Indische Heilkunst Schmerzen lindern mit Ayurveda

Ayurveda ist eine traditionelle indische Heilkunst, die sich sehr gut mit der westlichen Schulmedizin und Naturheilkunde kombinieren lässt. So können Schmerzen natürlich gelindert werden. Eine wichtige Säule ist dabei die Ernährung.

Entspannung und Massage beim Wellness
Beim ayurvedischen Stirnguss wird warmes Öl über die Stirn gegossen. Bildrechte: colourbox.com

Studien zur Wirksamkeit aryurvedischer Methoden am Immanuelkrankenhaus Berlin

Wer hierzulande Ayurveda hört, denkt oft gleich an Yoga, Meditation, Sonne und Ölmassagen – doch in Indien und den angrenzenden südasiatischen Ländern ist Ayurveda eine tief verwurzelte Heilkunst, welche dort der modernen Medizin rechtlich gleichgestellt ist.

Das Wort selbst stammt aus dem altindischen Sanskrit und bedeutet übersetzt: „Das Wissen vom Leben“. Dahinter verbirgt sich ein komplexes Diagnose- und Therapiesystem, welches von der Weltgesundheitsorganisation als Traditionelles Medizinsystem anerkannt ist. Die Ayurveda-Medizin basiert vorwiegend auf empirischen Prinzipien, also speist sich vor allem aus dem systematischen naturheilkundlichen Erfahrungswissen des indischen Subkontinents über mehr als 2000 Jahre. Seit 2015 gibt es dort sogar ein eigenes Bundesministerium für Traditionelle Medizinsysteme.

Momentan ist das Feld der Ayurveda-Medizin in Deutschland noch sehr breit gefächert – esoterische Ansätze, Selbstzahler-Leistungen oder Wellness stehen neben ersten hierzulande wissenschaftlich fundierten Präventions- und Heilungsansätzen. Am Immanuel Krankenhaus in Berlin forschen Wissenschaftler und Ärzte zur Wirksamkeit ayurvedischer Therapien bei chronischen Erkrankungen.

Eine Idee dahinter ist, die Heilkunst der Traditionellen Indischen Medizin mit der europäischen Naturheilkunde zu kombinieren. Was es dafür braucht, sind klinische Studien.

Begriffserklärung Ayurveda heißt übersetzt so viel wie "das Wissen vom Leben".

Vata, Pitta und Kapha – drei Funktionsprinzipien, die menschliches Leben erklären

Die ayurvedische Medizin basiert unter anderem auf dem Konzept der drei Funktionsprinzipien Vata, Pitta und Kapha – auch Doshas genannt. Jedes Dosha erfüllt bestimmte Aufgaben im Körper.

Während Vata zum Beispiel Bewegung, die Atmung, den Herzschlag und die Muskeln steuert, ist Pitta vor allem für die Verdauung, den Stoffwechsel und thermische Prozesse, aber auch unsere Intelligenz verantwortlich. Kapha ist das Speicher-, Nähr- und Aufbauprinzip. In jedem Menschen wirken diese drei Doshas – ist der Mensch krank, sind sie im Ungleichgewicht.

Ziel der ayurvedischen Medizin ist es nun, die drei Doshas in eine optimale Balance zu bringen. Daher kann auch erst nach einer professionellen Anamnese und Diagnostik die Therapie festgelegt werden, denn jeder Mensch wird, entsprechend ayurvedischer Prinzipien, möglichst individuell behandelt.

Ernährung – eine wichtige Säule der ayurvedischen Therapie

Ein speziell auf den Patienten zugeschnittener Ernährungsplan ist Bestandteil fast jeder ayurvedischen Therapie. Es wird darauf geachtet, die Verdauung zu entlasten. Das Verdauungsfeuer "Agni" soll angeheizt, Blähungen vermieden werden.

Jeder Patient bekommt einen ausführlichen Ernährungsplan, in dem steht, welche Lebensmittel er meiden und welche er bevorzugt in seinen Essensplan aufnehmen soll, welche Nahrungsmittel gut zusammenpassen und welche weniger oder wie gesundheitsförderlich gewürzt werden kann.

Parallel dazu heißt ayurvedische Ernährung aber auch: drei Mahlzeiten täglich und keine Zwischenmahlzeiten, damit der Körper in Ruhe verdauen kann.

Die drei Prinzipien der ayurvedischen Ernährung

  • Möglichst warm essen
  • Regelmäßig essen. Als ideal gilt: gegen 7 Uhr kleines Frühstück, gegen 12 Uhr Mittagessen und gegen 18 Uhr ein leichtes Abendbrot
  • Leicht verdaulich und überwiegend pflanzlich essen

Ayurvedische Therapie bei Reizdarmsyndrom

Anzeichen dieser Störung der Darmfunktion, für die sich meist keinerlei organische Ursache finden lässt, sind Verstopfung oder Durchfall, Bauchschmerzen und allgemeines Unwohlsein. Frauen sind meist doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Momentan haben Ärzte noch keine Ursache für das Reizdarmsyndrom gefunden, sodass auch die Behandlung sehr schwierig ist.  Fest steht, dass der Darm von einem engen Geflecht verschiedener Nerven durchzogen ist, die bei einem Reizdarmsyndromm gestört sind.

Bei einigen Patienten verschwinden die Beschwerden nach einer Ernährungsumstellung, daher versuchen viele Therapieansätze die Ernährung in den Mittelpunkt der Behandlung zu stellen.

Ölguss – sanft und beruhigend

Sehr bekannt ist sicherlich auch der ayurvedische Stirnguss: Shirodhara genannt. Dabei wird warmes Öl über die Stirn gegossen. Durch die sanfte Stimulation soll das vegetative Nervensystem beruhigt werden.

Katibasti – mit Kichererbsen gegen Rückenschmerzen

Eine weitere äußerliche Heilmethode – oft bei Rückenschmerzen angewandt – ist Katibasti. Ein aus Kichererbsenteig geformter Ring sitzt fest auf der Haut und hält das warme Öl an der Stelle, an der es wirken soll. Nach sieben Minuten wird das Öl gewechselt. Dazu erklärt Grit Bartsch, Ayurveda-Therapeutin am Immanuel Krankenhaus: "Das hilft den Patienten zu entspannen und den Stress zu vergessen." Sechs Mal wird das Öl innerhalb einer Anwendung ausgetauscht – nach 45 Minuten dann wird der Ring entfernt.

Tipp: kulinarische ayurvedische Woche ausprobieren

  • schwer-verdauliche Lebensmittel wie z.B. Fleisch, Wurst, Fisch, Eier, Quark, Käse, Eis und Rohkost vermeiden
  • auf sehr fettreiche und sämtliche industriell verarbeitete Produkte verzichten, bzw. diese deutlich reduzieren
  • pflanzenbasierte Kost mit viel frischem Gemüse und Obst, pflanzliche Eiweißen aus gut gekochten Hülsenfrüchten (z.B. Mung-Linsen), Vollkorngetreiden, Nüssen und Saaten
  • hochwertige Milchprodukte (am besten Bio) mit Schwerpunkt auf Ziegenmilchprodukte (Feta, Frischkäse)
  • Milch einmal kurz vorher aufkochen oder Milchprodukte ganz weglassen und auf hochwertige pflanzliche Alternativen zurückgreifen (z.B. Hafermilch, Reismilch)
  • hochqualitative kaltgepresste Öle (z.B. Olivenöl)
  • Gewürze einsetzen, um Ihre Verdauung zusätzlich zu unterstützen. Zusätzlich zu den heimischen Gewürzen (Pfeffer, Oregano, Thymian, Lorbeer und Rosmarin etc.) können Sie z.B. Kreuzkümmel, Kurkuma, Koriandersaat, Bockshornklee, Senfsaat, Schwarzkümmel, Kardamom, Nelken, Curryblätter ausprobieren oder einfach nur ein hochwertiges Currypulver.
  • frische Küchenkräuter verwenden, wie Basilikum, Petersilie, Schnittlauch, Kresse oder Koriander

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 20. Januar 2022 | 21:00 Uhr

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