Staudenknöterich wird gemäht
Der Staudenknöterich wird auf der Schuderbachswiese bei Oberhof mehrmals im Jahr gemäht, damit er sich nicht weiter ausbreitet. Bildrechte: Daniel Storch

Botanik Oberhof: Staudenknöterich gefährdet geschützte Schuderbachswiese

12. Juli 2023, 22:34 Uhr

Für den Menschen ist der Staudenknöterich ungefährlich - doch er bedroht die Artenvielfalt, auch in Thüringen. Deshalb wird auf der Schuderbachswiese bei Oberhof kräftig gemäht. Entsorgt wird die Pflanze in der Müllverbrennung.

Invasive Pflanzen breiten sich rund um die geschützte Schuderbachswiese bei Oberhof weiter aus. Laut Landschaftspflegeverband Thüringer Wald, ist der sogenannte Sachalin-Staudenknöterich eine Bedrohung für die Wiese.

Um das Vorkommen einzudämmen, wird die befallene Fläche mehrmals im Jahr aufwendig gemäht. Auf rund 3.000 Quadratmetern werden die Pflanzen dicht über dem Boden abgeschnitten. Anschließend werden sie aufwendig entsorgt.

Staudenknöterich gefährdet die geschützte Schuderbachswiese bei Oberhof
Der Staudenknöterich an der Schuderbachswiese bei Oberhof: Wird er nicht gemäht, kann er bis zu vier Meter hoch werden. Bildrechte: MDR/Tino Geist

Der Sachalin-Staudenknöterich ist für den Menschen ungefährlich. Jedoch verdrängt er durch seinen dichten Wuchs andere Pflanzen. Der Knöterich erreicht ohne Mahd eine Höhe von bis zu vier Metern. Jedes Jahr treibt die Pflanze neu aus. Sie stammt eigentlich aus Asien, wurde aber vermutlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Europa eingeschleppt.

Maya Ehmig ist Projektleiterin beim Landschaftspflegeverband Thüringer Wald.
Maya Ehmig ist Projektleiterin beim Landschaftspflegeverband Thüringer Wald. Bildrechte: MDR/Tino Geist

In zahlreichen Gärten ist die Pflanze bis heute gern gesehen. Sie ist blickdicht, wächst schnell, sieht gut aus. "Die eigentliche Bedrohung für andere Pflanzenarten nimmt der Laie aber kaum wahr. Das ist bei vielen invasiven Arten wie Zackenschötchen, indisches Springkraut, Lupine oder eben auch Staudenknöterich so", sagt Maya Ehmig vom Landschaftspflegeverband Thüringer Wald.

Sie ist Leiterin des Projekts "Blüten- und insektenreiche Bergwiesen im Naturpark Thüringer Wald". Im Rahmen des Projekts wird auch der Staudenknöterich auf der Schuderbachswiese bekämpft. Und das mit großem Aufwand.

Was sind invasive Arten? Als invasive Arten gelten Pflanzen oder Tiere, die eingeschleppt wurden und einheimische Arten verdrängen oder ganze Ökosysteme kippen lassen.

Laut Nabu schätzen Experten die Zahl der gebietsfremden Arten in der Europäischen Union auf etwa 12.000, von denen etwa 10 bis 15 Prozent als problematisch (invasiv) gelten.

Arnika blüht auf der geschützten Schuderbachswiese bei Oberhof.
Auch Arnika blüht auf der geschützten Schuderbachswiese bei Oberhof. Bildrechte: MDR/Tino Geist

Schuderbachswiese eine der bedeutendsten Bergwiesen in Thüringen

Die Schuderbachswiese ist als sogenanntes Flächennaturdenkmal ausgewiesen. Sie gehört zu den bedeutendsten Bergwiesen Thüringens. Unter anderem gibt es hier ein größeres Arnika-Vorkommen und mehrere Orchideenarten. Zuständig für die Bekämpfung invasiver Arten sind eigentlich die Landratsämter und hier die Unteren Naturschutzbehörden.

Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen wird die Knöterich-Bekämpfung nach Angaben des Landratsamtes auf besonders wichtige Flächen - wie in Schutzgebieten - priorisiert. Eine großflächige Bekämpfung wäre laut Landratsamt aber wünschenswert. Doch dafür fehlen Geld und Personal.

Es sind biologisch quasi tote Bereiche. Da ist nichts außer Knöterich.

Maya Ehmig Landschaftspflegeverband Thüringer Wald

Eine Fläche mit Knöterich auf der Schuderbachswiese bei Oberhof.
Eine Fläche mit Knöterich vor der Mahd ... Bildrechte: Landschaftspflegeverband Thüringer Wald

Wie der Knöterich anderen Pflanzen keine Chance lässt

Um das Vorkommen wirksam einzudämmen, ist die Mahd von Mai bis November bis zu acht Mal notwendig. Mitarbeiter des Landschaftspflegeverbands Thüringer Wald sind deswegen regelmäßig auf der Schuderbachswiese im Einsatz. Mit Balkenmähern und Motorsensen werden die Pflanzen dicht über dem Boden abgeschnitten.

Die Pflanze bildet große, geschlossene Bestände. Sie verschattet die Bereiche und zieht die Nährstoffe aus dem Boden, sodass andere Pflanzen keine Chance mehr haben. Durch die zum Teil daumendicken Stängel wird der Boden auch nach dem oberirdischen Absterben im Winter bedeckt. Andere Pflanzen können nicht mehr durchdringen. Jedes Jahr treibt die Pflanze erneut aus. "Es sind biologisch quasi tote Bereiche. Da ist nichts außer Knöterich", sagt Maya Ehmig.

Vom knöterich befreite Fläche auf der Schuderbachswiese bei Oberhof.
Dieselbe Fläche nach der Mahd ohne Knöterich. Bildrechte: Landschaftspflegeverband Thüringer Wald

Meister der Ausbreitung: Einmal mähen bewirkt oft Gegenteil

Zur Beseitigung gibt es verschiedene Möglichkeiten. "Herbizide einsetzen - das kommt auf der streng geschützten Schuderbachswiese nicht in Frage", sagt Maya Ehmig. Weitere Möglichkeiten sind, die Wurzeln der Pflanze mit heißem Wasser zu bekämpfen oder eben die regelmäßige Mahd. Doch auch hier gibt es einiges zu beachten.

Die Pflanzen dürfen nicht klein gehäckselt, sondern nur im Ganzen abgeschnitten werden. "Denn schon kleinste Teile der Pflanze von ein bis zwei Zentimetern sind wieder austriebsfähig", sagt Maya Ehmig. Diese Eigenschaft der Pflanze führt auch dazu, dass sie sich in den letzten Jahren rund um die Schuderbachswiese stark verbreitet hat.

Auch an der nahen Bundesstraße gibt es große Vorkommen. Dabei ist es kontraproduktiv, wenn die Straßenränder einfach normal gemäht werden. Denn dann verbreitet sich die Pflanze erst recht. Dann können die Pflanzenteile zum Beispiel durch Wind oder Autos weitergetragen werden und treiben an anderer Stelle wieder aus.

Staudenknöterich gefährdet die geschützte Schuderbachswiese bei Oberhof
Knöterich wächst auch an der Straße zwischen Oberhof und Zella-Mehlis. Bildrechte: MDR/Tino Geist

Bis zu vier hohe Meter-Pflanzen In Müllverbrennung entsorgt

Die auf der Schuderbachswiese abgeschnittenen Pflanzen werden durch die Mitarbeiter des Landschaftspflegeverbands nach Zella-Mehlis gebracht. Dort werden sie in der Müllverbrennungsanlage vernichtet. Allein das kostet rund 1.500 Euro im Jahr.

Maya Ehmig wünscht sich mehr Bewusstsein der Gemeinden für das Thema invasive Pflanzen. Aber auch jeder Einzelne könne helfen, sagt sie: "Wenn man eine Pflanze entdeckt, einfach regelmäßig rausziehen. Das ist kein großer Aufwand und so entsteht erst gar keine große Fläche. Die Pflanze ist eigentlich unverwechselbar. Sie hat zwar einen Zwilling, den japanischen Staudenknöterich. Dieser ist aber auch invasiv und sollte auch entfernt werden."

Immer wieder mähen - die effektivste Methode

Bis zum Herbst werden Maya Ehmig und die Helfer vom Landschaftspflegeverband noch einige Male auf der Schuderbachswiese im Einsatz sein. Bevor dann mit den ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr alles von Neuem beginnt. Es klingt wie ein unendlicher Kreislauf. Aber die Mahd ist auf der Wiese bislang die effektivste Methode. Den Knöterich ausgraben, das würde übrigens auch funktionieren. Jedoch müsste die Erde aufgrund der Wurzeln bis zu zwei Meter tief abgetragen und speziell entsorgt werden. Die Kosten dafür sind laut Landschaftspflegeverband viel zu hoch.

Diana Fritzsche-Grimmig im Gespräch mit Dr. Heiko Korsch, Biologe 10 min
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Was sind Neophyten und warum sind invasive Neophyten problematisch für den Naturschutz? Botaniker Dr. Heiko Korsch beantwortet die wichtigsten Fragen.

MDR Garten So 27.11.2022 08:30Uhr 09:40 min

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MDR (mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 12. Juli 2023 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

GrafZahl vor 44 Wochen

Ich habe Stellen im Garten da wird der Knöterrich schon seit mehr als 12 Jahren regelmäßig mehrfach im Jahr geschnitten und er kommt immer wieder.... Allerdings haben wir auch ein Teilstück einfach mit einer mit Sand und Steinen abgedeckten LKW Plane die 1 Jahr gelegen hat frei bekommen.

MDR-Team vor 44 Wochen

Hallo augu,
eingangs des Artikels wird allein der Sachalin-Staudenknöterich als dort vorkommende Pflanze genannt - die später vorkommenden Begriffe Staudenknöterich und Knöterich werden an einigen Stellen vereinfachend als kürzere Synonyme verwendet, aber nach unserer Lesart nicht im Sinn einer weiteren dort vorkommenden Art. Wir geben Ihre Reaktion aber natürlich auch an den Autoren weiter.

augu vor 44 Wochen

Nicht Staudenknöterich und Japanischer Staudenknöterich, sondern Sachalin-Staudenknöterich und Japanischer Staudenknöterich, mit kleinen Abweichungen untereinander (Rotfärbung des Stängels beim Japan.Knöt.), beide sonst sehr ähnlich und hoch invasiv

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