Auf einer Hauswand steht "Kalte Nahwärme - ökologisch - effizient - nachhaltig".
Kalte Nahwärme - das klingt erst einmal paradox. Die Gebäude können nicht nur geheizt, sondern im Sommer auch gekühlt werden. Bildrechte: MDR FERNSEHEN

Energiewende Erstes kaltes Nahwärmenetz Thüringens in Betrieb gegangen

03. September 2023, 19:22 Uhr

In Werther im Landkreis Nordhausen kommt erstmals in Ostdeutschland eine neue Wärmetechnologie zum Einsatz. Es handelt sich um ein sogenanntes kaltes Nahwärmenetz. Nach Angaben der Energiegenossenschaft Helmetal kommt die Technologie ohne fossile Brennstoffe aus.

Das erste sogenannte kalte Nahwärmenetz Thüringens ist am Samstag in Werther im Landkreis Nordhausen in Betrieb gegangen. Es versorgt künftig 33 Wohnhäuser klimafreundlich mit Wärme und Strom, wie das Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz in Erfurt mitteilte.

Bauherr ist die Energiegenossenschaft Helmetal, die sich 2013 gegründet hat - und sich für regionalen Ökostrom einsetzt.

Jedes Haus mit Anschluss und Wärmepumpe

Die Technik funktioniert wie ein Kühlschrank, nur umgekehrt. Bodenwärme wird mithilfe eines Gemischs eingesammelt und Häuser werden damit geheizt. Bodentemperaturen zwischen fünf und 18 Grad Celsius genügen, um mit einer Wärmepumpe zu heizen.

Ein Mann spricht in ein Mikrofon.
Claus Müller von der Energiegenossenschaft Helmetal sieht die Nähe zu seinen Kunden als großes Plus. Bildrechte: MDR FERNSEHEN

Die Gebäude können im Sommer auch gekühlt werden, die überschüssige Wärme wird dann in das Kollektorfeld abgeleitet. Insgesamt rund 330.000 Euro hat die Bürgerenergiegenossenschaft Helmetal laut Ministerium in das Projekt investiert.

Netz liegt knapp unter der Erde

Ein tiefes Bohrloch ist nicht nötig. Das kalte Nahwärmenetz liegt nur einen Meter unter der Erde - hat aber eine Fläche von 8.000 Quadratmetern. Die Hausbesitzer sind damit unabhängig von fossilen Energiepreisen, sagt die Energiegenossenschaft.

Nicht nur die Technik ist neu, auch die Zusammenarbeit vieler Akteure der Region für dieses Projekt ist beispielhaft.

Burkhard Vogel Energiestaatssekretär

Das Ministerium habe die Idee mit rund 140.000 Euro gefördert. "Bürgerinnen und Bürger gehen in Form einer Genossenschaft voran und nehmen die Wärmewende in die eigenen Hände", erklärte Energiestaatssekretär Burkhard Vogel. "Nicht nur die Technik ist neu, auch die Zusammenarbeit vieler Akteure der Region für dieses Projekt ist beispielhaft."

Eine Sonnenblume vor einem Dach mit Solarpanels.
Die einzelnen Wärmepumpen werden mit Solarstrom betrieben. Bildrechte: MDR FERNSEHEN

Das neue Netz ist gut fürs Klima, weil es ohne fossile Brennstoffe auskommt und sehr effizient ist. Und natürlich für die Bewohner, die ab jetzt unabhängig von der Preisentwicklung auf dem Strom- und Gasmarkt sind.

MDR (gh)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 02. September 2023 | 19:00 Uhr

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