Anschlag auf Synagoge Der Tischler, dessen Tür den Schüssen in Halle standhielt

Bei dem Anschlag auf die Synagoge in Halle vor gut acht Monaten sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Es hätten noch mehr sein können, wenn der mutmaßliche Täter durch die Tür der Synagoge gekommen wäre. Mehrfach hatte er darauf geschossen, aber er kam nicht durch. Da war nicht nur Glück im Spiel, sondern vor allem echte Handwerkskunst. Gebaut hat diese Tür ein Tischler aus Dessau-Roßlau. MDR SACHSEN-ANHALT hat ihn besucht.

Tischler Thomas Thiele
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Tischlerei Thiele in Dessau-Roßlau ist ein Familienunternehmen, wie man es sich vorstellt. Geschäftsführer ist Tischler Thomas Thiele. Aus seiner Hand stammte die Tür der Synagoge in Halle, die am 9. Oktober 2019 mehreren Schüssen standhielt.

"Ein absolut erschreckender Moment"

Nach dem Angriff eines rechtsextremen Täters sind 2019 die Einschusslöcher auf einer Tür zur Synagoge zu sehen
Die Tür zur Synagoge in Halle hielt mehreren Schüssen stand. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Die Gedanken an den Anschlagstag berühren Thomas Thiele noch immer. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Das war ein absolut erschreckender Moment. Das zu sehen – diese Brutalität und diese Ruhe, die dieser Mensch hatte. Das war für mich eigentlich das Schlimme, dass so etwas in der Art und Weise passieren kann."

Thiele selbst hat Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Halle damals kennengelernt, als die Türen eingebaut wurden. "Freundliche Menschen, die keinem etwas tun, die einfach in unserer Gesellschaft leben und dann so angegriffen werden", so Thiele. Das sei für ihn unverständlich.

Neue Tür wird noch stabiler

Zwei gestapelte Holzbalken
Das Material für die neue Tür. Sie soll noch robuster werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Thiele baut der Synagoge jetzt eine neue Tür. Das Material: 65 Millimeter starke Eiche, kammergetrocknet, Leistenqualität – dem Tischlermeister zufolge sehr hohe Qualität.

Noch ist die neue Tür in Arbeit, aber lange dauere es nicht mehr. Die neue Tür sei noch stabiler und robuster, sagt Thiele. "Sie hat noch zusätzliche Verstärkungen, sodass ein Angriff gegen die Tür noch sinnloser ist als der, den wir jetzt schon hatten."

Thomas Thiele liegt seine Arbeit am Herzen. Seit 30 Jahren ist er Tischler aus Leidenschaft. Die eigentliche Chefin aber, sagt er, sei seine Frau Anja Thiele. Sie macht unter anderem die Buchhaltung. Beide können nicht so richtig glauben, dass ihre Arbeit mal solche Aufmerksamkeit erfährt. Aber die gute Arbeit des Tischlers hat Leben gerettet – am 9. Oktober 2019 in Halle.

Ein Tischler bei der Arbeit.
Auch die neue Tür für die Synagoge wird von Thiele gebaut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK




Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09. Juni 2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Wenzel vor 19 Wochen

Eine Thomas-Thiele-Tür, eine Tür, die Leben rettet.
Danke.

Mehr aus Dessau-Roßlau, Anhalt und Landkreis Wittenberg

Mehr aus Sachsen-Anhalt