Landgericht Leipzig Leipziger "Kinderzimmer-Dealer" gesteht Beteiligung an Drogengeschäften

27. Februar 2023, 18:56 Uhr

Im Prozess um den Online-Drogenhandel Candy Love in Leipzig hat es ein weiteres Geständnis gegeben. Nachdem bereits im Vorfeld zwei Tatverdächtige gestanden haben, gab jetzt auch der "Kinderzimmer-Dealer" zu, beteiligt gewesen zu sein. Er sei aber nicht direkt involviert gewesen, sagte er am Montag vor Gericht. Das sieht die Staatsanwaltschaft jedoch anders.

Der sogenannte Kinderzimmer-Dealer hat am Montag vor dem Landgericht Leipzig seine Beteiligung an Drogengeschäften mit vier weiteren Tatverdächtigen gestanden. Er habe einen Onlineshop für den Handel programmiert und eine Software für die Bestellungen entwickelt, gestand der 28-Jährige vor dem Landgericht.

Die tatverdächtigen Männer im Alter zwischen 24 bis 42 Jahren sollen ab April 2019 unter anderem 16,5 Kilogramm Amphetamin und 2,5 Kilogramm Haschisch über den Online-Drogenhandel verkauft haben.

Kopf der Gruppe oder nur Progammierer?

Maximilian S. erklärte vor Gericht, dass er während seiner Haft den Mitangeklagten Friedemann G. kennengelernt habe. Dieser ist wegen anderer Drogendelikte vorbestraft und verbüßt derzeit eine Haftstrafe. Friedemann G. habe einen neuen Drogen-Onlineshop aufbauen wollen, sagte Maximilian S. vor Gericht. Er selbst habe erst abgelehnt, sich aber dann bereiterklärt, den Onlineshop einzurichten.

Für mich stand fest, dass ich nichts außer dem Programmieren damit zu tun haben möchte. Es war abgemacht, dass ich mich jederzeit ausklinken kann.

Maximilian S. Angeklagter

Die beiden Männer hätten untereinander vereinbart, dass Maximilian S. nur in der Anfangszeit assistiere, behauptete der 28-Jährige am Montag vor Gericht. "Für mich stand fest, dass ich nichts außer dem Programmieren damit zu tun haben möchte. Es war abgemacht, dass ich mich jederzeit ausklinken kann", sagte der Angeklagte. Mit der Lagerung, Portionierung oder Festlegung der Verkaufspreise der Drogen habe er nichts zu tun gehabt. Die Anklage sieht das anders: Laut Staatsanwaltschaft soll Maximilian S. als Kopf der Gruppe agiert haben.

Zwei Angeklagte haben bereits gestanden

In einem der vorherigen Verhandlungstermine hatten bereits zwei der fünf Männer gestanden, als Beihelfer an den Drogengeschäften beteiligt gewesen zu sein. Die übrigen Angeklagten haben sich bislang noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die Verhandlung gegen die Tatverdächtigen wurde am 23. Januar eröffnet. Mit einem Urteil wird nicht vor Juni gerechnet.

Drogen direkt aus dem Kinderzimmer verkauft

Maximilian S. war schon zuvor straffällig geworden: Er hatte 2015 im Darknet fast eine Tonne Drogen direkt aus seinem Kinderzimmer verkauft. Seine Geschichte war Vorlage für ein Filmprojekt des Streaming-Anbieters Netflix: die Serie "How to Sell Drugs Online ( Fast )", von der es mittlerweile drei Staffeln gibt.

MDR (phb,sys)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten des Studios Leipzig | 27. Februar 2023 | 14:30 Uhr

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