Dutzende Menschen stehen Schlange vor der Messe Erfurt.
Wie geht's weiter mit der VR-Bank Bad Salzungen-Schmalkalden? - Darüber wurde bei der Generalversammlung der Bank in Erfurt gesprochen. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Generalversammlung Kriselnde VR-Bank erhält Hilfe von anderen Banken

27. März 2024, 19:27 Uhr

Um eine Generalversammlung der VR-Bank in Erfurt hatte es im Vorfeld erheblichen Wirbel gegeben. Am Dienstagabend wurden die Genossenschaftsmitglieder nun über Schritte informiert, die der kriselnden Bank helfen sollen.

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Die in finanzielle Schwierigkeiten geratene VR-Bank Bad Salzungen-Schmalkalden erhält von den anderen Volks- und Raiffeisenbanken Hilfen in Höhe von rund 280 Millionen Euro. Dabei handelt es sich nach MDR-Informationen um Garantien zur Absicherung möglicher Verluste.

Ohne diese Garantien wäre der Fortbestand des Südthüringer Geldinstituts akut gefährdet, wie der seit Dezember in der Bank tätige Bafin-Sonderbeauftragte Christian Gervais und ein Vertreter des Bundesverbandes der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) nach MDR-Informationen am Dienstagabend auf einer außerordentlichen Generalversammlung der Bank in Erfurt mitteilten.

Abschreibungsbedarf von 280 Millionen Euro

Demnach hat eine Neubewertung von Immobilien der Bank, Krediten und Beteiligungen einen Abschreibungsbedarf von rund 280 Millionen Euro ergeben. Ohne Hilfen der anderen Banken müsste die VR-Bank Bad Salzungen-Schmalkalden für das Geschäftsjahr 2022 einen Verlust in dieser Höhe ausweisen.

Um die Garantien zu erhalten, hat die Bank nach MDR-Informationen vor einigen Tagen einen Sanierungsvertrag mit der BVR-Sicherungseinrichtung abgeschlossen. Endgültige Zahlen liegen indes noch nicht vor, da für das Jahr 2022 noch keine von Wirtschaftsprüfern testierte Bilanz existiert. An dieser werde noch gearbeitet, hieß es auf der Versammlung. Laut Gervais wird die Bank aber auch mit den zugesagten Sicherheiten für 2022 wohl einen Verlust von rund 1,2 Millionen Euro ausweisen.

Kredite an Profi-Fußballvereine vergeben

Die Sicherungseinrichtung ist eine Organisation des Bundesverbandes der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Ihre Mitglieder haben sich zur gegenseitigen Hilfe verpflichtet. Nach MDR-Informationen kündigte Gervais auf der Versammlung auch an, dass sich die Bank im Rahmen der Sanierung voraussichtlich von einigen Geschäftsfeldern trennen wird.

Die Bank hatte unter ihrem früheren Vorstand in den vergangenen Jahren unter anderem umfangreich in Immobilien und Unternehmensbeteiligungen investiert und Kredite an Profi-Fußballvereine vergeben. Ihre Geschäfte hatte die Bank aber nach Einschätzung der Finanzaufsicht Bafin und des BVR nicht ausreichend durch Eigenkapital abgesichert.

Die Bafin hatte im Dezember 2023 einen Sonderbeauftragten bei der Bank installiert, der gemeinsam mit einem neuen Vorstand derzeit die Geschäfte führt. Der alte Vorstand und der Aufsichtsrat hatten ihre Ämter niedergelegt.

Nach MDR-Recherchen hatte die Bank unter anderem eigene Immobilien mit einem höheren Wert bilanziert, als es der Realität entsprach. So erwarb die Bank beispielsweise für rund 4,2 Millionen Euro eine Immobilie, die tatsächlich aber nur rund 1,3 Millionen Euro wert ist.

Neuer Aufsichtsrat gewählt

Auf ihrer Sitzung wählten die rund 1.360 anwesendenen Genossenschaftler einen neuen Aufsichtsrat. Dem zwölfköpfigen Gremium gehören unter anderem Unternehmer und Lokalpolitiker aus der Region an. Der alte Aufsichtsrat war Ende 2023 zurückgetreten. Seither fungierte der Bafin-Sonderbeauftragte Klaus Dirk Auerbach als Aufsichtsrat.

MDR (dr/mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 27. März 2024 | 07:00 Uhr

7 Kommentare

M. W. vor 11 Wochen

Es hilft nichts, die Tatsachen weiter zu verleugnen und an dem von der alten Bankführung gestreuten Verschwörungstheorien festzuhalten. Die Fakten sprechen eine eindeutig andere Sprache: Die früheren Jahresabschlüsse waren eben nicht in Ordnung, sondern zumindest in den Jahren 2020 u. 2021 fehlerhaft. Gegen den früheren Vorstandschef wurde vor einigen Jahren als Ergebnis eines Ermittlungsverfahrens wg. Untreueverdacht durch die Staatsanwaltschaft eine Geldauflage von 240.000 Euro verhängt, die er sich von der Bank hat bezahlen lassen. Danach wurde munter Geld in Bordellimmobilien, Wasserquellen in einer griechischen Mönchsrepubublik u. a. gepumpt. Und nun? Sind Verluste in Höhe von 280 Millionen Euro entstanden, die alle anderen Volksbanken mit ihrem Sicherungsfonds ausgleichen dürfen, damit die Bank in Bad Salzungen nicht schließen muss. Es kann also keine Rede davon sein, dass mit den von Ihnen genannten Geschäftsfeldern real Geld verdient wurde. War alles ein einziges Kartenhaus.

Ludwig58 vor 11 Wochen

Es gibt ja den guten alten Spruch "Schuster bleib bei Deinen Leisten". Und da ist viel Wahrheit enthalten, auch wenn heute kaum noch jemand die Aussage versteht.
Zur eigentlichen Geschichte: da haben die seinerzeitigen Verantwortlichen der VR Bank Bad Salzungen-Schmalkalden sich ganz offensichtlich übernommen und gedacht, vermeintlich gute Geschäfte machen zu können.
Aber -um bei Sprüchen zu bleiben- sie haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht!
Will sagen: sie haben sich in Geschäftsfelder begeben, die ganz offensichtlich mindestens eine Nummer zu groß für sie waren.
Dass die Sicherungseinrichtung der BVR nun einspringt ist für die Genossenschaftler hilfreich. Doch es muss hinterfragt werden, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Haben die Kontrollorgane ihre Arbeit stets gut erledigt, muss etwa hinterfragt werden. Ferner muss auch geklärt werden, in wie weit Regress eingefordert werden kann oder sogar muss.
Der Schaden für das Image der VR-Banken ist jedenfalls sehr, sehr groß.

MDR-Team vor 12 Wochen

@kleinerfrontkaempfer: Nach unseren Informationen lagen im November 2023 wesentliche Teile der Bilanz nicht vor. Der Abschluss war demnach nicht fertig.

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