MDR-Resteretter Unser täglich Brot rettet heute

Wegwerfverhalten und Tipps, es besser zu machen

Brot und Backwaren landen so richtig oft in der Tonne und zählen zu den am meisten entsorgten Lebensmitteln. Für eine Brotnation ist das nicht nur ein großes Imageproblem. Was sagen die Zahlen? Und wie können wir sie besser machen? Lassen Sie uns mal ein bisschen Brot retten.

Sehr viele Brötchen und Brote liegen in einem großen Haufen auf einem Betonboden
Was hätte verzehrt werden sollen. Bildrechte: imago images/Countrypixel

Das Grundproblem

Dass in Privathaushalten zu viele Lebensmittel in der Tonne landen – das ist jetzt soweit nichts Neues, damit beschäftigen wir uns im Rahmen der MDR-Resteretter schon ein ganzes Weilchen. Aber noch mal zur Ausgangslage: Lebensmittelabfälle gestalten sich in den heimischen Küchen und Kammern sehr unterschiedlich. Schauen wir kurz mal auf aktuelle Zahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft:

Unangefochtener Spitzenreiter im Müll: Tomaten, Äpfel, Maracujas, Stachelgurken. Frisches Obst und Gemüse ist ein großer vermeidbarer Posten in der Biotonne (oder halt im Restmüll, falls Sie nicht trennen). Das ist im Übrigen auch bei den Lebensmittelabfällen so, die bereits bei der Produktion entstehen. Aber lassen Sie sich nicht täuschen: Auch wenn der Anteil weggeworfener tierischer Produkte geringer ist, verursacht dieser Müll sehr viel mehr unnötige Treibhausgase als das Grünzeug.

Platz drei: Brot- und Backwaren. Das wundert kaum. 4,5 Millionen Tonnen Roggenmischlaibe, Teilchen und Laugenstangen wurden 2015 in Deutschland hergestellt. Davon sind 1,7 Millionen als Verluste abhandengekommen, um es mal vorsichtig auszudrücken. Das hat der WWF herausgefunden. Aufgesplittet sieht das so aus:

Okay, das ist interessant. Hier zeigt sich ein ganz ähnliches Bild wie in der Lebensmittelverschwendung über alle Gruppen von Nahrungsmitteln hinweg. Wieder sind es die Haushalte, die einen Großteil des vermeidbaren Mülls ausmachen.

Das ist auch ein Trend, den wir bereits schon jetzt, zwei Monate nach dem Start der MDR-Resteretter-App, sehen können. Im Ranking der am meisten weggeworfenen Lebensmittel sind Brot und Backwaren nicht nur ein großer Posten …

… sondern führen die Liste mit Abstand an! Klar, repräsentativ ist das noch nicht. Aber es zeigt, wohin die Reise geht. Ist aber nicht nur so, dass das Produkt Brot diese Negativspitze so nahezu unanfechtbar anführt. Auch andere Backwaren – Kuchen und Brötchen – befinden sich auf den vorderen Plätzen. Zusammen waren es am Stichtag 26. Oktober über dreißig Kilo, deren Entsorgung in unserer App protokolliert wurde.

Nun denn. Zeit, Tacheles zu reden:

Was wir jetzt tun können – Tipps zum Umgang mit Brot

Wir wollen jetzt mal nicht allzu sehr schwarzmalen. Aber alles deutet darauf hin, dass es nicht schaden könnte, unseren Umgang mit Backwaren einfach noch mal neu zu lernen. Vielleicht hilft für den Anfang ja erstmal ein Blick auf die Haltbarkeit.

Haltbarkeit von Brot
Brottyp Haltbarkeit
Kleine Weizenbrote, Baguette 1-2 Tage
Weizenbrote, Weißbrot 1-3 Tage
Weizenmischbrote 3-5 Tage
Roggenmischbrot 5-7 Tage
Roggenbrote 6-10 Tage
Schrot- oder Vollkornbrote 8-12 Tage

Klar: Das hier sind Richtwerte zur groben Orientierung, keine verbindlichen Angaben.

Sie sehen, bei der Haltbarkeit gibt es großen Spielraum. Und auch wenn's weh tut: Je gesünder bzw. vollwertiger es wird, desto länger hält sich der Laib. So sorgen industrielle Fertigsäuren dafür, den Herstellungsprozess zu beschleunigen. Mit Natursauerteig hält es hingegen länger frisch. Und da die Schalen der Getreidekörner das Wasser gut binden, bleiben Vollkornbrote länger saftig. Auch der Rest ist eigentlich gar nicht so schwer. Schauen Sie mal:

Der Einkauf

  • Der beste Weg zu weniger Lebensmittelverschwendung: Nur so viel kaufen, wie benötigt wird. Und eben wissen, was benötigt wird. Das gilt bei Brot ganz besonders.
  • Und noch besonderer, wenn Sie mal Lust auf Weizenkleingebäck haben. Laugenstange, Kaiserbrötchen und andere Semmeln sowie Stangenbrot sollten nur dann gekauft werden, wenn sie noch am selben Tag verzehrt werden.
  • Okay, und überlegen Sie sich noch mal, ob es wirklich immer Weizen sein muss: Roggen altert langsamer. Ansonsten: Vorzugsweise Natursauerteig statt Industrieware, Vollkorn statt Weiß- oder Mischbrot.

Hand mit weißem Gummihandschuh hält Smartphone mit Resteretter-Webapp und trägt "Brötchen" ein. Unscharf im Hintergrund auf Zeitungspapier Lebensmittelreste vom Obst, Backwaren. 4 min
Bildrechte: MDR

Das Erste Mi 27.10.2021 17:15Uhr 03:33 min

https://www.mdr.de/wissen/resteretter/video-brisant-resteretter-brot-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Die Lagerung

  • Zimmertemperatur ist gut, Kühlschrank schlecht. Bei minus zwei bis plus fünf Grad altert Brot besonders schnell, weil die enthaltene Stärke bei diesen Temperaturen besonders schnell entquillt. Eine Ausnahme, auf die das Start-Up Heldenbrot hinweist: Wenn es im Sommer heiß und feucht ist, sind die Lagerungsbedingungen im Kühlschrank besser.
  • Das Tiefkühlfach ist hingegen eine gute langfristige Lageroption: Geschnittene Brotscheiben können so aufbewart und später aufgetaut werden – z.B. im Toaster.
  • Eine Plastiktüte tut der Brotqualität nicht gut – durch die entstehende Feuchtigkeit wird der Laib schnell latschig. Besser: Brotbeutel oder Tontopf. Hier kann die Luft gut zirkulieren und Schimmelbefall wird vermieden.
  • Bis auf die Nummer mit dem Tiefkühlfach sollte Brot auch generell ungeschnitten gelagert werden. Außerdem stehen bei großen Laiben die Chancen besser, als bei kleinen Gebäckteilen oder Stangenbrot.

Nahaufnahme aufgeschnittenes Weißbrot mit einem großen, grün-grauen, pelzigen Fleck in der Mitte
Nix mehr zu retten hier – ehrlich jetzt! Bildrechte: imago images/mhphoto

Die Rettung

  • Doch ein Kaiser*innenbrötchen zu viel gekauft? Schwamm drüber. Also Wasser, eigentlich. Ein angefeuchtetes Brötchen vom Vortag im Ofen oder auf dem Toaster wird schnell wieder knusprig.
  • Toasten ist sowieso eine gute Sache: Eine Schnitte, die nicht mehr so recht schmecken mag, kann getoastet mit festem Biss und frischem Aroma zeigen, was sie drauf hat.
  • Weitervewerten: Altes Brot im neuen Glanz heißt die Devise. Croutons für den Salat, Semmelknödel, Brotsuppe oder – ein Klassiker eben – Paniermehl. Das sollten nur die offensichtlichsten Ideen sein. Zu den ungewöhnlichen Dingen zählt die Geschäftsidee von Heldenbrot: Hier werden Brotreste zu Nudeln oder falafelartige Brotteile verarbeitet.

Das endgültige Ende

Sie kennen das vom Käse: Das Stück Hartkäse ist nicht verloren, auch wenn es schimmelt, sofern man sich großzügig von der Schimmelstelle trennt. Beim Brot ist das keine gute Idee. Aus gesundheitlichen Gründen müssen schimmelige Backwaren entsorgt werden. Sollte sich das Malheur in einem Brottopf oder dergleichen zugetragen haben, bitte auch das Behältnis gründlich säubern.

Und nicht verzagen: Ein gutes Brot dauert seine Zeit. Den richtigen Umgang zu erlernen, eben auch.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Brisant | 27. Oktober 2021 | 17:15 Uhr

2 Kommentare

MDR-Team vor 5 Wochen

@kleinfrontkaempfer,
für welche Bäcker(-Ketten) gelten die von Ihnen genannten Zahlen denn? Und wo können wir bzw. alle anderen Nutzer*innen das nachlesen?

kleinerfrontkaempfer vor 5 Wochen

So richtig sind die o.g. Angaben und Zahlen nicht nachvollziehbar.
Die Bäcker (besonders die Großbäcker) haben sich schon recht gut auf Rückläufer eingestellt. Da werden die Backwaren, also nicht nur Brot, sinnvoll weiterverwendet. 1/3 als Spende für Tafeln und ähnliche Organisationen, 1/3 Aufbereitung und nochmaliger Einsatz im Backprozeß, 1/3 Futterabgabe .

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