Blick in die Glashalle der Leipziger Buchmesse, in der viele Menschen unterwegs sind.
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Leipziger Buchmesse Neue Buchmesse-Chefin – Überraschung in der Verlagsbranche

24. November 2023, 04:00 Uhr

Die Entscheidung für Astrid Böhmisch als zukünftige Direktorin der Leipziger Buchmesse hat in der Buchbranche für einige Überraschung gesorgt. Obwohl die Leipziger Messe die langjährige Expertise der designierten Chefin betonte, ist die bisherige Marketingexpertin für viele in der Verlagsbranche eine Unbekannte. Dennoch gibt es große Hoffnungen.

  • Die zukünftige Chefin der Leipziger Buchmesse, Astrid Böhmisch, ist für viele in der Buchbranche eine Unbekannte.
  • Mit ihrem beruflichen Hintergrund aus dem Marketing sind Befürchtungen und Hoffnungen verknüpft.
  • Die Kritik an der Neubesetzung geht auch einher mit Kritik an der Geschäftsleitung der Leipziger Messe und ihrem Beitrag am Weggang des langjährigen Buchmessedirektors Oliver Zille.

Die Entscheidung für Astrid Böhmisch als zukünftige Chefin der Leipziger Buchmesse kam für viele in der Buchbranche überraschend. Das haben Verlegerinnen und Verleger MDR KULTUR mitgeteilt. In der Buchbranche sei Astrid Böhmisch noch weitgehend unbekannt. "Mir ist sie weder namentlich noch persönlich bekannt gewesen", erklärte Annika Bach von der Leipziger Verlagsgruppe Seemann Henschel.

"Das ist mutig, ein für viele unbeschriebenes Blatt in diese Position zu bringen, aber es ist nicht unmöglich, dass es eine gute Wahl ist", urteilte der Geschäftsführer des Mitteldeutschen Verlags, Roman Pliske. Die Geschäftsführung der Leipziger Messe ihrerseits unterstrich in ihrer eigenen Mitteilung, dass Böhmisch über "beste Kontakte in die Literaturwelt und in die Verlags- und Medienbranche" verfüge.

Eine Buchmesse-Chefin aus dem Marketing

Astrid Böhmisch sei in der Medien-und Buchbranche erfahren, ihr Aufgabengebiet war bisher aber vor allem das Marketing. Für Verlegerin Bach steckt hinter der Personalentscheidung eine sehr bewusste Entscheidung: "Dass sie sich für eine Person entschieden haben, die stärker aus dem Marketing kommt, die stärker aus der Geschäftswelt kommt, die auch eine Frau ist – das war alles sehr bewusst gewählt."

Marketing könne nur gut sein, wenn es erfolgreich ist. Insofern müsse Böhmisch natürlich auf die Zahlen der Besucherinnen und Besucher schauen, argumentiert Verleger Pliske: "Ich glaube, dass jemand, der auf Zahlen schaut, nicht per se schlecht für Bücher sein muss."

der Inhaber des Mitteldeutschen Verlags Roman Pliske im Gespräch
Roman Pliske ist mit dem Mitteldeutschen Verlag jedes Jahr auf der Leipziger Buchmesse vertreten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hoffnungen auf neue Direktorin in Leipzig

"Es ist eine große Erleichterung, dass überhaupt eine gute Nachfolgerin gefunden worden ist", findet Helmut Stadeler vom Verlag Bussert & Stadeler. Die Leipziger Buchmesse bleibe ein großes Kulturereignis, davon ist der Vorsitzende des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Mitteldeutschland überzeugt. Stadeler reagierte damit auf Befürchtungen, dass die neue Chefin Astrid Böhmisch als Marketingfrau vor allem die Zahlen im Blick haben werde.

Ein Gruppe Menschen geht geschäftig durch einen Tunnel aus Glas.
Als Vorsitzender der Regionalgruppe des Börsenvereins setzt sich Helmut Stadeler (rechts im Bild) immer wieder für den Buchmarkt ein. Bildrechte: dpa

Annika Bach von der Leipziger Verlagsgruppe Seemann Henschel setzt auf Gespräche mit der neuen Buchmesse-Chefin: "Sie schreibt auf ihrem LinkedIn-Account, sie sei 'gespannt auf den Austausch und die gemeinsamen Ideen, lasst uns Pläne schmieden'. Das klingt ja erst mal, als würde sie den Dialog mit der Branche suchen. Das finde ich wunderbar."

Gleichzeitig hofft Verlegerin Bach auf Astrid Böhmischs eigene Ideen: "Wir brauchen natürlich auch jemanden, der eine klare inhaltliche Vision hat und diese Messe dann auch entsprechend voranbringen will. Ich wünsche ihr auch da Mut zu einer eigenen Position."

Oliver Zille als Buchmesse-Direktor kaum zu übertreffen

Zudem gibt Annika Bach zu bedenken, dass die Neubesetzung der Buchmesse-Leitung auch wegen der Umstände um Oliver Zilles Weggang von der Buchbranche kritisch gesehen wird: "Von der Messe und der Stadt Leipzig wurde zu wenig getan, um Oliver Zille zu halten. Eine mögliche Kritik, die Frau Böhmisch jetzt vielleicht auch aushalten muss, hat im Moment wahrscheinlich auch viel mit der Geschäftsführung der Messe selbst zu tun."

Astrid Böhmisch, eine lächelnde Frau im Anzug
Astrid Böhmisch will erst ab 2024 über eigene Visionen für die Buchmesse in Leipzig sprechen. Bildrechte: Leipziger Buchmesse

Insgesamt äußern sich die Mitglieder der Verlagsbranche aber offen gegenüber der neuen Leitung. Verlegerin Bach sei sehr gespannt auf ein erstes Interview mit Astrid Böhmisch. Zum jetzigen Zeitpunkt hat die zukünftige Buchmesse-Chefin das allerdings abgelehnt. Erst nachdem Oliver Zille zum Jahresende 2023 seinen Posten verlässt, wird Böhmisch sich persönlich im Gespräch äußern, sagte sie MDR KULTUR.

Zu ersetzen sei der frühere Direktor der Leipziger Buchmesse, Oliver Zille, nur schwer. Da ist sich die Branche einig: "Wir in der Buchbranche wissen alle, dass das sehr große Fußstapfen sind", räumt Verlegerin Bach ein: "Wenn Sie mich fragen, in kultureller und gesellschaftlicher Bedeutung, ist Oliver Zille für mich durchaus vergleichbar mit einem Kurt Masur."

Quellen: MDR KULTUR (Julia Hemmerling, Tino Dallmann)
Redaktionelle Bearbeitung: hro

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. November 2023 | 08:40 Uhr

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