folge: Fünf Ärztinnen und Ärzte wechseln nach Wurzen. Den zwölf Beleghebammen in Grimma wurde zum 1. April nächsten Jahres gekündigt.

Des einen Freud, des anderen Leid

Die Entscheidung zu Gunsten Wurzens macht Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) traurig. Er glaubt, dass sich das Sanierungskonzept der Muldentalkliniken fortsetzen und noch mehr in Grimma wegfallen wird. So sei in den vergangenen Jahren schon die Traumatologie aus Grimma nach Wurzen abgewandert, jetzt die Entbindungsstation. Das Versprechen, dass vom Standort in Wurzen Abteilungen nach Grimma kommen, sei nie eingetreten, so Berger.

Es wird sich fortsetzen, dieser Prozess, und das macht mich eigentlich traurig und macht mir echt Angst um die Kliniken in Gänze.

Matthias Berger Oberbürgermeister Grimma

Das Schild "Geburtshilfe und Gynäkologie" ist in einem Flur vom Krankenhaus "Hospital zum Hl. Geist" befestigt.
Seit dem 1. November ist die Geburtstation der Muldentalklinik in Grimma Geschichte. Werdende Mütter müssen ab sofort in die Muldentalklinik Wurzen, um ihre Kinder dort zu entbinden. Bildrechte: dpa

Marcel Buchta (parteilos) wiederum, der Oberbürgermeister von Wurzen, ist mit der Entscheidung für seine Stadt einverstanden und versucht in Richtung Grimma zu vermitteln. Das bisherige Sanierungskonzept sei in seiner Form so nicht umsetzbar gewesen, erklärte das Stadtoberhaupt. Rechtlich und auch betriebswirtschaftlich hätte es Probleme gegeben - gewonnen hätte dann keiner, so Buchta.

So sahen die bisherigen Pläne für die Muldentalkliniken aus Die Muldentalkliniken in Grimma und Wurzen sind seit längerer Zeit am finanziellen Limit. Der Aufsichtsrat der Kliniken hatte einen Sanierungsplan erarbeitet. Dieser war eine Voraussetzung für die Finanzspritze vom Landkreis. In dem Plan heißt es, ohne einen Sparkurs würden die Muldentalkliniken in eine ungesteuerte Insolvenz rutschen.

Lediglich der Standort Grimma sollte
- die vollstationäre Versorgung anbieten.
- die Bereiche Chirurgie, innere Medizin und Allgemeinmedizin abdecken.

Der Standort Wurzen sollte
- zu einem ambulanten Zentrum umgebaut werden.
- lediglich 20 Betten für die innere Medizin erhalten.
- sechs weitere Betten für die Palliativmedizin erhalten.
- die Kinder- und Geburtsklinik schließen.*

*Aufgrund des starken Widerstands hat der Aufsichtsrat bereits im Februar zugesagt, die Geburtsklinik zu erhalten.

Kliniken sollen auf stabiles Fundament gestellt werden

Die Geschäftsführung der Muldentalkliniken will ihre Häuser mit dem Sanierungskonzept auf ein wirtschaftlich stabiles Fundament stellen. Auch soll die medizinische Versorgung dadurch gewährleistet und den Beschäftigten eine Perspektive geboten werden. Und da wäre ja noch die anstehenden Krankenhausreform auf Bundesebene - auch der soll mit dem jetzt zu erstellenden Konzept Rechnung getragen werden.

MDR (Heike Endig/bbr)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Leipzig | 01. November 2023 | 16:30 Uhr

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