Kinderzimmer-Dealer "Shiny Flakes": Zwei Geständnisse im Prozess um Online-Drogenhandel

Im Prozess um den Online-Drogenhandel Candy Love am Landgericht Leipzig haben zwei Angeklagte Geständnisse abgelegt. Insgesamt sind fünf Männer angeklagt. Einer von ihnen war bereits 2015 wegen des Online-Drogenshops Shiny Flakes angeklagt und verurteilt worden.

Einer der Angeklagten im Prozess um den sogenannten „Kinderzimmer-Dealer“ wird von Justiz-Mitarbeitern in den Saal des Landregichts Leipzig geführt
Einer der Angeklagten im Prozess um den sogenannten "Kinderzimmer-Dealer" wird von Justiz-Mitarbeitern in den Saal des Landgerichts Leipzig geführt. Fünf Männer sind insgesamt angeklagt. Bildrechte: dpa

Im Prozess gegen einen als "Kinderzimmer-Dealer" bekannt gewordenen Mann aus Leipzig sowie vier Mitangeklagte haben zwei der Männer ein Geständnis abgelegt. Die Staatsanwaltschaft hatte beiden vorgeworfen, dabei geholfen zu haben, einen Online-Drogenhandel zu betreiben. Darüber sollen ab April 2019 unter anderem 16,5 Kilogramm Amphetamin und 2,5 Kilogramm Haschisch verkauft worden sein.

Vor dem Leipziger Landgericht räumten beide Männer ein, sie hätten bei der Portionierung und Verpackung der Betäubungsmittel geholfen. Dafür erhielten sie jeweils 1.500 Euro monatlich in bar, zudem sei ihre Miete übernommen worden.

Bestellungen über Adresse eines Angeklagten

Einer der beiden Männer erklärte, er habe den für die Logistik des Online-Handels zuständigen Angeklagten beim Sport kennengelernt, so sein Verteidiger. Über seinen Namen und seine Adresse seien Bestellungen für den Shop getätigt worden, hieß es in der Erklärung des geständigen Mannes. Er habe diese Bestellungen zwar geduldet, jedoch selbst keine Drogen bestellt. Über den für die Logistik zuständigen Mann habe sein Mandant auch den als "Kinderzimmer-Dealer" bekannt gewordenen Angeklagten kennengelernt.

Der Vorsitzende Richter am Landgericht Leipzig, Rüdiger Harr (M), sowie Richterin Katrin Seidel und Richter Mario Gaitzsch stehen vor Verhandlungsbeginn im Saal.
Der Vorsitzende Richter am Landgericht Leipzig, Rüdiger Harr (Mi.), sowie Richterin Katrin Seidel und Richter Mario Gaitzsch vor Verhandlungsbeginn. Bildrechte: dpa

Staatsanwaltschaft: Über 400 Briefe verschickt

Beiden Geständnissen zufolge wurden Laptops zur Verfügung gestellt, um die Bestellungen abarbeiten zu können. Der zweite Geständige erklärte, er habe die Drogenbestellungen nach dem Verpacken mit Briefmarken versehen und in unterschiedliche Briefkästen geworfen. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft sollen mehr als 400 Briefe verschickt worden sein.

"Kinderzimmer-Dealer" bereits 2015 zu Jugendstrafe verurteilt

Den fünf Männern im Alter zwischen 24 und 42 Jahren wird vorgeworfen, in unterschiedlichem Ausmaß an den Drogen-Geschäften über den frei zugänglichen Webshop Candy Love beteiligt gewesen zu sein. Einer der Angeklagten, der als "Kinderzimmer-Dealer" bekannt gewordene heute 27 Jahre alte Leipziger, soll als Kopf der Gruppe fungiert haben. Er war 2015 zu sieben Jahren Jugendstrafe verurteilt worden, weil er damals einen ähnlichen Drogenshop, mit Namen Shiny Flakes, aufgezogen hatte.

Er hatte zugegeben, fast eine Tonne über das Darknet beschaffte Drogen verkauft zu haben. Die Ware verpackte und versendete er aus seinem Kinderzimmer in Leipzig. Seine Geschichte war Vorlage für ein Filmprojekt des Streaming-Anbieters Netflix: die Serie "How to Sell Drugs Online ( Fast )", von der es mittlerweile drei Staffeln gibt.

Drogenfund liegt auf einem Tisch.
2015 beschlagnahmte die Leipziger Polizei jede Menge Drogen in der Wohnung des "Kinderzimmer-Dealers Shiny Flakes". Bildrechte: dpa

MDR (cke)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 02. Februar 2023 | 19:30 Uhr

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