Klimaforschung Die extremsten Hitzewellen der Welt – einige haben wir einfach übersehen

Indien ächzt unter einer Hitzewelle. Seit Tagen erreichen die Temperaturen regelmäßig über 40 Grad. Extrem ungewöhnlich für Anfang Mai. Dutzende Tote, die Medien weltweit berichten. So eine Hitzewelle kann man ja auch nicht übersehen – oder? Doch, und es ist in den vergangenen Jahrzehnten sogar mehrfach passiert.

Fata Morgana-Effekt zwischen der Phase 11 und der Industrial Diving Road aufgrund der hohen Temperaturen.
Glühende Straßen in Indien. Das Land erlebt derzeit eine extreme Hitzewelle. Bildrechte: imago images/Hindustan Times

Die Hitzewelle, die im Juni 2021 im Norden der USA und in Kanada herrschte, war eine der extremsten überhaupt. In Kanada brachte sie mit 49,6 Grad nicht nur einen neuen Temperaturrekord, sondern war das bisher tödlichste Wetterereignis, das Hunderte von Todesopfern forderte. Forscher der Universität Bristol wollten herausbekommen, wie diese Hitzewelle im globalen Kontext einzuordnen ist. Bei ihren Untersuchungen fanden sie seit 1960 nur fünf andere Hitzewellen auf der Welt, die noch extremer waren. Dabei entdeckten die Wissenschaftler, dass unter den drei extremsten Ereignissen zwei weitgehend unbekannt waren.

Die wärmsten Hitzewellen, die es je in den jeweiligen Regionen gab, waren:

  • Südostasien im April 1998 mit 32,8 °C
  • Brasilien im November 1985 mit 36,5 °C
  • Süden der USA im Juli 1980 mit 38,4 °C

Vor allem die ersten beiden blieben weitgehend unbemerkt, "wahrscheinlich weil sie in ärmeren Ländern auftraten", so Dr. Vikki Thompson von der Universität Bristol, Klimaforscherin und Hauptautorin der Studie. Der Schweregrad von Hitzewellen ergibt sich dabei nicht aus der Höchsttemperatur allein, die in den drei genannten Fällen auf den ersten Blick wenig extrem wirken. Sie müssen laut den Forschenden anhand der lokalen Temperaturschwankungen beurteilt werden, da sich sowohl der Mensch als auch das natürliche Ökosystem daran anpassen. In Regionen mit geringeren Schwankungen hat dadurch ein kleineres absolutes Extrem stärkere Auswirkungen.

Extreme werden nicht extremer, aber ...

Für die Zukunft sehen die Modellrechnung der Klimaforscher eine deutliche Häufung von Klimaextremen. Bis 2080 liegt die Wahrscheinlichkeit, dass eine solch intensive Hitzewelle auftritt, bei 1:6 pro Jahr, ist also so häufig wie eine 6 beim Würfeln. Dabei, so die Studie, werden die Extremereignisse aber im Vergleich zu den Durchschnittstemperaturen nicht schlimmer. Das ist allerdings keineswegs eine beruhigende Nachricht, da die Hitzewellen sich verschlimmern, weil die Durchschnittstemperaturen steigen. Und das macht eins klar, so Dann Mitchell, Professor für Klimawissenschaften an der Universität Bristol und Mitautor der Studie:  "Der Klimawandel ist eines der größten globalen Gesundheitsprobleme unserer Zeit."

Modell einer Erde dampft und ist mit Pflastern beklebt 45 min
Bildrechte: MDR Wissen

Links/Studien

Die Studie "The 2021 western North America heat wave among the most extreme events ever recorded globally" ist in Science Advances erschienen.

gp

3 Kommentare

Copper vor 21 Wochen

Ja sehen Sie, das ist journalistische Arbeit. Darauf geht man aber im Artikel nicht ein. Nur ein reißerisches Extrem. Entweder man klärt die Menschen wissenschaftlich mit belegbaren Zahlen auf oder man macht es wie in der Bild-Zeitung.

MDR-Team vor 21 Wochen

Hallo Copper,
Bevor ab Juni die Monsunzeit auf dem indischen Subkontinent beginnt, dreht die Hitze oft schon auf. Das betrifft vor allem den Mai und den Juni. Auch im April sind Spitzenwerte über 35 Grad durchaus drin. Allerdings ist es ein bedenkenswerter Trend zu immer früherer und immer intensiverer Hitze, der nun in diesem Jahr eine neue Dimension erfährt. Mit einer brachialen Hitzewelle, die nun schon Mitten im April losgelegt hat und immer noch andauert. Es geht hier um die nachgewiesene Tatsache, dass die Zahl der Hitzetage zunimmt, wie der DWD schreibt, traten im Zeitraum von 1981 bis 1990 lediglich 413 Tage mit Höchsttemperaturen von mindestens 40 Grad auf, von 2011 bis 2020 waren es bereits 600. In Indien gab es dieses Jahr den heißesten März und April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1901, in Pakistan wurde der heißeste März seit 1961 registriert.

Copper vor 21 Wochen

"Extrem ungewöhnlich für Anfang Mai."... und extremer Blödsinn. Neu-Delhi 4.5.2021 - 41°C, 9.5.2020 - 40°C, 8.5.2019 - 42°C, 11.5.2018 - 41°C, 7.5.2017 - 43°C, 12.5.2016 - 40°C, 6.5.2015 - 42°C..... 12.5.2010 - 41°C... 10.5.2000 - 40°C... 11.5.1960 - 42°C. Es ist also eher gewöhnlich das Anfang Mai in Indien die Temperaturen auf über 40°C steigen, selbst im April. Ein wenig journalistische Arbeit und wissenschaftliches "reinschauen" in historische Temperaturtabellen hätten das gezeigt. Wenn man schon Begründungen für den Klimawandel sucht dann bitte auch welche, die der Wahrheit entsprechen. Ach ja 18.4.1980 - 41°C oder 11.4.1973 - 40°C. Mann muss dieses ungewöhnlichen "Extreme" nicht mal suchen, sie sind einfach normal. Die Temperaturen steigen im März, April, erreichen ihren Höhepunkt im Mai und Juni um dann langsam wieder abzufallen. Vereinzelte Spitzen über 45° (Nagpur) sind auch nicht selten, ich spule hier allerdings jetzt nicht jede Provinz durch um das auch noch zu beweisen.