Proteste Sonneberger Demonstranten fordern bezahlbare Energie und Ende der Russland-Sanktionen

12. Oktober 2022, 09:01 Uhr

In Sonneberg haben am Dienstagabend rund 400 Menschen auf einer parteiunabhängigen Demonstration gegen die Energiepolitik der Bundesregierung protestiert. Es war die zweite Demo in Sonneberg in Folge. Bereits am Montag waren über 2.000 Menschen auf die Straße gegangen. Vizelandrat Köpper (CDU) will mit den Demonstranten von "Sonneberg zeigt Gesicht" im Gespräch bleiben.

MDR THÜRINGEN-Reporterin Bettina Ehrlich
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Sonneberg hat innerhalb von zwei Tagen gleich zwei Demonstrationen erlebt. Am Montag waren mehr als 2.000 Menschen auf die Straße gegangen. Einen Tag darauf zählte die Polizei rund 400. Zu der Demo am Dienstag aufgerufen hatten die Kreishandwerkerschaft gemeinsam mit Lokalpolitikern aus der Stadt und dem Landkreis.

Kurz vor Beginn der ersten "parteiunabhängigen Kundgebung" in Sonneberg ist dem Vizelandrat Jürgen Köpper (CDU) die Anspannung deutlich anzumerken. Denn es sei völlig unklar, wie viele Menschen dem Aufruf folgen.

Vizelandrat Köpper: "Angebot für die Mitte"

"Wir wollen mit dem Angebot heute die Menschen in der Mitte erreichen", sagt Köpper. Er hätte auch auf der Demonstration am Vortag auftreten können. Die Organisatoren von "Sonneberg zeigen Gesicht" haben ihn eingeladen. Doch dort reden und mitlaufen möchte er nicht.

"Die meisten, die da auf die Straße gehen, sind ganz normale Leute mit ihren Ängsten", sagt Köpper. Doch ein geringer Teil stehe sehr weit rechts. Mit ihnen möchte sich Köpper nicht gemein machen. Trotzdem sei es wichtig, dass die Menschen ins Gespräch kommen. "Ihre Ängste benennen und ja auch ihre Wut raus lassen", so Köpper.

Langsam füllt sich der Platz vor dem Rathaus mit Menschen. Nur ganz wenige haben Transparente dabei. Auf einem steht "Frieden schaffen - ohne Waffen". "Wer schweigt, stimmt zu" und "Denkst du noch - oder frierst du schon" auf zwei anderen. "Ich war gestern auch dabei", sagt ein Mann mittleren Alters. Er sei neugierig, wie viele heute kommen.

Handwerker fordert bezahlbare Energie

Der Tischlermeister Mario Hähnlein greift in seiner Rede die Bundesregierung scharf an. Viele Handwerker wüssten schon jetzt nicht mehr, wie sie die Gas- und Stromrechnungen noch bezahlen sollen. Er forderte unter dem Jubel der Demonstranten "bezahlbare Energie und das sofort".

Die Regierung müsste zusammen mit den Staaten in der EU diplomatische Lösungen finden, um den Krieg in der Ukraine schnell zu beenden. Sämtliche Sanktionen sollten sofort gestoppt werden.

Keine Reaktionen aus Berlin auf Sonneberger Brief

Auch Vizelandrat Köpper sieht wegen der gestiegenen Energiepreise die Lebensgrundlage und die Lebensqualität aller Landkreisbewohner in Gefahr. Als er von den Schwierigkeiten berichtet, Wohnungen für Flüchtlinge aus der Ukraine zu finden, wird es kurz laut. Ein junger Mann brüllt "Raus damit!".

Köpper zeigt sich enttäuscht darüber, dass weder Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) noch der Südthüringer SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Ullrich der Einladung zur Demonstration gefolgt sind. Auf den Brandbrief der Stadt Sonneberg an den Bundeskanzler habe es noch nicht mal eine Eingangsbestätigung, geschweige denn eine Antwort gegeben. Die Demonstranten reagieren mit lauten Pfiffen.

Runder Tisch für weitere Gespräche

Den Vertretern von "Sonneberg zeigt Gesicht" bietet Köpper einen Runden Tisch an. "Es ist wichtig, dass wir im Gespräch bleiben, unsere Türen stehen immer offen", so der Vizelandrat.

Auch Sonnebergs Bürgermeister Heiko Voigt (pl) und der Thüringens CDU-Chef Mario Voigt sprechen noch auf der Demo. Sie geht ohne Zwischenfälle zu Ende. "Naja, am Montag werden wir wohl wieder auf die Straße müssen", sagt eine Frau Mitte Fünfzig.

MDR (jw)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 12. Oktober 2022 | 06:30 Uhr

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