Jewgeni Prigoschin
Wagner-Chef Prigoschin: Jeder fünfte rekrutierte Häftling ist tot. Bildrechte: IMAGO / ITAR-TASS

Ukraine-News Wagner-Chef: 10.000 für den Krieg rekrutierte Häftlinge tot

24. Mai 2023, 20:25 Uhr

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, da wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum überprüft werden können.

20:25 Uhr | Stoltenberg: Nato uneins bei Ukraine-Aufnahme

In der Nato gibt es Widerstand gegen eine Aufnahme der Ukraine. Das räumte Generalsekretär Jens Stoltenberg bei einer Veranstaltung in Brüssel ein. Er gebe zu, dass es in dieser Sache in der Allianz unterschiedliche Auffassungen gebe. Niemand könne derzeit genau sagen, was die endgültige Entscheidung beim bevorstehenden Gipfel in Vilnius sei.

Für die Aufnahme eines neuen NATO-Mitglieds ist die Zustimmung aller NATo-Staaten nötig. Medienberichten zufolge treten vor allem die USA und Deutschland auf die Bremse. Polen und die baltischen Länder drängen dagegen auf eine rasche Aufnahme Kiews.

18:55 Uhr | Bundeswehr darf neue Panzer kaufen

Die Bundeswehr erhält 18 neue Leopard-Kampfpanzer und zwölf Panzerhaubitzen, um ihre Bestände nach den Lieferungen an die Ukraine wieder aufzufüllen. Der Haushaltsausschuss des Bundestages bewilligte eine entsprechende Vorlage des Bundesfinanzministeriums. Die Kosten für die Leopard 2 A8 betragen 525,6 Millionen Euro, die für die Panzerhaubitzen 190,7 Millionen Euro. Liefertermin soll spätestens 2026 sein. In der Vorlage des Finanzministeriums ist dem Angaben zufolge auch eine Option für weitere 105 Panzer enthalten.

18:35 Uhr | Russland meldet ukrainischen Angriff auf Kriegsschiff

Russland meldet einen ukrainischen Angriff auf ein Kriegsschiff im Schwarzen Meer. Unbemannte Schnellboote hätten die "Iwan Churs" unweit des Bosporus attackiert, erklärte das russische Verteidigungsministerium. Alle feindlichen Schiffe seien zerstört worden. Das russische Kriegschiff habe die Pipelines TurkStream und Blue Stream geschützt, die Erdgas von Russland in die Türkei transportieren. Eine Stellungnahme der Ukraine liegt nicht vor.

16:58 Uhr | Tschechien kauft Hunderte neue Schützenpanzer

Tschechien kauft 246 Schützenpanzer CV90 des britischen Rüstungskonzerns BAE Systems. Das teilte Verteidigungsministerin Jana Černochová mit. Die Kosten belaufen sich den Angaben zufolge auf umgerechnet rund 2,5 Milliarden Euro. An der Herstellung der CV90-Schützenpanzer werde die tschechische Industrie beteiligt.

Zudem will Tschechien auch Leopard Kampfpanzer in der neuesten Ausführung 2A8 kaufen. Černochová sagte, hier stünden die Verhandlungen aber erst am Anfang.

16:17 Uhr | Kissinger sieht Schuld am Krieg nicht allein bei Russland

Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger sieht die Schuld am Ukraine-Krieg nicht bei Russland allein. Der Friedensnobelpreisträger sagte der Wochenzeitung "Die Zeit", er habe 2014 Zweifel geäußert, die Ukraine einzuladen, der Nato beizutreten.

Henry Kissinger, 2023
Henry Kissinger: Es war nicht weise, die Ukraine einzuladen. Bildrechte: IMAGO / ZUMA Wire

Es sei nicht weise gewesen, die Aufnahme aller Länder des ehemaligen Ostblocks in die Nato mit der Einladung an die Ukraine zu verbinden. Kissinger fügte hinzu: "Damit begann eine Reihe von Ereignissen, die in dem Krieg kulminiert sind."

Zugleich verurteilte er den "höchst rücksichtslosen" Angriffskrieg Russlands. Der Angriff müsse zurückgeschlagen werden, und er befürworte den Widerstand der Ukrainer und des Westens. Russland dürfe nicht gewinnen. Auch sei er heute "absolut dafür, die Ukraine nach dem Ende des Krieges in die Nato aufzunehmen".

Kissinger wird am Sonnabend 100 Jahre alt. Von 1973 bis 1977 war er Außenminister der USA. Für seine Bemühungen um ein Ende des Vietnam-Kriegs erhielt er 1973 den Friedensnobelpreis.

15:14 Uhr | Wagner-Chef: 10.000 rekrutierte Gefangene tot

Bei den Kämpfen in der Ukraine sind nach Angaben des Wagnergruppenchefs Jewgeni Prigoschin etwa 10.000 rekrutierte Strafgefangene getötet worden. "Ich habe 50.000 Häftlinge ausgesucht, von denen etwa 20 Prozent getötet wurden", sagte Prigoschin in einem von einem regierungstreuen Blogger veröffentlichten Interview. Unter den professionellen Wagner-Söldnern sei die Todesrate ähnlich hoch. Zahlen dazu nannte Prigoschin nicht.

Das ukrainische Militär geht einem Bericht des russischen Oppositionsportals "Medusa" zufolge von 50.000 getöteten Wagner-Söldnern aus. Zudem seien 50.000 bis 70.000 Söldner verwundet worden.

14:19 Uhr | Wagner-Chef warnt vor Niederlage Russlands im Ukraine-Krieg

Der Chef der russischen Privatarmee Wagner, Jewgeni Prigoschin, hat vor einer Niederlage Russlands im Ukraine-Krieg gewarnt und eine mögliche Revolution ins Gespräch gebracht. Wenn die Kinder gewöhnlicher Russen weiterhin in Särgen zurückkämen, während die Kinder der Elite sich im Ausland sonnten, drohe in Russland ähnlicher Aufruhr wie bei den Revolutionen von 1917, die in einen Bürgerkrieg gemündet seien, sagte Prigoschin.

Dieses vom Prigoschin Pressedienst zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt Jewgeni Prigoschin, Chef der Söldnertruppe Wagner, an einem unbekannten Ort während einer Erklärung per Video.
Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin. Bildrechte: picture alliance/dpa/PRIGOZHIN PRESS SERVICE/AP | Uncredited

Von der Kreml-Führung forderte er, den Kriegszustand auszurufen und die Wirtschaft auf die Produktion von Munition umzustellen. Alle sollten nur für den Krieg arbeiten, forderte er. Zugleich verwies er auf das vom Kreml genannte Kriegsziel einer "Entmilitarisierung" der Ukraine. Die Ukraine habe heute viel mehr und schwerere Waffen sowie mehr kämpfendes Personal als vor dem Krieg. Russland habe das Land in Wahrheit "militarisiert".

13:51 Uhr | Schoigu kündigt "extrem harte" Reaktionen auf Angriffe auf russisches Gebiet an

Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hat mit harten Reaktionen auf erneute Angriffe auf russisches Staatsgebiet gedroht. Russland werde weiterhin "schnell und extrem hart auf solche Aktionen ukrainischer Kämpfer" reagieren, erklärte Schoigu mit Blick auf erneute Meldungen über Drohnenangriffe auf die russische Grenzregion Belgorod. Die Ukraine bestreitet, in die jüngsten Angriffe auf Belgorod verwickelt zu sein. Zu den Attacken bekannten sich bisher zwei russische, gegen Präsident Wladimir Putin gerichtete Gruppen.

13:34 Uhr | China sagt Russland Unterstützung bei "Kerninteressen" zu

China und Russland haben ihren Willen zu einer engen Zusammenarbeit bekräftigt. Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping sagte bei einem Treffen mit dem russischen Regierungschef Michail Mischustin in Peking, China sei weiterhin bereit, sich bei den jeweiligen "Kerninteressen" der beien Staaten gegenseitig "stark" zu unterstützen. Das berichtete die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua ohne weiter zu konkretisieren, was mit Kerninteressen gemeint war.

Mischustin war am Dienstag zu einem zweitägigen Besuch nach China gereist. Er lobte vor allem die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Der russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge zeigte sich Mischustin zuversichtlich, dass beide Staaten in diesem Jahr die Marke von umgerechnet 200 Milliarden US-Dollar im gegenseitigen Handel überschreiten werden.

12:15 Uhr | Russische Grenzregion Belgorod meldet weitere Drohnenangriffe

Die Regionalregierung der russischen Grenzregion Belgorod hat erneut "zahlreiche" Drohnenangriffe gemeldet. Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow erklärte via Telegram, es sei "keine wirklich ruhige Nacht" gewesen. Die Luftabwehr habe einen Großteil der Angriffe abgewehrt. Diese hätten dennoch Schäden an Fahrzeugen, Häusern und öffentlicher Infrastruktur verursacht. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen.

Seit Beginn der russischen Offensive in der Ukraine war die Grenzregion immer wieder selbst Ziel von Angriffen geworden. Verstärkte Attacken begannen am Montag. Zu den Angriffen bekannten sich zwei russische, gegen Präsident Wladimir Putin gerichtete Gruppen, die Regierung in Kiew stritt jegliche Beteiligung ab.

Ausgebrannte russische gepanzerte Fahrzeuge in Belgorod 4 min
Bildrechte: picture alliance/dpa/Russian Defence Ministry | Russian Defence Ministry

11:53 Uhr | Russland: Militärjet wollte US-Bomber abfangen

Russland und die USA haben einen gefährlichen Zwischenfall mit Kampfjets gemeldet. Moskau erklärte, weil sich zwei US-Bomber dem russischen Flugraum über dem Baltikum genähert hätten, sei ein Abfangjäger aufgestiegen. Die beiden amerikanischen Überschall-Jets hätten sich anschließend wieder vom russischen Luftraum entfernt. Das US-Verteidigungsministerium sprach von einer seit langem geplanten Übung in Europa. Die Interaktion mit der Besatzung des russischen Flugzeugs sei sicher und professionell gewesen. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass ereignete sich der Zwischenfall bereits Ende März.

09:51 Uhr | London: Zahl russischer Deserteure deutlich gestiegen

Die Zahl russischer Deserteure im Krieg gegen die Ukraine hat nach Informationen britischer Geheimdienste zuletzt deutlich zugenommen. Das teilte das britische Verteidigungsministerium in seinem täglichen Geheimdienst-Update mit und verwies auf Recherchen unabhängiger russischer Journalisten. Demnach behandelten russische Militärgerichte zwischen Januar und Mai insgesamt 1.053 Fälle von Fahnenflucht. Das sei mehr als im Gesamtjahr 2022.

Gerichtsakten würden darauf hinweisen, dass die meisten Deserteure zu Bewährungsstrafen verurteilt würden, um sie erneut im Krieg einsetzen zu können. Den Angaben nach hat das russische Militär seit Beginn der Operationen in der Ukraine Mühe, Disziplin in den eigenen Reihen durchzusetzen. Diese Probleme hätten sich aber höchstwahrscheinlich seit der erzwungenen Mobilmachung von Reservisten im Oktober 2022 verschärft. Um die Disziplin zu verbessern, konzentriere sich Russland darauf, an Fahnenflüchtigen ein Exempel zu statuieren statt sich mit den Grundursachen der Ernüchterung der Soldaten zu befassen, hieß es.

07:13 Uhr | Weiter angespannte Lage in russischer Region Belgorod

In der russischen Grenzregion Belgorod nahe der Ukraine ist nach Behördenangaben bei einer Drohnen-Attacke ein Auto beschädigt worden. Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow teilte via Telegram mit, von einer Drohne sei am Dienstagabend ein Sprengsatz auf die Fahrbahn geworfen worden. Nach vorläufigen Angaben sei niemand verletzt worden.

Am Dienstag hatten die Behörden der Region den wegen Kämpfen verhängten Alarmzustand aufgehoben. Nach russischer Darstellung wurden im Gebiet Belgorod seit Montag mehr als 70 ukrainische Kämpfer getötet sowie vier gepanzerte Fahrzeuge und fünf Geländewagen zerstört. Die Ukraine wies zurück, etwas mit den Angriffen zu tun zu haben, und verwies darauf, dass sich aus russischen Staatsbürgern bestehende Freiwilligenkorps zu den Angriffen bekannt hätten.

06:32 Uhr | Selenskyj will Marineinfanterie ausbauen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will die Marineinfanterie des Landes ausbauen. In seiner abendlichen Videoansprache am Dienstag kündigte er die Bildung eines Marineinfanterie-Corps an. Zu bestehenden Einheiten sollten so neue Brigaden hinzukommen, die mit modernen Waffen und Ausrüstung ausgestattet würden.

00:05 Uhr | Bisher kaum Asyl für russische Kriegsdienst-Verweigerer

In Deutschland haben bisher nur wenige russische Kriegsdienst-Verweigerer Asyl erhalten. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf eine Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken. Demnach wurden bis Ende April 55 Anträge positiv entschieden. Insgesamt stellten dem Bericht zufolge 2.485 männliche russische Staatsangehörige im wehrfähigen Alter einen Antrag auf Asyl in Deutschland. Davon seien bisher 88 abgelehnt worden, in 671 Fällen sei es zu einer "formellen Verfahrenserledigung" gekommen. So bezeichne das Ministerium "Entscheidungen im Dublin-Verfahren" oder die "Rücknahme des Asylantrags". Bei den verbleibenden 1.671 Verfahren steht eine Entscheidung noch aus.

Jan Korte, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Linksfraktion im Bundestag, kritisierte die geringe Zahl positiv beschiedener Asylanträge: "Wenn weit über 100.000 Männer im wehrfähigen Alter Russland verlassen und sich Putins Krieg verweigern, aber nur 55 von ihnen in Deutschland offiziell Schutz finden, läuft etwas gewaltig schief."

00:00 Uhr | Ukraine-News am Mittwoch, 24. Mai 2023

Guten Morgen! In unseren Ukraine-News halten wir Sie über die Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem aktuellen Stand. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Was tun, Herr General? - Der Podcast zum Ukraine-Krieg

Der frühere NATO-General und Generalleutnant a.D. Erhard Bühler
Bildrechte: MDR / Erhard Bühler
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Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 24. Mai 2023 | 09:30 Uhr

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Rechte: CCTV, Reuters

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