Ein Lastenrad mit Hund.
Auch ein Hund fühlt sich in einem Lastenrad offenbar wohl. Bildrechte: IMAGO / ecomedia/robert fishman

Neue Mobilität Vom Fördern und Fahren: Fragen und Antworten zu Lastenrädern

14. Juli 2022, 08:34 Uhr

Das Geschäft mit den Lastenrädern boomt. 2021 erreichte die Branche ein Rekordwachstum. Was macht die großen Bikes so attraktiv? Welche Probleme gibt es? Was macht der Freistaat anders als Sachsen-Anhalt und Thüringen? Fragen und Antworten aus Sachsen.

Wie angesagt sind diese Räder?

Sehr angesagt. Im vergangenen Jahr gab es mit plus 62 Prozent ein Rekordwachstum. 167.000 Lastenräder wurden in Deutschland verkauft.

Schaut man auf die regionalen Förderprogramme, dann wurden 2021 in Sachsen 386 Räder bezuschusst. Von den 300 Anträgen entfielen 112 auf Leipzig und 77 auf Dresden. In Sachsen-Anhalt war der Fördertopf für 2021 aufgrund der Nachfrage bereits im September ausgeschöpft. Aus Städten wie Berlin oder Frankfurt wurde berichtet, dass die Online-Anträge bereits nach wenigen Minuten ausverkauft waren. Lastenräder sind damit ähnlich begehrt wie Konzertkarten von Coldplay oder den Stones.

Wie nennt man die Räder eigentlich?

Lastenräder hat sich erst einmal durchgesetzt, die Bürokratie spricht auch von Transporträdern, der hippere Zeitgeist von Cargo-Bikes.

Warum ist es eine sehr liberale Art der Fortbewegung?

Es gibt weder eine Führerscheinpflicht noch eine Altersbegrenzung, auch keine Gewichtsgrenze oder eine Helmpflicht. Man muss nur die Straßenverkehrsordnung beachten und auf Radwegen unterwegs ein.

Wie schnell kann gefahren werden?

Das Transportieren ist wichtiger als das Tempo: Mehr als 25 km/h fahren auch die schnelleren E-Bikes nicht.

Was sind eigentlich Lastenräder?

Es gibt sie mit zwei oder drei Rädern. Mit Fußantrieb, als E-Bike oder mit Solarantrieb, mit einer Transportmöglichkeit vorne, hinten oder in der Mitte. Die Versionen nennen sich dann "Christiana", "Long John" und "Long Tail". Manche haben sogar ein Dach. Kinder lassen sich darin sehr gut transportieren oder der größere Einkauf. Es ist aber auch etwas für die ganz großen Lieferdienste sowie mittlere und kleinere Unternehmer wie Handwerker.

Lastenräder der Paketdienstleister Hermes, GLS, dpd und DHL
Große Paketdienstleister nutzen die Lastenräder schon länger. Bildrechte: IMAGO / Jürgen Heinrich

Wie viel kosten sie?

Die Preise beginnen bei 1.000 Euro. Soll es ein E-Bike werden, dann sind es 3.000 Euro aufwärts. E-Bikes machen nach Auskunft des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs Sachsen den größeren Teil der Lastenräder aus.

Wo sollen diese Räder verkehrssicher fahren?

Laut Straßenverkehrsordnung nutzen Lastenräder, wie alle Fahrzeuge grundsätzlich die Fahrbahn. Ist ein Radweg mit blauem Schild vorhanden, so muss dieser benutzt werden, wie auch mit einem normalen Fahrrad. Oft ist das nicht ganz ohne. Weil besonders die dreirädrigen "Trikes" viel Platz weg nehmen, fühlt sich mancher herkömmliche Radfahrer aufgehalten, wenn so ein Gefährt mit 12 km/h vor ihm her radelt. Einige Radwege sind auch einfach zu schmal.

Der ADAC Sachsen schreibt: "Lastenradler müssen bei entsprechender Ausschilderung den Radweg benutzen. Sie dürfen nur dann auf die Fahrbahn ausweichen, wenn es unzumutbar ist, auf dem Radweg zu fahren – zum Beispiel, wenn dieser für das jeweilige Lastenrad nicht breit genug ist. Ansonsten droht ein Bußgeld von mindestens 20 Euro."

Die Verbraucherzentrale hofft auf den Bau von neuen, innovativen Radwegen. Davon könne speziell der ländliche Raum profitieren, wo Platz ist für moderne Radwege.

Wo sollen diese Bikes parken?

An speziellen Parkplätzen fehlt es überall. In Leipzig gibt es einen ersten eigenen Parkplatz in Lindenau, der nach Auskunft der Verbraucherzentrale Sachsen "gut ankommt". Ansonsten parken die vergleichsweise großen Bikes derzeit auf normalen und neben normalen Fahrradplätzen - und dabei dann auch schnell auf Fußwegen. Spezielle öffentliche Parkplätze müssen nun gebaut werden.

Private Nutzer haben im besten Fall eine Garage mit Extra-Platz für Räder und Lastenräder. Ansonsten müssen auch sie sich mit dem Parkproblem herumschlagen. Das schwere Bike jeden Abend in den Keller zu schleppen, ist einfach unpraktisch.

Wie sieht die Umweltbilanz aus?

Daniel Köhlerschmidt von der sächsischen Verbraucherzentrale sagt: "Es ist die gelebte Alternative zum Autoverkehr, zum emissionsintensiven Transportmittel. Keine Emissionen, weniger Lärm und weniger Gefahren durch Autos - die Lebensqualität der Verbraucher wird extrem beeinflusst."

Wie wird die Anschaffung in Sachsen gefördert?

Die seit dem 01. März 2021 in Kraft getretene bundesweite Richtlinie für E-Lastenfahrräder und die durch das sächsische Kabinett ergänzte Förderung für Lastenräder und E-Lastenbikes ermöglicht kleinen und mittleren Unternehmen, sowie Vereinen, Kommunen und Zweckverbänden eine Bezuschussung von bis zu 500 Euro für herkömmliche und für bis zu 1.500 Euro für E-Lastenbikes. Geld für höchstens fünf Räder darf beantragt werden.

E-Lastenräder von Cargoroo
Ein E-Lastenrad wird mit 1.500 Euro gefördert. Bildrechte: IMAGO / Jürgen Heinrich

Worin besteht der Unterschied zu anderen Bundesländern?

Im Gegensatz zu Thüringen und Sachsen-Anhalt werden in Sachsen keine Anschaffungen durch Privatpersonen gefördert. Zum Leidwesen der Verbraucherschützer im Land: "In Zeiten wie diesen, ist es umso wichtiger die Belange der Bürger*innen bei den Förderprogrammen mitzudenken. Die nachhaltige Mobilität und in diesem Zusammenhang die Förderung von Lastenrädern zum privaten Gebrauch, ist somit ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur erfolgreichen Energiewende", sagt Daniel Köhlerschmidt.

Mann auf einem Lastenrad mit Maler-Werbung
Mann auf einem Lastenrad mit Maler-Werbung Bildrechte: IMAGO / Arnulf Hettrich

Anders sieht es der Geschäftsführer des "Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Sachsen", Konrad Krause: "Ich finde das schon in Ordnung. Der Boom im privaten Bereich kommt ja von alleine. Da ist eine unglaubliche Dynamik, die Hersteller kommen gar nicht hinterher. Gefördert sollen die werden, wo es noch nicht von alleine läuft. Da ist es gut, Anreize zu schaffen."

Was macht beim Lastenradfahren besonders Spaß?

Kinder, Ausflug und Lastenrat: Das scheint zu passen. Konrad Krause gerät dabei ins Schwärmen: "Im Vergleich zum herkömmlichen Fahrrad-Anhänger oder Kindersitz kann man viel besser miteinander kommunizieren, die Kinder sind entspannter, bei Problemen kann man viel schneller beschwichtigend eingreifen. Alle sind lockerer unterwegs. Die Kinder haben einen viel dynamischeren Eindruck von der Reise. So eine Fahrt macht einfach viel mehr Spaß."

cke

Quellen: Mitteldeutscher Rundfunk, Stadt Leipzig, Verbraucherzentrale Sachsen, Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Sachsen, dpa, ADAC Sachsen

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 12. Juli 2022 | 19:00 Uhr

12 Kommentare

fritze1950 am 14.07.2022

Ja klar ist das gewollt. Es gibt kein Anrecht auf einen Parkplatz im öffentlichen Raum. Deswegen ist es richtig das Parkplätze rückgebaut und Platz für Grün und Erholung, Gastro und Fuß- und Radverkehr geschaffen wird. Die Stadt soll ein Platz zum Leben sein. Kein Parkplatz.

Tom0815 am 14.07.2022

Was ja nicht verkehrt sein muß. Neben den vielen schon genannten Vorteilen bringt dies ja auch zusätzliche Verbesserungen wenn ich mir z.B. Übergewicht und Bewegungsmangel in unserer westlichen Welt ansehe.

dimehl am 14.07.2022

Unterschiedliche Entwicklungen:
in einigen Ländern dominierte früher das Fahrrad das Straßenbild.
Heute ist es dort das Auto.
Bei uns könnte es umgekehrt sein...

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