"Ein Dach für Alle" Hilfe für Wohnungslose in Jena: Zittern um die neuen Räume

10. Mai 2024, 19:39 Uhr

Seit 30 Jahren bietet der Verein "Ein Dach für Alle" Wohnungslosen in Jena eine Bleibe. Mittlerweile profitieren davon gut 120 Menschen in 70 vereinseigenen Wohnungen. Doch die Nachfrage wächst. Demnächst will der Verein ein Dachgeschoss ausbauen, um weiteren acht Menschen Obdach zu geben. Allerdings ist fraglich, ob das Geld für den teuren Umbau reicht.

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Ohne Unterstützung würde Anna Clemen ihr Leben wahrscheinlich nicht bewältigen können. Wegen seelischer und psychischer Erkrankungen bekommt sie Eingliederungshilfe - für ihren zwölfjährigen Sohn Hilfen zur Erziehung. Arbeiten kann sie nicht. Zwei Sozialarbeiter sehen mehrmals die Woche nach den beiden.

Frau
Anna Clemen braucht Hilfe, um ihren Alltag zu meistern. Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Vor allem, wenn es um Angelegenheiten mit Behörden geht, brauche sie die Hilfe der Sozialarbeiter, erzählt Anna Clemen. Auf den Ämtern habe sie oft Angst, weil die Mitarbeiter streng wirkten.

Hilfe für Menschen in Not

Besagte Sozialarbeiter stellt der Jenaer Verein "Ein Dach für Alle". Seit ziemlich genau 30 Jahren hilft er Menschen in Not. Nicht nur mit Eingliederungshilfen und Hilfen zur Erziehung. Vor allem, wenn Wohnungslosigkeit droht. Etwa 120 Menschen leben mittlerweile in den 70 Sozialwohungen des Vereins. Für die Kinder der Mieter gibt es die "Kinderoase". Dort können sie am Nachmittag spielen oder gemeinsam mit den Sozialarbeitern kochen.

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Bildrechte: MDR JUMP

Der Verein mit seinen 27 Mtarbeitern schaut sich sehr genau an, wer als Mieter infrage kommt, erklärt Geschäftsführerin Kerstin Schulz: "Wir prüfen in jedem Erstgespräch: Wie viel Geld hat er? Arbeitet er oder arbeitet er nicht? Kann er vielleicht woanders eine Wohnung finden? Nur, wenn das alles ausgeschlossen ist, kann er bei uns einziehen. Wenn er woanders noch was finden könnte, also wenn ich im Gespräch merke, dass er fit ist und keine Mietschulden hat und es nur schwierig ist, in Jena eine Wohnung zu finden, dann kann er bei uns nicht einziehen."

Neues Projekt: Dachbodenausbau

Weil die Nachfrage hoch ist und zunehmend Menschen die Kriterien erfüllen, will der Verein den Dachboden eines seiner Wohnhäuser ausbauen. Pläne für die riesige Fläche exisitierten schon vor Corona. Aus dieser Zeit stammt auch die letzte Kalkulation für den Umbau. Dachgauben müssen dafür eingebaut werden, damit aus den Luken richtige Fenster werden können. Auch an Kopffreiheit mangelt es angesichts niedriger Querbalken.

Jedes Entenrennen, jedes Benefizkonzert, bei allem, was wir gemacht haben, haben wir das Geld aufgehoben. Und jetzt steht es dafür bereit.

Kerstin Schulz Ein Dach für Alle e.V.

Eine WG könnte hier entstehen - mit acht Zimmern und zwei Küchen, die sich an langen Fluren entlang reihen. In der Mitte ein Gemeinschaftsraum. Das Geld für den Dachbodenausbau kommt aus einem Kredit, Spenden und Eigenmitteln. Für Letztere habe der Verein lange gespart, so Kerstin Schulz: "Jedes Entenrennen, jedes Benefizkonzert, bei allem, was wir gemacht haben, haben wir das Geld aufgehoben. Und jetzt steht es dafür bereit."

Baukosten stehen noch nicht fest

Ob die Acht-Zimmer-WG im Dach je das Licht der Welt erblickt, hängt von den Baukosten ab. Die wurden vor ein paar Jahren noch auf rund 400.000 Euro taxiert. In den vergangenen Jahren sind die Preise massiv gestiegen. Im Sommer erst werden alle Angebote vorliegen. Noch ist nicht klar, ob der Verein die neuen Kosten stemmen kann. Eine Spendenkasse soll Entlastung bringen.

Bausteine, Spielfiguren
Bisher gibt es nur ein Lego-Modell des ausgebauten Dachbodens. Bildrechte: MDR/Olaf Nenninger

Bis sie Klarheit haben, müssen die Mitarbeiter mit einem Lego-Modell vorliebnehmen, um einen Eindruck von den künftigen Räumen zu bekommen. Das Modell hat die Chefin übrigens mit viel Liebe zum Detail selbst gebaut. Ausgestellt ist es in den leer stehenden ehemaligen Vereinsräumen gleich unter dem Dachgeschoss. Auch da, wo jetzt das Modell steht, soll bald umgebaut werden: Vier Einraumwohnungen mehr wird es dann bei "Ein Dach für Alle" geben.

MDR (gh)

Mehr zur Wohnungslosigkeit in Thüringen

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 10. Mai 2024 | 19:00 Uhr

13 Kommentare

Freies Moria vor 5 Wochen

@randdresdner: Schon vor 2015, als es keine Migrationsmilliardenkosten gab, war kein Geld für Obdachlose da - und seitdem haben die auch niemand interessiert.
Daran kann man wunderbar erkennen, was all das Geschrei um Menschenrecht, um die Würde des Menschen usw. wirklich wert ist.
Es ist nichts als opportunes politisches Geschwätz um gewählt zu werden.

randdresdner vor 5 Wochen

Es kann meiner Meinung nach deutlich mehr für Obdachlose Menschen gemacht werden. Nur darf das nicht auf Kosten anderer Bedürftigen erfolgen. Einfach mal die Steuer für Top Verdiener anheben Da sollte sich was machen lassen.

randdresdner vor 5 Wochen

Vor drei Jahren gab es in in Thüringen 135 Einkommensmillionäre. Klingt nicht viel. Aber einer von Ihnen hätte mit einem Bruchteil seines Einkommens dieser Frau sehr helfen können.
Der Trend der Millionäre ist übrigens steigend.

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