Tipps vom Mediziner Cannabis auf Rezept: Was gibt es zu beachten?

28. Mai 2024, 10:02 Uhr

Bereits seit einigen Jahren darf Cannabis auf Rezept verschrieben werden. Wann wird es eingesetzt? Wer kann es bekommen? Allgemeinmediziner Carsten Lekutat beantwortet die wichtigsten Fragen dazu.

Bei welchen Beschwerden kann Cannabis auf Rezept verschrieben werden?

Dr. Carsten Lekutat: Es kann verschrieben werden bei Patienten mit chronischen Erkrankungen, beispielsweise chronischen Schmerzerkrankungen der Nerven oder einer starken Arthrose. Aber auch bei Patienten mit einer multiplen Sklerose, die an Spastiken leiden, kann es eine mögliche Therapie sein. Das sind schmerzhafte Muskelverkrampfungen, da hilft Cannabis außerordentlich gut. Medizinalhanf wird nur eingesetzt im Rahmen einer Schmerzbehandlung in Kombination mit verschiedenen medizinischen Therapien.

Cannabisagentur regelt Einsatz von Medizinalhanf Seit März 2017 bereits dürfen Ärzte chronische Schmerzpatienten unter strengen Voraussetzungen mit medizinischem Cannabis behandeln, wenn keine andere Therapie Wirkung zeigt. Dafür wurde eigens eine "Cannabisagentur" gegründet, die den Anbau und Vertrieb von Medizinalhanf in Deutschland regulieren soll.

Hilft Cannabis auch bei Depression und Angststörungen?

Dafür gibt es momentan keine Zulassung für Cannabis-Präparate. Aber wir wissen ja, dass beispielsweise bei chronischen Erkrankungen, wie auch bei Tumorerkrankungen, Angststörungen und Depressionen eine Rolle spielen. Durch die Cannabis-Therapie, die primär gegen die Schmerzen des Tumors eingesetzt werden, werden Angststörungen und Depressionen mit gelindert.

Stichwort Cannabis-Medikamente Cannabis-Medikamente sind als Sprays, Kapseln oder ölige Tropfen erhältlich, aber auch als getrocknete Blüten oder Pflanzenextrakte, die über einen Verdampfer inhaliert werden. Die Therapie ist aufgrund von Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Schwindel aber nicht für jeden geeignet.

Die Patienten bekommen das jeweilige Hanfmedikament auf Rezept und müssen vor Beginn der Behandlung einen Antrag bei der Krankenkasse stellen. Die Therapie erfolgt nie anstelle anderer Medikamente, sondern immer zusätzlich. Patienten in der ambulanten Palliativversorgung benötigen keine vorherige Genehmigung der Krankenkasse.

Hat medizinisches Cannabis auch Nebenwirkungen?

Selbstverständlich. Cannabis ist eine Droge. Eine Nebenwirkung ist, dass das Gehirn dem Körper sendet, dass er Hunger hat. Beim Spray sagen Patienten immer wieder, sie spüren ein Taubheitsgefühl im Mund und der Geschmack sei unangenehm bitter. Es ist jetzt keine Freude, dieses Spray zu verwenden, es ist Medizin.

Ist es seit der Teil-Legalisierung von Cannabis allgemein als Arzt einfacher, Medizinalhanf zu verschreiben?

Der Gast im Studio
Dr. Carsten Lekutat ist Allgemeinmediziner. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bisher musste ich medizinisches Cannabis über ein Betäubungsmittelrezept verschreiben. Das hat den Praxisablauf erschwert, weil das ein anderes Formular und ein anderes Vorgehen ist. Jetzt geht dies auch über das für alle Medikamente übliche E-Rezept. Das entbindet uns Ärzte natürlich nicht von der Verpflichtung, einzuschätzen, für welche Patienten das infrage kommt und für welche nicht.

Wer sollte generell auf keinen Fall Cannabis zu sich nehmen?

Man kann, glaube ich, sehr einfach sagen: Kinder und Jugendliche. Beim noch sich entwickelnden Gehirn wirkt sich das gravierend auf das Nervensystem aus. Schulische Leistungen und berufliche Leistungen sind gefährdet.

Es gibt auch psychotische Verläufe. Das kann schon beim ersten Joint passieren. Deswegen gibt es auch kein medizinisches Cannabis für Kinder und Jugendliche und auch nicht für Schwangere. Wir wissen, wenn Menschen Morphium nehmen, die keine Schmerzpatienten sind und dies ohne ärztliche Kontrolle tun, haben die ein größeres Risiko der Abhängigkeitsentwicklung. Beim Cannabis wird das sehr ähnlich sein.

MDR (cbr)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Mittagsmagazin | 16. April 2024 | 12:00 Uhr

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