Erziehungsratgeber Mobbing in der Schule – Wie helfe ich meinem Kind?

06. November 2023, 11:00 Uhr

Die Buchautorin und Erziehungsratgeberin Nora Imlau gibt Antworten, wie man sein Kind vor Mobbing schützen kann.

Nora Imlau
Bildrechte: Maria Herzog

Ab wann spricht man von Mobbing?

Unter Mobbing in der Schule versteht man eine wiederholte und regelmäßige Schikane einzelner Mitschülerinnen und Mitschüler. Mobbing kann an unterschiedlichen Orten ausgeübt werden. Häufig tritt es in der Schule auf, aber auch im Internet geht es mit Beleidigungen weiter, Jugendliche werden bloßgestellt und schikaniert. In der Schule kann sich Mobbing in unterschiedlichen Formen äußern. Hier unterscheidet man zwei Formen der Schikane:

  • Direktes Mobbing in der Schule: Drohungen und Beschimpfungen, öffentliches Hänseln, das Opfer bloßstellen
  • Indirektes Mobbing in der Schule: Ausgrenzung, falsche Gerüchte über das Opfer verbreiten, Beschädigung des Eigentums.

Wie entsteht Mobbing?

Die Ursachen von Mobbing sind vielschichtig und je nach Fall sehr unterschiedlich. Von Mobbing kann jeder und jede betroffen sein, egal welchen Alters, welcher Schulform und welchen Selbstbewusstseins. In jeder Klasse kann Mobbing also auftreten.

Auslöser von Mobbing können z. B. sein: Über- oder Unterforderung; Selbstwertprobleme des Täters/der Täterin oder ein gestörtes Schul- oder Klassenklima. Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen begünstigen, ob jemand zum Opfer oder zum Täter/zur Täterin wird.
Potenzielle Täter/-innen suchen bei ihren Opfern nach Schwächen und "wunden Punkten", an denen sie verletzbar sind und sich nicht wehren können.

Für ein sogenanntes Täterverhalten gibt es unter anderem diese Gründe:

  •  Langeweile und der Drang nach Abwechslung
  • Abreagieren von Wut und Ärger an anderen Personen
  • Kompensation eigener Schwächen, Angst und Ohnmachtsgefühle durch Abwertung anderer Personen
  • eigene Unzufriedenheit in der Schule (Freundschaften, Leistung)
  • Weitergabe erlebten Unrechts (z. B. Gewalt in der Familie) an Mitmenschen
  • mangelnde Konfliktfähigkeit
  • Interesse an Machtausübung und Kontrolle über andere Personen
  • Wunsch nach Anerkennung in der Klasse
  • persönliche Motive, wie Konkurrenz, Neid, Fremdenfeindlichkeit u. a.
  • eigene Erfahrung als Mobbingopfer

Welche Kinder sind "klassische" Mobbingopfer?

Untersuchungen zeigen, dass Kinder öfter gemobbt werden, wenn sie beispielsweise:

  • ein geringes Selbstwertgefühl haben
  • körperlich schwach sind
  • ängstlich, überangepasst und unsicher sind
  • zu den empfindsamen und stillen Persönlichkeiten gehören
  • erregbar, aggressiv und wenig anpassungsbereit sind
  • von der Klassennorm abweichende Merkmale besitzen, wie z. B. Hautfarbe, Behinderung, Gewicht, Kleidung
  • als Außenseiter/-in, "Streber/-in", "Neuling" in der Klasse“ eingeordnet werden
  • etwas besitzen oder tun, das Sozialneid hervorruft (z. B. teure Kleidung, aufwendiges Hobby, neue technische Geräte)

Woran erkennen Eltern, ob ihr Kind gemobbt wird?

Kinder zeigen auf sehr unterschiedliche Weise, dass sie unter etwas leiden. Manche Eltern sollten sensibel auf Verhaltensänderungen ihres Kindes achten. Ein Indiz kann sein, dass Ihr Kind unbedingt zur Schule gebracht werden möchte, plötzlichen Unwillen zeigt, zur Schule zu gehen, Krankheiten vorgibt oder sogar ohne Ihr Wissen nicht zur Schule geht.

Ein Kind sitzt alleine in einem Klassenraum.
Wenn das Kind nicht mehr zur Schule gehen will oder Schwierigkeiten beim Lernen hat, können das Anzeichen für Mobbing sein. Bildrechte: IMAGO / photothek

Weitere Anzeichen können Konzentrations- und Lernstörungen oder die Verschlechterung der schulischen Leistungen sein sowie untypische psychische Veränderungen wie Gereiztheit, Nervosität und Überempfindlichkeit. Wichtig ist in diesen Fällen, dass man einfühlsam herausfindet, ob Mobbing oder eventuell auch ein anderer Kummer die Ursache ist.

Können Eltern in der Erziehung Mobbing vorbeugen?

Ein Heranwachsen, das von Vertrauen, Wertschätzung und Einfühlung, aber auch von angemessener Grenzsetzung geprägt ist, trägt zur Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins bei, das nicht auf Kosten anderer geht. Dies hilft dem Kind, mit alltäglichen Problemen, also auch mit Konflikten in der Schule, konstruktiv und erfolgreich umzugehen.

Mein Rat:

  • Hören Sie Ihrem Kind aufmerksam zu, wenn es von der Schule erzählt. Stellen Sie Fragen, um herauszufinden, ob in der Schule alles in Ordnung ist.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind, wie wichtig es Ihnen ist, indem Sie sich besonders bei Kummer Zeit nehmen und Hilfe anbieten.
  • Pflegen Sie in der Familie einen lebendigen und vertrauensvollen Gesprächsaustausch.
  • Messen Sie den Sorgen und Problemen Ihres Kindes eine gleichberechtigte Bedeutung zu.

Loben Sie Ihr Kind (und das nicht nur bei guten Schulnoten), bieten Sie Unterstützung an, wenn ihm etwas nicht gelungen ist.

Nora Imlau
Zwei Mädchen flüstern sich was zu
Was macht ihr Kind in der Schule? Wer sind seine Freunde? Nora Imlau rät, zeigen Sie Interesse. Bildrechte: Colourbox.de

  • Seien Sie Vorbild im Umgangston und in der konstruktiven Regelung von Konflikten.
  • Zeigen Sie Interesse am Leben Ihres Kindes und seinem Bekanntenkreis. Reden Sie mit ihm über Freundschaften, wie es seine Freizeit verbringt und was auf dem Schulweg alles passiert.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Mobbing. Ermutigen Sie es, Mobbingvorfälle in der Klasse anzusprechen, das Opfer zu unterstützen und ggf. die Lehrkräfte zu informieren. Machen Sie ihm deutlich, dass das kein Petzen ist.
  • Halten Sie Kontakt zu Lehrkräften und Schule. Nutzen Sie Elternabende, Elternsprechtage und Sprechstunden – nicht nur, um nach Noten zu fragen, sondern auch um das Sozialverhalten und die Integration Ihres Kindes im Klassenverband zum Thema zu machen.

Was können Eltern tun, wenn ihr Kind gemobbt wird?

  • Wenn man glaubt, das eigene Kind ist Opfer von Mobbing, dann benachrichtigen Sie die Schule und vereinbaren einen Termin mit der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer. Sie sollten sich dann den Problemen des Kindes gemeinsam mit Ihnen annehmen.
  • Das Kind sollte nicht ermutigt werden, zurückzuschlagen. Das könnte die Schwierigkeiten noch schlimmer machen. Ein solches Verhalten könnte zudem auch im Widerspruch zur Persönlichkeit des Kindes stehen.
  • Das Kind sollte stattdessen ermuntert werden, neue Freundschaften zu schließen. Ein Kind, das Freunde hat, wird seltener attackiert.
  • Zusammen mit den Lehrern sollten sie sich gemeinsam Schritte überlegen, die dem Kind helfen und die geeignet sind, es innerhalb und außerhalb der Schule zu unterstützen.
  • Von der Schule sollte sich niemand abwimmeln lassen, sondern darauf bestehen, dass etwas geschieht. Am besten, sie suchen eine sozialpädagogische Fachkraft an der Schule des Kindes auf. Sie kann in Absprache mit der Klassenleitung Einzelgespräche führen.

Wie können Eltern und Schüler das Mobbing stoppen?

Da Mobbing in der Schule häufig im Verborgenen geschieht, ist es für Lehrer und Eltern nicht immer leicht, die Fälle zu erkennen. Viele Betroffene stehen daher vor der Frage, wo Sie sich Hilfe holen können, wenn Sie Opfer von Schikanen durch Mitschüler werden. Auch wenn das häufig schwerfällt, ist es der beste Weg, sich einem Erwachsenen anzuvertrauen. Diese Person kann dann entsprechende Schritte einleiten und den Vorfall beispielsweise der Schule melden.

Dann sind die Lehrer in der Pflicht, der Sache nachzugehen. Hat das Mobbing in der Schule schon schwere psychische Schäden angerichtet, kann auch der Besuch bei einem Therapeuten ein Weg sein, diese Probleme anzugehen. Viele Schulen verfügen über sogenannte Vertrauenslehrer. Auch sie können geeignete Ansprechpartner sein, wenn Schüler gemobbt werden.

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MDR (rr,jba)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 06. November 2023 | 17:00 Uhr

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