03.06.2020 | 05:00 Uhr Lommatzscher Pflege: Wie Sachsens erste Dörfer digital werden

Olga Patlan im MDR-Landesfunkhaus Magdeburg
Bildrechte: Olga Patlan/Gaby Conrad

Wie kann man Digitalisierung für den ländlichen Raum nutzen? Dieser Frage ist das Fraunhofer Institut nachgegangen. Entstanden ist das Projekt Digitale Dörfer, das nun in der Lommatzscher Pflege in Sachsen verfügbar ist.

Lommatzscher Amtsblatt und daneben ein Smartphone mit der App, die den Titel des Amtsblatts zeigt
In der Lommatzscher Pflege werden die Bürgerinnen und Bürger nun auch digital informiert. Digitale Dörfer können aber noch mehr. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Es gibt für alles eine App, sagt man. Was es tatsächlich bisher noch nicht so viel gibt, sind Apps für den eigenen Ort, insbesondere für die kleinen Dörfer. Das ändert sich aktuell in der Lommatzscher Pflege im Landkreis Meißen. Die Region macht bei einem Pilotprojekt in Sachsen mit und testet als erste Digitale Dörfer in Sachsen.

Eine Plattform zum Vernetzen

Digitale Dörfer ist ein Projekt des Fraunhofer IESE und des simul+InnovationHub des Landes Sachsen. Das Ziel ist es, den ländlichen Raum zu digitalisieren und den Menschen die Möglichkeit der Kommunikation zu bieten sowie den Draht zur eigenen Gemeindeverwaltung zu verbessern. Die Plattform vereint mehrere Dienste, die sich am Bedarf der Region orientieren. Vor dem Starttermin Ende März gab es deshalb Workshops des Fraunhofer Instituts, bei denen dieser ermittelt wurde.

Alle Angebote der Digitalen Dörfer werden in einer App namens "DorfFunk" vereint. Die Funktion an sich sind nichts Neues. Sie verbindet einen Eventkalender, Suche- und Biete-Funktion, Nachrichten aus der Gemeinde und bietet die Möglichkeit für Gruppenbildung und Chats. Das Besondere ist jedoch, dass sich alles auf die eigene Umgebung bezieht.

Menschen näher sein

Eine blonde Frau (Bürgermeisterin von Liommatzsch) in ihrem Büro.
Anita Maaß, Bürgermeisterin von Lommatzsch Bildrechte: MDR/Olga Patlan

"Wir haben häufig das Problem, dass wir weit weg sind von den Bürgern und hier gelingt es uns, näher zu sein", sagt Anita Maaß, Bürgermeisterin von Lommatzsch. So ist zumindest ihre Hoffnung für die künftige Verwendung der App. Sie hat gemeinsam mit dem Land das Projekt in die Region geholt, damit die Menschen sich miteinander verbinden können und "das Gefühl des Abgehängtseins vermindert werden kann", so die junge Bürgermeisterin. Dafür möchte sie künftig auch die Bürgerinnen und Bürger bei Entscheidungsprozessen auf diesem Weg einbeziehen. 

Keine Sorgen um die eigenen Daten

Die Vorteile der App sieht Maaß in der leichten Anwendung und den vielfältigen Möglichkeiten der Kommunikation untereinander. Außerdem: Da die Anwendung in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut und dem Land kommt, ist sie nicht werbefinanziert und entspricht der europäischen DSGVO. So müsste sich keiner Sorgen um seine Daten machen, meint die Bürgermeisterin.

Doch die App hatte keinen leichten Start. Am 23. März wurde der "DorfFunk" in Sachsen freigeschaltet. Eigentlich hätte es dazu eine Release-Party geben sollen, um die Menschen an die Nutzung und die Vorteile ranzuführen. Dieser ist wegen der Corona-Schutzmaßnahmen ausgefallen. Maaß hofft dennoch, dass die App sich nun herumspricht. Die Nachrichten aus der Regionen würden aber nach wie vor auch im Amtsblatt veröffentlicht. Die Menschen sollen lediglich die Option haben.

Die App ist für jeden kostenlos nutzbar. Durch den geplanten Breitbandausbau bis 2023 solle auch jeder den infrastrukturellen Zugang bekommen, so Maaß.

Die App für sich nutzen

Lächelnder Mann mit Schiebermütze
Dirk Dobiéy, Weingutsbetreiber aus Mauna, Käbschütztal Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Wie man Digitale Dörfer für sich nutzen kann, hat Dirk Dobiéy bereits herausgefunden. Er hat ein Weingut in Mauna "Cambium Compagnie", einem Ort der Gemeinde Käbschütztal. Direkt an dem Weingut haben er und sein Partner als Reaktion auf die Corona-Krise eine kleine Beachbar gestaltet. Um jetzt auf die kleine Oase westlich von Meißen aufmerksam zu machen, nutzen die beiden Geschäftspartner den Eventkalender der App.

Er sieht die Anwendung zwar als Chance, jedoch weiß er auch: "Eine App alleine ist nicht viel wert, sondern das, was wir damit tun, um zum Gelingen des Lebens beizutragen und um menschliche Begegnungen herzustellen." Eine Herausforderung werde sein, die Menschen in die App zu holen, meint der Unternehmer. Er selbst wolle mit seinen Veranstaltungen zur Vernetzung der Menschen beitragen.

Digitale Dörfer sind auch Thema diese Woche auf dem Instagram-Kanal von den Kleinstadthelden.

Die unterschiedlichen Dienste der Digitalen Dörfer

DorfNews: Vereinen wichtige Neuigkeiten rund um die Region mit allen Informationen zu Verkehr, Veranstaltungen, spannenden Ereignissen und anderen News.

DorfPages: Sind lokale Dorfwebseiten, mit denen sich ein Dorf vorstellen und über seine Besonderheiten und Geschichte informieren kann. Aber auch aktuelle Neuigkeiten und Events sind ein wichtiger Bestandteil. Somit sind die DorfPages eine Kombination aus immer neuen Beiträgen und spannenden, dauerhaften Fakten.

DorfFunk: Ist die Kommunikationszentrale der Digitalen Dörfer. So heißt auch die entsprechende App. Bürgerinnen und Bürger können hier ihre Hilfe anbieten, Gesuche einstellen oder einfach nur miteinander plauschen. Hier werden auch die Neuigkeiten aus den DorfNews und DorfPages gezeigt.

LösBar: Dient der Verbindung zwischen Bürgern und der Verwaltung, um ihre Anliegen gemeinsam als Team zu lösen. Die Bürgerinnen und Bürger können mit ihrer Verwaltung in Kontakt treten, um Vorschläge und Wünsche einzubringen oder Mängel zu melden. (wird bald in Sachsen freigeschaltet)

BestellBar: Ist eine neue Art des Online-Marktplatzes. Sie vereint Online-Shopping mit dem Einkaufen beim Händler vor Ort. Hier können Einzelhändler der Region ihre Produkte zum Verkauf anbieten. (nicht in Sachsen verfügbar)

LieferBar: Ist der Mitbring-Service für die Gemeinde. Hier können Bürger sehen, welche Pakete aus dem lokalen Online-Shop "BestellBar" noch auf Auslieferung warten und diese ihren Nachbarn gleich mitbringen. (nicht in Sachsen verfügbar)

Quelle: MDR/pat

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