Paläontologie Neu entdeckter Dino: Meraxes Gigas, der kurzarmige Riesenfleischfresser

Wenn Sie mal gefragt werden: Wie heißt der Saurier mit den winzigen Armen und dem gewaltigen Schädel? Dann fragen Sie zurück: Welchen meinen Sie, Meraxes Gigas oder Tyrannosaurus Rex? Meraxes ist nämlich eine neu entdeckte Art. Eine Forschungsgruppe aus Argentinien hat sie gefunden und liefert Erklärungsansätze auf die Frage: Was hat es mit den seltsamen Stummel-Ärmchen von T. Rex und Meraxes Gigas auf sich.

Meraxes gigans
Meraxes Gigas: So könnten die Dinos aus der Kreidezeit ausgesehen haben Bildrechte: Jorge A. Gonzalez

Sie haben zwar beide große Köpfe, scharfe Zähne und kurze Arme, aber verwandt sind sie nicht miteinander: Tyrannosaurus Rex und der kürzlich entdeckte Saurier Meraxes Gigas. Eine argentinische Forschungsgruppe hatte Reste eines solchen Exemplars im Norden Patagoniens entdeckt und beschrieben.

Der Schein trügt: Meraxes nicht verwandt mit T. Rex

Forscher Juan Canale, Studienautor und Paläontologe am Ernesto Bachmann Paleontological Museum in Neuquén in Argentinien verrät, warum die beiden nicht miteinander verwandt sind und sich auch die kurzen Ärmchen nicht vererbt haben können: Sie stammen zum einen aus komplett verschiedenen Evolutionszweigen der Saurier-Arten. Und zum anderen war Meraxes Gigas schon 20 Millionen Jahre ausgestorben, bevor Tyrannosaurus Rex überhaupt auftrat.

Rennender Saurier, Typ Meraxis, mit aufgerissenem Maul
So könnte er ausgesehen haben: Meraxes Gigas Bildrechte: Carlos Papolio

Aber Dino, warum hast du so entsetzlich kleine Arme?

Aber was hat es eigentlich mit den überproportional kleinen Armen der beiden Sauriertypen auf sich? Forscher Canale geht davon aus, dass die Ärmchen keine Zufallslaune der Natur waren, sondern vielleicht einen Überlebensvorteil sicherten: "Die verhältnismäßig kleinen Arme hatten sicher eine Funktion", ist sich Forscher Juan Canale sicher. Das untersuchte Skelett zeigt große Muskelansätze und voll entwickelte Brustgürtel. Man könne also davon ausgehen, dass der Arm starke Muskeln hatte, und nicht, dass die Arme geschrumpft waren, weil sie nutzlos waren, führt Forscher Canale aus.

Nur wozu waren nun diese Ärmchen gut? Das ist die weit schwierigere Frage, sagt der Wissenschaftler. Aus früheren Untersuchungen wissen Canale und sein Team, dass Schädel- und Armgröße miteinander korrelieren, je größer der Schädel, um so winziger die Arme, die nicht für die Jagd benutzt wurden, weil das der Schädel übernahm. "Sie könnten die Arme bei der Fortpflanzung benutzt haben, etwa um das Weibchen während der Paarung zu halten oder um sich nach einem Bruch oder Sturz wieder aufzurichten", fügt Canale hinzu. (Da denkt man doch gleich an die Froschweibchen, die das stürmische Umklammern eines oder mehrerer Frösche beim Liebesspiel im Wasser oftmals nicht überleben, heute genauso wie vor 45 Millionen Jahren auch schon. Nur dass diese Gattung eben nicht ausgestorben ist.)

Sie könnten die Arme bei der Fortpflanzung benutzt haben.

Juan Canale, Paläontologe, Ernesto Bachmann Paleontological Museum
Menschen trnasportieren etwas in Gips
Eingegipst überstehen die Meraxes-Fossilien den Transport sicher Bildrechte: S. Apestugeu

Doch zurück zu den Meraxes-Dinos: Was ließ sich denn noch aus dem Fund im Norden Patagoniens ablesen? Die Fossilien des Exemplars, die dort gefunden wurden, verraten: Dieser Meraxes-Dino war 45 Jahre alt, etwa elf Meter lang und wog mehr als vier Tonnen. Die Forscher wissen außerdem, dass Meraxes-Dinos sich stark entwickelten, dass es kurz vor ihrem Aussterben einen Höhepunkt der Vielfalt gab. Aus Kämmen, Furchen, Höckern und kleinen Hörnchen am Schädel könnte man schließen, dass diese Verzierungen dazu dienten, anziehend auf Sexualpartner zu wirken, denn sie traten erst bei erwachsenen Tieren auf.

Und vielleicht nicht bei den allerersten Exemplaren der Meraxes-Dinos, sondern erst im Laufe der Entwicklung. Forscher Canale erkärt das: "Die sexuelle Selektion ist eine starke evolutionäre Kraft." Allerdings ist das nur eine Vermutung, sagt der Forscher, sicher sein könne man nicht, da man Entwicklung und Verhalten der Dinos nicht mehr beobachten kann.

Meraxes Ausgrabungsstätte
Im Norden Patagoniens wurden die Dinoreste gefunden Bildrechte: Juan I Canale

Links/Studien

Die Studienarbeit der argentinischen Forschungsgruppe wurde im Fachmagazin Current biology veröffentlicht. Sie können Sie hier im Original lesen.

lfw

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