Trotz größerer Anbauflächen Biokraftstoffe der Zukunft könnten Treibhausgase einsparen

Ein Wochenendtrip nach Florenz oder mit dem Auto schnell zur Bank – unser Mobilitätsverhalten ist nicht gut für das Klima. Der weltweite Verkehr ist aufgrund fossiler Kraftstoffe einer der größten CO2-Verursacher. Biokraftstoffe galten lange als umweltfreundliche Alternative, bevor ihnen negative Effekte nachgesagt wurden: Zu viel Dünger und gestiegene Waldrodungen. Eine neue Studie kommt nun zu dem Schluss, dass Biokraftstoffe trotzdem CO2-sparend sein können.

Blühendes Rapsfeld bei Abendstimmung
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Weniger CO2-Emissionen durch Biokraftstoffe

Einer der größten CO2-Produzenten ist der Verkehr. Allein in Deutschland stand der Verkehrssektor im Jahr 2019 auf Platz 3 der CO2-Verursacher. Michael Strogies vom Umweltbundesamt (UBA) dokumentiert die Emissionswerte der einzelnen Branchen. Er wundert sich im Gespräch mit MDR Wissen nicht über die Rolle der Mobilität: "Beim Verkehr ist das große Problem, dass wir in der Vergangenheit nicht genug getan haben. Alle Bemühungen haben letzten Endes dazu geführt, dass die Emissionen nicht gestiegen sind. Aber im Grunde sind sie noch genauso hoch wie 1990." Um die Emissionen zu senken, sind Biokraftstoffe ein großer Hoffnungsträger.

Biosprit verursacht wesentlich weniger Treibhausgase bei der Verbrennung als die aktuellen fossilen Varianten. Hinzu kommt, dass die verwendete Biomasse aus verschiedenen Pflanzen wie Raps, Mais oder Rutenhirse gewonnen wird und immer wieder neu angebaut werden kann. Sogar Laub, Holz und Bioabfälle können zu Biokraftstoff verarbeitet werden.

Werden durch den Anbau von Biomasse zu viele natürliche CO2-Speicher zerstört?

Was zunächst nach einer umweltfreundlichen Alternative klingt, wird jedoch immer häufiger kritisiert. Der weltweit gestiegene Bedarf an Energiepflanzen führt dazu, dass weniger Anbaufläche für Nahrungsmittelpflanzen und Wälder zur Verfügung steht. Erst kürzlich wurde der Vorwurf laut, dass dadurch auch in die Waldrodungen zunehmen.

In der internationalen Studie "Robust paths to net greenhouse gas mitigation and negative emissions via advanced biofuels" (Belastbare Wege zur Nettominderung von Treibhausgasen und negativen Emissionen über fortschrittliche Biokraftstoffe) untersuchte nun ein Forscherteam um John L. Field von der Colorado State University (USA), ob die Herstellung von Biokraftstoffen indirekt tatsächlich für mehr Treibhausgase sorgt als sie einspart, indem sie natürliche Kohlenstoffdioxid-Speicher zerstört. Dazu verglichen die Forschenden, wie viel Potenzial zur CO2-Ersparnis in der Weiterverwendung, Aufforstung von Wiesen oder Wäldern sowie dem Anbau von Energiepflanzen auf Ackerland, Weidenflächen und Sekundärwald liegt.

Zukünftige Fortschrittliche Biokraftstoffe auf Ackerland und Weideflächen CO2-sparsamer als Aufforstung

Das Ergebnis fällt je nach aktueller Landnutzung unterschiedlich aus. Bei der Abholzung von Sekundärwald würde es Jahrzehnte dauern, bis der Anbau von Energiepflanzen zu einer negativen CO2-Bilanz führen würde.

Würden hingegen Acker- und Weidenflächen in Anbauflächen für Energiepflanzen verwandelt, könnten sie innerhalb von 30 Jahren ähnlich viele Treibhausgase einsparen, wie die Aufforstung dieser Flächen mit Wald einbringt. Im Vergleich zu einer Begrünung durch Wiesen wäre es sogar mehr als das Doppelte. Für zukünftige fortschrittliche Biokraftstoffe gehen die Forschenden sogar von einem 4-mal höheren Potenzial gegenüber der Waldaufforstung und bis 15-mal bei der Bepflanzung durch Wiesen aus. Voraussetzung ist jedoch, dass Kohlenstoffdioxid bereits beim Anbau der Biokraftstoffe im Boden gespeichert.

Europäische Union setzt beim Klimaziel auf Biokraftstoffe

Auch die Europäische Union erkennt in ihrer Richtlinie zu Erneuerbaren Energien das Risiko indirekter Landnutzungsänderung durch den Anbau von Energiepflanzen und weist dabei auf "unbeabsichtigte Folgen" wie "die Freisetzung von CO2-Emissionen" hin. Dennoch setzt auch die EU auf Biokraftstoffe, die ein fester Bestandteil im Bestreben zur Reduktion der Treibhausgase im Verkehrssektor sind.

lb

14 Kommentare

Eulenspiegel vor 13 Wochen

Also ich denke die Größe unseres "biologische Fußabdruck" wird entscheidend bestimmt durch die Art und Weise wie wir unseren Energiebedarf decken. Ob wir, wie seit mehr als 150 Jahren intensiv fossile Energieträger die weitgehend aus Kohlenstoff bestehen tief aus der Erde fördern um sie dann zu verbrennen. Um auf dieser Weise unserer Atmosphäre jedes Jahr Millionen oder sogar Milliarden von Tonnen CO2 zusätzlich beimischen. Oder ob wir dahin kommen unsere Energieversorgung Klimaneutral zu decken.

Eulenspiegel vor 13 Wochen

Hallo Wilfried
Ich schreibe ihnen in friedlicher Absicht. Und ich wünsche ihnen als Mensch nur das Beste.
Ich denke ihr Problem ist sich mit anderen Denkansetzen auseinanderzusetzen. Das Problem ist aber nun mal wenn sie sich in einem solchen Forum zu Wort melden dann müssen sie sich mit anderen Gedankengängen und anderen Ansetzen auseinandersetzen.
Darum kommt die Frage: Was ist das der "biologische Fußabdruck" ?
Das hört sich zwar sehr gut an aber was ist das und was gehört dazu und was gehört da nicht zu?
Daraus ergeben sich eine ganze Menge Fragen die sie erst ein mal beantworten müssten.

winfried vor 13 Wochen

Eulenspiegel ... zunächst zwecks grundsätzlicher Klärung:
Winfried ... wünscht den Frieden
Wilfried ... WILL den Frieden.

Ich denke der menschliche "biologische Fußabdruck" > 1 ist DAS Problem.

 Eine Straßenkreuzung, über die ein grafischer weißer Streifen liegt. Rechts vom Streifen ist die Kreuzung mit Autos, links davon ohne. 45 min
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