Saale-Orla-Kreis Nach Angriff auf Journalisten: Forderung nach Rücktritt von Bad Lobensteins Bürgermeister Weigelt

21. August 2022, 19:15 Uhr

Nach dem Angriff auf einen Journalisten wächst der Druck auf den parteilosen Bürgermeister von Bad Lobenstein, Thomas Weigelt. Der Landrat des Saale-Orla-Kreises Thomas Fügmann fordert seinen Rücktritt. Die Fraktions-Spitzen von CDU und Grünen unterstützen die Forderung. Ministerpräsident Bodo Ramelow äußerte sich schockiert.

  • Der Landrat des Saale-Orla-Kreises Thomas Fügmann (CDU) fordert den Rücktritt von Bad Lobensteins Bürgermeister Thomas Weigelt (parteilos), nachdem dieser einen Journalisten angegriffen haben soll.
  • Thomas Weigelt selbst will sich nicht zu den Vorwürfen äußern.
  • Die Fraktions-Spitzen von CDU und Grünen unterstützen die Rücktrittsforderung. Ministerpräsident Ramelow (Linke) schrieb bei Twitter, der Vorfall müsse "geahndet werden."
  • Bad Lobensteins Bürgermeister gilt schon länger als umstritten.

Nach dem Angriff auf einen Journalisten in Bad Lobenstein hat der Landrat des Saale-Orla-Kreises, Thomas Fügmann (CDU), den Rücktritt von Bad Lobensteins Bürgermeister Thomas Weigelt (parteilos) gefordert. Zugleich kündigte Fügmann juristische Konsequenzen an, wie er am Sonntag in den sozialen Medien mitteilte. Das Verhalten von Weigelt sei durch nichts zu rechtfertigen, so Fügmann.

Landrat Thomas Fügmann (61) , Landratsamt Saale-Oral-Kreis
Landrat Thomas Fügmann (CDU) kündigte am Sonntag auch juristische Konsequenzen gegen Weigelt an. Bildrechte: imago/Steve Bauerschmidt

Auch der stellvertretende Chefredakteur der Ostthüringer Zeitung, Tino Zippel, kritisiert den Angriff auf einen seiner Kollegen.

Unsere Kollegen, gerade in den Lokalredaktionen, sehen sich zunehmend Drohungen ausgesetzt. […] Aus unserer Sicht gilt es, die Meinungs- und Pressefreiheit an dieser Stelle zu verteidigen.

Tino Zippel stellvertretende Chefredakteur der Ostthüringer Zeitung

Bürgermeister will sich zu Vorwürfen nicht äußern

Thomas Weigelt selbst wollte sich am Sonntag auf MDR THÜRINGEN-Anfrage noch nicht zu dem Vorfall äußern. Die Polizei nahm eine Strafanzeige des betroffenen Journalisten auf. Es bestehe der Verdacht der Körperverletzung und der Sachbeschädigung, sagte ein Sprecher der Polizei.

Thomas Weigelt (parteilos) sitzt auf einem Stuhl und schaut in eine Kamera.
Thomas Weigelt selbst wollte sich am Sonntag nicht zu den Vorwürfen äußern. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch die Fraktions-Spitzen von CDU und Grünen im Thüringer Landtag fordern den Bürgermeister zum Rücktritt auf. CDU-Chef Mario Voigt und Astrid Rothe-Beinlich (Grüne) verurteilten den Angriff beim Kurznachrichtendienst Twitter am Sonntag und unterstützen die Forderung von Landrat Fügmann.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) schrieb bei Twitter: Der Vorfall müsse "geahndet werden." Auch der Deutsche Journalisten-Verband forderte auf Twitter Konsequenzen für Weigelt nach dem Angriff.

Fraktions-Spitzen von CDU und Grünen fordern ebenfalls Rücktritt

Ramelow fordert Untersuchung des Falls

Video von Angriff auf Journalisten

Weigelt soll beim Marktfest am Samstag in Bad Lobenstein mit einem bekennenden Reichsbürger und einem AfD-Mann zusammengestanden haben. Ein Journalist der Ostthüringer Zeitung machte davon ein Video.

Darauf ist zu sehen, wie Weigelt auf ihn losgeht, nach der Kamera greift. Der Reporter geht zu Boden. Anschließend teilte ein Kollege mit, dass der Journalist verletzt und die Ausrüstung beschädigt worden seien.

Weigelt schon länger umstritten

Weigelt hatte kürzlich ein Abwahlverfahren überstanden, das der Stadtrat eingeleitet hatte. Anlass waren Kommentare Weigelts in sozialen Medien, in denen er der Regierung Lügen und Verrat vorgeworfen hatte.

Bei dem Bürgerentscheid stimmte zwar die Mehrheit der Wähler gegen den Kommunalpolitiker. Die nötige Mindestanzahl der Stimmen wurde aber nicht erreicht. Mindestens ein Drittel aller Wahlberechtigten hätte für Weigelts Abwahl stimmen müssen.

MDR (jw)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 21. August 2022 | 19:00 Uhr

152 Kommentare

emlo am 21.08.2022

@VierfachNull: Ist ja wunderbar! Da ist es also völlig in Ordnung, wenn ich Sie tätlich angreife, falls wir uns mal persönlich begegnen sollten? Nun, nicht dass ich das tatsächlich vorhätte, aber der Gedanke ist doch verlockend! Genug "Anlässe" dafür haben Sie mir durchaus schon geliefert.

Cornelius am 21.08.2022

Genau! Journalisten sind schon Provokation genug!.... (Das ist Sarkasmus)
Es gab schon mal eine Zeit in Deutschland, da war die einfache Anwesenheit freier Medien eine Provokation und wurde gewaltsam unterbunden.
Man schämt sich langsam, Thüringer zu sein. Die rechte Gesinnung greift immer mehr um sich. Herr, schmeiß Hirn vom Thüringer Himmel! Viel!

Kritiker am 21.08.2022

DER Beobachter: Genau das mit der Vorgeschichte möchte der Journalist mal der Öffentlichkeit nahe bringen. Ohne Grund gibt es wenige Menschen, die so reagieren wie der BM. Kommt niemand vorbei an das misslungene Abwahlverfahren vorab.

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