150 Jahre HGB-Bibliothek
Bildrechte: Hendrick Heinicke Nathalie Lange

Welttag des Buches 150 Jahre HGB-Bibliothek in Leipzig: Ausstellung zeigt Buchschätze

23. April 2024, 14:01 Uhr

Die Bibliothek der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig ist für die künstlerische Lehre gedacht, aber auch kunstinteressierte Laien können hier in Bildbänden und Fachliteratur schmökern. Vor 150 Jahren wurde die Bibliothek gegründet. Dieses Jubiläum feiert sie mit einem vielseitigen Programm aus Ausstellungen und Lesungen. Den Auftakt macht am 23. April, dem Welttag des Buches, die Ausstellung "Hidden Treasures". Gezeigt werden besondere Bücher aus dem geschlossenen Magazin.

Im Lesesaal der Bibliothek an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) ist es luftig und hell. Doch um zu ihrem Herzen zu gelangen, muss man treppab. Ins Magazin. Unten angekommen fällt der Blick auf lange Buchreihen, die sich unter das niedrige Gewölbe ducken. Manche Rücken sind kostbar verziert. In einer Ecke riesige Folianten und Grafikschränke. Hier unten möchte man mal eingeschlossen werden. Etwas gesondert stehen einige Bände mit goldgeprägten Lettern auf den Buchrücken. "Geschichte der Architektur, Meisterwerke der Kirchenbaukunst", liest Bibliotheksleiterin Yvonne Schürer vor, "Tischbeins Leben, Holbein Band 1, Kunst und Kunstgewerbe – Die Weltausstellung in Wien 1873", ergänzt sie.

Buchrücken historischer Bücher
Die Bibliothek der HGB in Leipzig besitzt einen großen historischen Sammlungsbestand. Bildrechte: YvonneSchürer

Gründung vor 150 Jahren in Leipzig

Ein Jahr nach dieser Weltausstellung, 1874, vor genau 150 Jahren, wurde die Bibliothek der Hochschule für Grafik und Buchkunst gegründet. Damals stifteten Leipziger Verlage wie der E.A. Seemann Verlag einen Grundstock an Büchern, zu denen vermutlich auch die Bände gehörten, deren Titel Yvonne Schürer vorgelesen hat. Heute umfasst der Bestand etwa 75.000 Titel sowie 80 laufende Zeitschriften, Filme und seit Neuestem sogar Videospiele. Schwerpunkt ist die Bildende Kunst in all ihren Spielarten. Im Lesesaal kann man durch die Regale streifen, sich in Künstlermonografien vertiefen oder in Fachbüchern über Maltechnik, Kunstgeschichte, Illustration oder Typografie blättern. Für die gezielte Suche steht ein Online-Katalog zur Verfügung.

Schwarz-Weiß-Fotografie des Lesesaals in der HGB-Bibliothek
Historische Aufnahme aus der Bibliothek in der HGB in Leipzig. Bildrechte: HGB Archiv

Sondersammlungen machen die HGB-Bibliothek einzigartig

Dort findet man auch einige Spielfilm-Perlen, die kein Streamingdienst im Angebot hat. Einzigartig machen die HGB-Bibliothek auch ihre Sondersammlungen, die Yvonne Schürer aufzählt: "Wir haben originalgrafische Drucke. Wir haben eine Sammlung asiatischer Farbholzschnitte. Wir haben ein paar historische Fotografien, und, was wir sehr schätzen: Wir haben eine Sammlung historischer Fotografieliteratur."

Das alles kann ausgeliehen oder im Lesesaal angeschaut und eingescannt beziehungsweise fotografiert werden – und zwar kostenfrei. Das Schöne daran: Die Bibliothek steht allen offen, die neugierig auf die Welt der Kunst sind. Im schönen Leipziger Musikviertel gelegen, kann man in der kleinen Bibliothek wunderbar zu Ruhe kommen.

Was wir sehr schätzen: Wir haben eine Sammlung historischer Fotografieliteratur.

Yvonne Schürer, Leiterin HGB-Bibliothek

Mitarbeitende der HGB Bibliothek
Leiterin Yvonne Schürer (r.) mit Mitarbeitenden der HGB-Bibliothek. Bildrechte: Elisabeth Stiebritz

Ausstellung "Hidden Treasures" holt Schätze aus dem Magazin

In den nächsten Monaten könnte man aber auch immer wieder Überraschungen erleben. Denn für ihr 150. Jubiläum hat sich die HGB-Bibliothek eine ganz besondere Ausstellung ausgedacht. "Hidden Treasures" wird bis zum Ende des Jubiläumsprogramms im Herbst regelmäßig besondere Bücher aus dem geschlossenen Magazin ans Licht holen.

Im Freihandbereich könne man dann ganz zufällig über ein Buch stolpern, meint Yvonne Schürer, "das einen vielleicht erstmal die Stirn runzeln lässt oder was man vielleicht nicht sofort versteht, aber das eine Besonderheit des Bestandes darstellt."

Portal der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig
Die Bibliothek in der HGB in Leipzig lädt alle Interessierten zum Schmökern und Entdecken von Fachliteratur oder Bildbänden ein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schau zeigt Bücher über die Tschechische Avantgarde

Die erste, die eine Auswahl an Büchern zusammenstellen durfte, ist Julia Blume. Sie hat interessante Funde aus dem Nachbarland entdeckt. "Wir haben in der Zeit, in den späten 1920er- und frühen 30er-Jahren, eine sehr starke Moderne in der damaligen Tschechoslowakei", erklärt die Leiterin des Instituts für Buchkunst an der HGB. "Und von denen haben wir einige Bücher hier, die die Rolle einer Vorbildfunktion spielen, weil sie oft in tschechisch geschrieben sind, aber von der gesamten Gestaltung her fantastisch sind und die Moderne auf eine sehr anschauliche Weise rezipieren", ergänzt sie. Was der oder die nächste Hochschulmitarbeiterin im Magazin abstauben wird, bleibt abzuwarten. Bis dahin hüten die Regale im Gewölbe unter der HGB ihre Schätze ganz geduldig.

Informationen zu Bibliothek und Jubiläumsprogramm:

Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
Wächterstraße 11
04107 Leipzig

Öffnungszeiten in der vorlesungsfreien Zeit:
Dienstag bis Donnerstag: 11 bis 17 Uhr
Freitag: 11 bis 15 Uhr
Montag: geschlossen

"Hidden Treasures No. 1"
Ausstellung vom 23. April bis 1. Juli 2024
Kuratiert von Julia Blume, nach der Idee von Regine Ehleiter

"Zur Schau stellen – Bibliotheksgeschichte(n) seit 1874"
Vitrinenausstellung ab 23. April 2024

"Hidden Treasures No. 2"
Ausstellung vom 12. Juli bis 21. Oktober 2024
Ausstellung mit Buchpräsentation
Kuratiert von Julia Blume, nach der Idee von Regine Ehleiter

Redaktionelle Bearbeitung: lig

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. April 2024 | 12:10 Uhr

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