Schulfest an einer Schule in Mombasa
Vereinsmitglieder haben an der Educaid Academy mit 570 Kindern ein Schulfest gestaltet und gefeiert. Bildrechte: MDR/Gerd Keßler

Kenia-Hilfe Klettbacher Verein vergrößert seine Schule in Mombasa

09. Dezember 2023, 15:09 Uhr

Ihre Beharrlichkeit zahlt sich aus. Seit 17 Jahren engagiert sich ein Ehepaar aus Klettbach im Weimarer Land nun schon im kenianischen Mombasa. Gabriele und Gerd Keßler haben den Verein Educaid Kenya gegründet und eine Schule aufgebaut. Die Schule wächst unaufhörlich und inzwischen haben die ersten Kinder ihre Abschlüsse gemacht.

"Es sind die Früchte, die wir nun ernten können. Wir sind unglaublich stolz und auch dankbar." Gabriele Keßler ist gerührt, wenn sie über ihr Treffen mit ehemaligen Schülern berichtet. "Wenn die erfahren, dass wir in der Stadt sind, kommen sie an die Schule und erzählen von ihren Ausbildungen. Die eine will Lehrerin werden, die andere lässt sich zur Krankenschwester ausbilden und einer der Jungs wird Elektrotechniker."

Vermutlich hätte keiner von ihnen eine Ausbildung beginnen können, wenn da nicht die Educaid Academy gewesen wäre. Die privat finanzierte Schule liegt in einem armen Viertel der Stadt Mombasa. Im Einzugsbereich wohnen mittellose Familien, die oft in Lehmhütten hausen und unter normalen Umständen kein Geld für Bildung übrig haben. Staatliche Schulen sind oft weit weg oder überfüllt. Diesen Familien gibt der Educaid Kenya Verein eine Chance.

Gabriele Keßler und Lehrer und Schüler in einem Klassenzimmer in Mombasa
Gabriele Keßler beim Besuch in der Schule Bildrechte: MDR/Gerd Keßler

Ein gutes Drittel der Kinder an der Academy wird durch Patenschaften aus Deutschland unterstützt. Die Paten zahlen das Schulgeld und finanzieren auch ein regelmäßiges warmes Essen. "Das Schulgeld für die anderen Kinder versuchen wir so niedrig wie möglich zu halten. Das alles funktioniert nur durch das Einwerben von Spenden und auftun von Sponsoren", sagt Vereinschef Gerd Keßler. "Das ist sehr mühsam und manchmal auch anstrengend." Doch die Arbeit zahle sich aus.

Schulabschlüsse staatlich anerkannt

Allein in den vergangenen zwei Jahren ist die Schule enorm gewachsen. Inzwischen lernen 570 Mädchen und Jungen vom Kindergartenalter bis zum Abschluss nach der neunten Klasse hier. Auf dem Schulgelände wurde ein zweites Gebäude mit Fachkabinetten errichtet, die Voraussetzung für eine weitere Lizenz. Die Schulabschlüsse sind nun staatlich anerkannt.

Nach der neunten Klasse können die Schüler eine Ausbildung beginnen, oder aber an einer weiterführenden Schule ihr Abitur machen. Auch ein Kindergartengebäude wurde inzwischen gebaut. Weil der Platz schon wieder eng wird, ist für das kommende Jahr eine Aufstockung geplant. Auf dem Dach entsteht eine neue Etage mit einer Werkstatt, einem Nähkabinett und Unterrichtsraum.

Schüler in einem Klassenzimmer in Mombasa
Im Klassenzimmer: Bis zur neunten Klasse lernen die Kinder an der Schule und machen ihren Abschluss. Bildrechte: MDR/Gerd Keßler

Technische Projekte sollen Schule unabhängiger machen

2021 wurde eine Wasseraufbereitungsanlage in Betrieb genommen, die Kinder und Familien mit sauberem Wasser versorgt. Aber damit nicht genug: Die Keßlers haben neue Ideen für weitere technische Projekte. "Hier in der Gegend fällt bis zu vier-, fünfmal am Tag der Strom aus. Da ist nicht gut für unsere Geräte. Computer und Wasseraufbereitungsanlage leiden darunter. Wir versuchen jetzt autark zu werden." Ein Sponsor ist von der Idee überzeugt: Das Unternehmen aus Bad Staffelstein (Bayern) spendiert eine Solaranlage mit Speicher für rund 35.000 Euro. Im Januar sollen die Module montiert werden. Sie sollen die Schule mit Sonnenstrom versorgen.

Schüler beim Essen an einer Schule in Mombasa
An der Schule gibt es täglich ein warmes Essen für die Kinder. Bildrechte: MDR/Gerd Keßler

"In dem Zuge wollen wir auch die Küche umstellen. Noch wird dort mit Holz gekocht. Das wollen wir ändern. Es wird umgestellt auf Elektro." Die Geräte dafür zahlt die Thüringer Staatskanzlei. Auch dort konnte der Verein Fördergelder einwerben. "Wir sind glücklich, dass wir damit auch den Werkraum mit Maschinen bestücken können", sagt Gabriele Keßler. Doch das Geld fließe nicht von allein.

Die Keßlers und ihr stetig wachsendes Vereinsteam sind unaufhörlich auf der Suche nach Sponsoren, Förderprogrammen und Paten. Sie gehen Klinken putzen und fragen nach Geldspenden. Von denen konnten sie zum Beispiel in den vergangenen Monaten Lebensmittelgutscheine ausreichen. "Die Inflation hat auch in Kenia hart zugeschlagen. Der normale Beutel Reis kostet inzwischen das Vierfache als noch vor zwei Jahren. Man kann sich nicht vorstellen, was das für die Familien bedeutet."

Gerd Kessler mit Schülern in Mombasa
Gerd Keßler mit Schülern: Inzwischen besuchen 570 Mädchen und Jungen die Schule. Bildrechte: MDR/Gerd Keßler

Beliebter Arbeitgeber in der Gegend

Glücklich ist, wer einen Job hat. Inzwischen arbeiten 37 Männer und Frauen an der Schule. Sie sind Lehrer, Wachpersonal oder Köchinnen. "Die Schule ist in der Gegend zu einem beliebten Arbeitgeber geworden." Der Verein zahlt regelmäßig Gehälter aus und versorgt die Angestellten mit Wasser und Essen - auch in den Ferien. Von denen gibt es in Kenia recht viel. Nach drei Monaten Unterricht haben die Kinder einen Monat frei. In dieser Zeit sind sie normalerweise daheim und auf sich allein gestellt - und oft ohne regelmäßiges Essen und Beschäftigung.

Die letzten Ferienwochen haben Kinder und Lehrer nun erstmals  in der Schule verbracht. Sie haben gemeinsam gekocht, Sport getrieben und gebastelt. "Sie haben ihre Zeit sinnvoll genutzt und hatten etwas zu Essen." Gern würde Familie Keßler die Ferienspiele immer durchführen - doch noch ist die Finanzierung nicht geklärt. Projekte und Ideen gibt es also noch viele. Und wer Keßlers kennt, der weiß - vermutlich werden die meisten auch umgesetzt. Denn wie gesagt: Beharrlichkeit zahlt sich aus.

MDR (cma/sar)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Nachmittag | 09. Dezember 2023 | 16:45 Uhr

2 Kommentare

Anni22 vor 12 Wochen

Freut mich, wenn es mit der Schule gut gelingt. Vielleicht könnte man solche Projekte auch in Deutschland erfolgreich umsetzen? Und das ist ausdrücklich keine Satire!

DanielSBK vor 12 Wochen

Wenn das so weiter geht mit der Ampel & Co wird uns dann 2030 Mombasa Entwicklungshilfe geben ...

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