Musik Rechtsradikale Vergangenheit: Tour der Band "Weimar" abgesagt

12. Februar 2023, 15:32 Uhr

Die Tour der Band "Weimar" aus Weimar ist von ihrem Veranstalter abgesagt worden. Auch mehrere Festivals nahmen die Band aus dem Programm. Grund ist die rechtsradikale Vergangenheit mehrerer Mitglieder. Der Thüringer Verfassungsschutz weist Kritik von sich.

Nach dem Bekanntwerden der rechtsradikalen Vergangenheit mehrerer Mitglieder ist die Tournee der Band "Weimar" aus Weimar abgesagt worden. Der Veranstalter "In Move" aus Chemnitz sagte, die geplanten Konzerte in Erfurt, Magdeburg, Dresden, Leipzig und Berlin fielen ersatzlos weg.

Weiter heißt es von der Agentur: "Wir stehen gegen Rassismus, Antisemitismus und Faschismus [... ]. Aus diesem Grund stellen wir die Zusammenarbeit mit der Band Weimar ein." Es stünden "politisch mehr als bedenkliche Vergangenheiten" im Raum, die nicht bekannt gewesen seien. Tickets könnten an der jeweiligen Vorverkaufsstelle zurückgegeben werden.

"Full Force"-Festival streicht Band aus Programm

Auch die übrigen Tour-Auftritte der Deutschrock-Band in westdeutschen Städten wie Köln, Hamburg oder Frankfurt fallen aus. Auf der Tour-Internetseite des Ticketverkäufers Eventim ist jede einzelne Show abgesagt.

Das größte Metal-Festival in Ostdeutschland hatte bereits kurz nach der Veröffentlichung eines "Spiegel"-Beitrags zu den Hintergründen der Band reagiert: "Weimar" wurde aus dem diesjährigen Programm geworfen. Das "Full Force Festival" erklärte dazu: "Wir sind zutiefst geschockt! [...] Uns als Festival wurde von mehreren Seiten glaubwürdig versichert, dass Weimar eine Band ist, die zwar bewusst mit provokanten Texten spielt, sich jedoch von Rechtsextremismus aktiv distanziert und zivilgesellschaftlich engagiert. Wir wurden getäuscht!".

Auch zu den sogenannten Weimar-Festspielen Anfang Juni in Bad Berka dürfte es still bleiben. Zwar wird dafür weiterhin mit dem Logo der Band "Weimar" im Internet geworben. Doch der Verantwortliche der Location, die Miwo Events GmbH, teilte am Freitag mit, "die Veranstaltung ist nun zu 100 Prozent ausgeschlossen". Die Ticketgelder würden den Käufern erstattet.

Ähnlich reagierten weitere Festival- und Konzertveranstalter, auch Vorbands der geplanten Tour distanzierten sich.

"Weimar"-Musiker war Mitglied bei "Murder Squad"

Der "Spiegel" hatte am Donnerstag berichtet, dass sich die "Weimar"-Musiker offenbar wegen ihrer Vergangenheit öffentlich nur mit Maske zeigen und sich Phantasienamen gegeben haben. So heiße der angebliche Musiker Richard Wegnar eigentlich Christian P. Ihm wird die Band "Murder Squad" zugerechnet, die 2002 ein MP3-Album namens "The Hateshow" veröffentlicht hatte. Darauf finden sich Titel wie "Judenpolka". Laut "Spiegel" wurde das Album 2005 als jugendgefährdend indiziert.

"Weimars" Plattenlabel Universal hatte laut "Spiegel" bereits bei seiner ersten Anfrage zu der Band die Zusammenarbeit gekündigt und Songs und Videos von Streamingplattformen gelöscht.

Verfassungsschutz verweist auf das "Recht des Vergessens"

Der Thüringer Verfassungsschutzchef Stephan Kramer verwies auf das "Recht des Vergessens". Wenn Betroffene nicht mehr erkennbar extremistisch in Erscheinung treten würden, müsse der Verfassungsschutz die Beobachtung einstellen und vorhandene Daten nach zehn Jahren löschen.

Am Donnerstag hatte die Linke-Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss dem Verfassungsschutz Versagen vorgeworfen. Der Behörde sei durch die Lappen gegangen, dass langjährig bekannte Thüringer Neonazis offenbar unter einem neuen Bandnamen aktiv seien.

Stephan Kramer,  Präsident des Thüringer Amtes für Verfassungsschutz.
Thüringens Verfassungsschutzchef Stephan Kramer. Bildrechte: imago images / Jacob Schröter

Stadt Weimar distanziert sich von Band

Die Stadt Weimar distanzierte sich am Freitag von der gleichnamigen Band. Diese stehe in keiner Verbindung mit der Stadtverwaltung oder der Marke "Weimar". Weimar stehe für Weltoffenheit und Toleranz, sagte Oberbürgermeister Peter Kleine (parteilos). "Hass und Antisemitismus haben hier keinen Platz". Zudem kündigte Bürgermeister Ralf Kirsten an, den Namen der Band rechtlich prüfen zu lassen.

Die Band selbst veröffentlichte am Sonntag, drei Tage nach dem "Spiegel"-Beitrag, ein Statement auf ihrer Facebook-Seite.

MDR (mm,seg,jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. Februar 2023 | 17:00 Uhr

163 Kommentare

Anita L. am 12.02.2023

Weder deepfake noch Ofarim sind hier gerade Thema, der Artikel des "Spiegels" jedoch scheint korrekt recherchiert. "Alles" impliziert halt auch alles.

DER Beobachter am 12.02.2023

Vllt. könnten Sie - oder vielmehr Ihre Vorbeter? - einen deepfake-Vorwurf präzisieren? Zum Fall Ofarim: Die Anwälte werfen dem Gericht Befangenheit vor, es lässt kurzfristigst wegen "Überlastung" die Verhandlungstermine platzen und räumt der Anklage ein, "weitere Beweise" zu sammeln... Das halbe Jahr dafür ist übrigens fast rum...

astrodon am 12.02.2023

@Beobachter: Bitte helfen Sie mir (und anderen ?) auf die Sprünge: Wer war zügig im Löschen wovon? Wo indet man die Belege, dass es nicht "nur kleine Lichter der Szene waren"? Ist der Zeitraum von 1998-2008 denn nicht "teilweise über 20 Jahre" her?
Und zum Thema "Alles Lüge": Ich unterstelle unseren Medien den Willen zu ordentlicher, wahrheitsgetreuer und ausgewogener Berichterstattung. Wie schnell aber auch dabei Unwahrheit verbreitet werden kann, sei an zwei Beispielen belegt: "deepfake" und "Ofarim".

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