Corona Tschechien in der Corona-Pandemie: Bestatter am Limit

Tschechien hat bezogen auf die Einwohnerzahl fast fünfmal so viele Corona-Tote zu beklagen wie Deutschland. Das bekommen auch die Bestattungsunternehmer in unserem Nachbarland zu spüren. Ihre Kapazitäten sind nahezu erschöpft.

Krematorium in Ostrava, Tschechien
Ivo Furmančík leitet das Krematorium von Ostrava. Aufgrund der Covid-19-Pandemie stößt die Einrichtung an ihre Grenzen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Kühlraum im Krematorium in Ostrava ist voll. Ein normaler Herbst sei das nicht, sagen die Mitarbeiter hier. Die Auswirkungen der Corona Pandemie spüren sie deutlich, denn auch am Wochenende muss hier jetzt gearbeitet werden.

Wir sind hier gewöhnt an 40, 45 Einäscherungen am Tag – aber derzeit müssen wir 70 am Tag schaffen, was an der Grenze der Kapazität ist.

Ivo Furmančík, Direktor des Krematoriums in Ostrava

Tschechien belegt einen der traurigen Spitzenplätze in Europa. Auf 100.000 Einwohner kamen in den letzten zwei Wochen 19 Corona-Tote. In Deutschland sind es nur vier.

Auch Bestattungsunternehmer David Kraus aus Ostrava hat derzeit viel zu tun. Etwa 70 Bestattungen hat die Firma normalerweise im Monat, im November 2020 waren es doppelt so viele.

Die jetzige Sitatuin stellt hohe Anforderungen an alle – an Sargfabrikanten, an Bestattungsdienste, ans Krematorium. Denn die Zahlen steigen von Tag zu Tag und wir wissen nicht, was in einer Woche ist – wir können nicht planen, wir können nicht auf einmal unsere Kapazitäten verdoppeln.

David Kraus, Bestattungshaus Acordia in Ostrava

Bestattungsunternehmen in Ostrava, Tschechien
Bestattungsunternehmen aus Ostrava haben alle Hände voll zu tun. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Gesundheitsministerium hat die ersten Zahlen vom Herbst ausgewertet. Schon im Oktober, noch am Anfang der zweiten Welle, lag die Sterblichkeit um ein Drittel höher als in den vergangenen Jahren.

Nach Einschätzung des tschechischen Gesundheitsministers Jan Blatný sterben die Menschen aber nicht nur infolge einer Covid-19-Infektion, sondern auch weil die übrigen Krankheiten aufgrund der extremen Belastung des Gesundheitswesens nicht bzw. nicht rechtzeitig behandelt werden. Für ihn steht deshalb fest:

Wir müssen sicherstellen, dass unsere Krankenhäuser wieder so funktionieren, dass sie sich um alle Patienten kümmern können.

Jan Blatný, tschechischer Gesundheitsminister

Es gibt aber ein sprichwörtiches Licht am Ende des Tunnels: Die Schließung von Geschäften, Schulen und Restaurants in Tschechien seit Mitte Oktober und der Lockdown zeigten Wirkung, die Lage in den Krankenhäusern entspannte sich. Seit dem 2. Dezember sind Schulen, aber auch Geschäfte und Restaurants nun wieder geöffnet. Zu Weihnachten sind weitere Lockerungen geplant.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 27. November 2020 | 17:45 Uhr

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