Dürremonitor Grundwasserspeicher in Mitteldeutschland füllen sich wieder

Seit Jahren sinken die Grundwasserstände, nicht nur in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, sondern in ganz Deutschland. Der Januar war zuletzt sehr regenreich, weshalb sich die Wasserspeicher langsam wieder erholen. Generell ist der Winter die Zeit, in der sich die Speicher füllen. Für eine Stabilisierung müsste das Jahr 2022 aber überdurchschnittlich feucht werden.

Bei der Begradigung der Unstrut wurden bis in die 80er Jahre Schleifen und Schlingen abgeschnitten. Die vom Fluss abgekoppelten toten Arme sind wertvolle Biotope, die in wasserarmen Zeiten zu vertrocknen drohen
Tote Nebenarme der Unstrut - in wasserarmen Jahren können sie austrocknen Bildrechte: MDR/Loréne Gensel

Die Grundwasserspeicher in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen füllen sich langsam wieder. Vor allem die Grundwasserkörper, die nah an der Oberfläche sind, haben sich zuletzt gut erholt, sagt Andreas Marx, Leiter des Deutschen Dürremonitors und des Mitteldeutschen Klimabüros am Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Bei Grundwasserspeichern, die tiefer in der Erde liegen, in 15 bis 20 Metern Tiefe hingegen werde die Erholung erst zeitverzögert einsetzen. Hier dauert es länger, bis der Regen die Speicher erreicht. "Das kann ein paar Monate oder ein, zwei Jahre dauern", sagt Marx.

Der Januar war demnach in Sachsen und Thüringen sehr feucht, in Thüringen sogar zu nass. In Sachsen-Anhalt hingegen sei es nördlich von Halle zu trocken gewesen. Auch wenn der Normalbereich in weiten Teilen wieder erreicht ist, müsste das Jahr 2022 für eine Stabilisierung der Lage ein nasses Jahr mit überdurchschnittlich viel Regen werden, sagte Marx. "Leichter Niederschlag bei nicht gefrorenem Boden und 5 bis 6 Grad ist für das Grundwasser in den nächsten zwei, drei Monaten wünschenswert."

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Stärkste Rückgänge zwischen 2018 und 2020

In der langfristigen Entwicklung der Grundwasserspeicher lässt sich damit quasi eine Trendwende erkennen. Denn seit dem Hochwasser im Jahr 2013 sind die Grundwasserstände gesunken, sagt Marx. 2018 habe sich das nochmals beschleunigt. In dem Jahr sei auch die Dürre stärker in die Wahrnehmung gerückt. "Zu der Zeit hatten wir verdorrte Wiesen in Deutschland, was wir sonst nicht gewohnt sind", sagt Marx.

Von 2018 bis 2020 habe es dann die stärksten Rückgänge in den Grundwasserständen gegeben, vor allem dort, wo die Speicher relativ nah an der Oberfläche liegen. "2021 war ein Jahr ohne extreme Hitzewelle und mit leicht überdurchschnittlichen Niederschlägen", fasst Marx zusammen. Das habe zu einem Anstieg der Grundwasserstände geführt. "Die deutliche Erholung sieht man eigentlich jetzt erst in den letzten Monaten", sagt Marx.

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Im Winter werden Wasserspeicher aufgefüllt

Generell findet die Neubildung von Grundwasser im Winter statt, erklärt Marx. Im Sommer verdunste viel, das Wasser von Gewitterniederschlägen treffe zu schnell auf den Boden, laufe hauptsächlich oberflächlich ab und sickere nur wenig in den Boden ein.

Durch den Klimawandel gebe es im Winter immer weniger Frost und mehr Regen, erklärt Marx. Dadurch steige die Grundwasserneubildung im Winterhalbjahr. "Das ist sehr wichtig. Wir brauchen zukünftig mehr Wasser, weil wir in heißen Sommern künftig mehr Wasser verbrauchen werden", so Marx. Gleichzeitig sei es wichtig, Wege und Möglichkeiten zu finden, das zusätzliche Wasser aus dem Winter auch im Sommer nutzbar zu machen.

vde

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MDR (fvde)

1 Kommentar

wer auch immer vor 28 Wochen

Na irgendetwas Flüssiges muss ja die Grundwasserspeicher füllen.
Wenn schon kein Schnee kommt dann wenigstens Regen.
Bliebe der aus, wäre 2022 die Kacke am dampfen.

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