Schwarz-Weiß-Foto des Dirigenten Alfred Szendrei mit Julius Witte und Dr. Erwin Jäger im Sendesaal der MIRAG Markt 8 Leipzig 4 min
Der MIRAG-Vorstand mit dem Musikalischen Leiter der MIRAG und Dirigent des Leipziger Sinfonieorchesters Alfred Szendrei (links), dem Leiter der Literarischen Abteilung und Feuilletonisten Julius Witte (Mitte) und dem Gründungsvorstand Dr. Erwin Jager (rechts) im Besprechungsraum der "Alten Waage", dem ehemaligen Vermessungsamt in Leipzig, um 1924. Bildrechte: Archiv MDR-Sinfonieorchester
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Zur Frühjahrsmesse am 1. März 1924 bekommt Leipzig einen eigenen Rundfunksender. Mit der Mitteldeutschen Rundfunk AG beginnt die Geschichte des Radios hierzulande – und die des Rundfunkorchesters. Von Hartmut Schade.

MDR KULTUR - Das Radio Do 29.02.2024 18:00Uhr 04:18 min

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Jubiläum des Sendestarts der MIRAG 100 Jahre Radio aus Leipzig

01. März 2024, 04:00 Uhr

Es ist der 1. März 1924, als die ersten Worte aus dem Messeamt in der Alten Waage am Leipziger Markt gesendet werden. Mit der Gründung der MIRAG, der Mitteldeutschen Rundfunk AG, beginnt nicht nur die Geschichte des Radios hierzulande, sondern auch die des Rundfunkorchesters. Das wird gefeiert: Anlässlich ihres 100-jährigen Jubiläums geben MDR Sinfonieorchester und MDR Rundfunkchor Konzerte.

  • Am 1. März 1924 sendet aus Leipzig die Mitteldeutsche Rundfunk-AG als zweiter deutscher Radiosender.
  • Die Anfänge der Radioszene in Leipzig gehen auf einen Verein zurück.
  • Chorgesang gilt damals im Radio als nicht übertragbar – Leipzig beweist Gegenteiliges und bringt mit Chor und Orchester die Musik ins Radio.

Eine ganze Woche lang wird 1924 in Leipzig über den Rundfunk debattiert. Das allein zeigt schon, wie neu und ungewöhnlich die drahtlose Übertragung von Tönen ist. Zweiter Punkt der "Ersten deutschen Radiowoche" ist die Eröffnungsfeier für den Leipziger Sender. Um halb drei am Nachmittag des 1. März 1924 kommen die ersten Worte aus dem Leipziger Äther: "Hallo, hallo – hier ist Leipzig, hier ist der Leipziger Meßamtssender der Reichs-Telegraphen-Verwaltung für Mitteldeutschland, wir senden auf Welle 450!"

Der "Meßamtssender" sendet tatsächlich aus dem Messeamt in der Alten Waage am Leipziger Markt. Die Räume hat die Stadt bereitgestellt, ebenso das städtische Johanneshospital in der heutigen Prager Straße, auf dessen Dach die beiden 30 Meter hohen Antennenmasten stehen.

Vom Radioverein zur Mitteldeutschen Rundfunk-AG

Dass Leipzig als zweite deutsche Kommune einen eigenen Rundfunksender bekommt, verdankt die Stadt Erwin Jäger. Der Arzt und begeisterte Hobbybastler glaubt an das neue Medium Rundfunk und leitet hier einen Radioverein mit fast 700 Mitgliedern, die sich ihre Rundfunkdetektoren selbst bauen. "Die wünschten dann von mir, dass ich Schritte unternehme, um einen Rundfunksender für Mitteldeutschland aufzustellen", erzählt er später.

In Leipzig stößt Erwin Jäger mit seiner Idee auf offene Ohren. Die Handelskammer will die entstehenden Radiohersteller unterstützen, dass Messeamt plant auf der Frühjahrsmesse 1924 den Rundfunk als zukunftsweisendes Medium groß zu präsentieren. Mit dem Zeitungsverleger Edgar Herfurth steht ein Großaktionär bereit, der zudem das Radio mit Nachrichten beliefert. Im Januar 1924 wird die "Mitteldeutsche Rundfunk-AG" gegründet. Zweck der Gesellschaft ist die "drahtlose Unterhaltung und Belehrung".

Das älteste Rundfunkorchester der Welt

Zu Erwin Jägers wichtigsten Mitarbeitern gehören der Feuilletonist Julius Witte als Direktor der Literarischen Abteilung und der Dirigent Alfred Szendrei.

Der gebürtige Ungar ist begeistert von dem neuen Medium, promoviert sogar darüber und ist zudem bestens vernetzt in der Leipziger Musikwelt. Er holt das im Januar 1923 gegründete Leipziger Sinfonieorchester regelmäßig vor die Mikrofone und macht es so zum ältesten Rundfunkorchester der Welt. Auch der Rundfunkchor entsteht auf Initiative Szendreis.

Chorgesang und damit Opern gelten angesichts der damaligen technischen Mittel als nicht übertragbar. Szendrei gründet aus Mitgliedern des Gewandhauschores die Leipziger Oratorienvereinigung und übt mit den Sängerinnen und Sängern "radiophones Singen". Er erinnert sich: "Ich habe den Sängern diejenigen Stärkegrade beigebracht, welche die damalige Mikrophontechnik erlaubt hat." Außerdem seien mehrere Mikrophone so aufgestellt worden, dass die vier verschiedenen Chorgruppen sich klar voneinander abhoben und "keinen dicken Brei in der Sendung ergaben", beschreibt er das technische Vorgehen.

Schwarz-Weiß-Foto von Menschen mit Musikinstrumenten, die ein Orchester bilden und in einem mit Stoff ausgekleideten Raum vor einem Mikofon sitzen.
Die MIRAG-Hauskapelle sitzt im Sendesaal (1928). Bildrechte: Archiv MDR-Sinfonieorchester

Zum Jubiläum gibt es von MDR-Rundfunkchor und -Orchester Konzerte: "100 Jahre Musik im Rundfunk". Vor und nach den Festkonzerten kommen aus Leipzig wie vor hundert Jahren schon Nachrichten, Lesungen und Hörspiele.

Quellen: MDR KULTUR (Hartmut Schade), MDR KLASSIK
Redaktionelle Bearbeitung: hro

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. März 2024 | 06:40 Uhr

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