Nach Antisemitismusvorwürfen Rechtsradikale sorgten am Westin für Sicherheit

Das Leipziger Westin-Hotel steht wegen der Antisemitismus-Vorwürfe des Sängers Gil Ofarim in der Kritik. Mehrere Hundert Menschen demonstrierten am Dienstagabend vor dem Gebäude gegen das Verhalten der Hotel-Angestellten. Abgesichert wurde das Westin zu diesem Zeitpunkt von einer Sicherheitsfirma mit eindeutigen Verbindungen in die rechtsextreme Szene.

Ein Demonstrant trägt die Fahne Israels über den Schultern
Bei einer Demonstration am Dienstagabend wurde das Westin von einer Sicherheitsfirma mit Verbindungen in die rechtsextreme Szene abgesichert. Bildrechte: dpa

Das wegen Antisemitismus-Vorwürfen in der Kritik stehende Leipziger Hotel Westin hat offenbar zu seinem Schutz eine Sicherheitsfirma aus dem rechtsextremen Milieu beauftragt.

Tobias B. (3.v.l.), am 20. April 2015 am Rand einer Legida-Demonstration- neben ihm die Neonazis Kevin D. (4. V.l.) und Ricardo S, (6.v.l.).
Tobias B. (3.v.l.), am 20. April 2015 am Rand einer Legida-Demonstration- neben ihm die Neonazis Kevin D. (4. V.l.) und Ricardo S, (6.v.l.). Die beiden sind seit den 90er-Jahren militante Neonazis und auch wegen des "Sturms auf Connewitz" 2016 angeklagt. Bildrechte: Pixelarchiv

Die Firma "Pro GSL Security" veröffentlichte am Dienstagabend selbst ein Foto bei Facebook, auf dem einer der beiden Geschäftsführer mit drei weiteren Mitarbeitern vor dem Hotel postiert ist. "Heute mal auf die schnelle das Westin abgesichert" [sic!], hieß es dazu.

Die beiden Geschäftsführer der Firma "Pro GSL Security", Tobias B. und Oliver R., fielen außerdem einem MDR-Reporter und anderen Medienvertretern vor Ort auf, weil sie als Angehörige der rechtsextremen Szene einschlägig bekannt sind.

Tobias B. wurde erst im April dieses Jahres rechtskräftig im Zusammenhang mit dem Angriff auf den Leipziger Stadtteil Connewitz im Jahr 2016 verurteilt. Er bekam eine Haftstrafe von elf Monaten zur Bewährung sowie eine Geldstrafe von 2.500 Euro.


Legida und Verbindungen zum NSU

Oliver R., der zweite Geschäftsführer und Teilhaber der Sicherheitsfirma, war als Ordner bei Legida aktiv. Dem MDR liegen entsprechende Fotos aus dem Jahr 2015 vor. Der Ableger der Dresdner Pegida-Bewegung galt damals als radikaler als das Original.

Oliver R. handelte nach MDR-Informationen außerdem jahrelang mit Kleidung von Marken, die vor allem in der rechtsextremen Kampfsportszene beliebt waren.

Oliver R. (Bildmitte) als Ordner eine Legida-Demo im März 2015.
Oliver R. (Bildmitte) als Ordner eine Legida-Demo im März 2015. Bildrechte: Pixelarchiv

Einer der Geschäftspartner von Oliver R. war der Zwickauer Neonazi und V-Mann des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Ralf Marschner. Mit ihm zusammen entwickelte und vertrieb er die Marke "Barstool Sports". Nach Marschners Abtauchen 2007 forderte R. in dessen früherem Ladengeschäft einen Rechner ein, auf dem unter anderem Vorlagen der Marke gespeichert waren. Auf dem PC fanden die NSU-Ermittler später die Titelmelodie von Paulchen Panther. Das Lied wurde auch im Bekennervideo der Terrorgruppe verwendet.

Der Geschäftsführer des Leipziger Westin-Hotels, Andreas Hachmeister, sagte dem MDR am Donnerstag, dass der Sicherheitsdienst vor der angekündigten Demonstration kurzfristig engagiert worden sei. Wichtig sei, dass alles friedlich geblieben sei. Mit der Firma sei vorher noch nicht zusammengearbeitet worden. Sollten sich die Berichte als wahr herausstellen, "war es auch das letzte Mal", sagte Hachmeister. Das sei selbstverständlich.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 07. Oktober 2021 | 10:00 Uhr

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