Historische Jahrestage, Jubiläen, Ereignisse #blickzurück: 22. April

Schmähgedicht über Erdogan: Merkel räumt Fehler ein

In einem Schmähgedicht Ende März 2016 betitelt der Satiriker und Fernsehmoderator Jan Böhmermann in der ZDF-Show "Neo Magazin Royale" den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan als "sackdoof, feige und verklemmt". Das Gedicht wird zum Politikum. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert Böhmermanns Gedicht in einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu als "bewusst verletzend". Allerdings sei die Freiheit der Kunst und die Pressefreiheit nicht verhandelbar. Am 22. April räumt die Kanzlerin dann öffentlich einen Fehler im Umgang mit der Böhmermann-Affäre ein. Sie ärgere sich darüber, dass sie das Gedicht als "bewusst verletzend" bezeichnet habe, sagt sie in der Pressekonferenz. Allerdings blieb Merkel bei ihrer Entscheidung, dass die Staatsanwaltschaft auf Grundlage von Paragraf 103 des Strafgesetzbuchs gegen Böhmermann ermitteln dürfe. Das Hamburger Landesgericht untersagte in einem Urteil Ende 2016 die von Böhmermann vorgetragen Satire. Der ZDF-Moderator legte Beschwerde ein. Das Gedicht sei von der Kunstfreiheit gedeckt. Doch die Klage wird im Juli 2019 vom Bundesgerichtshof zurück gewiesen. 2019 zieht Böhmermann vor das Bundesverfassungsgericht. Bislang ist das Verfahren anhängig.

Jan Böhmermann
Fernsehmoderator und Satiriker Jan Böhmermann. Bildrechte: IMAGO

DDR eröffnet Antarktisstation

Schon seit 1959 schickt die DDR Wissenschaftler in die Antarktis. 1974, noch fünf Jahre vor der BRD, tritt die DDR dem Antarktisvertrag bei, der eine friedliche Nutzung des Kontinents regelt. Das war der Startschuss für die Errichtung einer dauerhaft besetzten Forschungsstation. Diese wird 1976 eröffnet und bekommt Ender der 80er Jahre den Namen Georg-Forster-Station. Durch die Arbeiten auf der Station sollen die wissenschaftlichen Erfolge der Republik, vor allem auf dem Gebiet der Ozonforschung, internationale Anerkennung bekommen. Jährlich überwintern acht bis zwölf DDR-Wissenschaftler in der Station und forschen täglich bei bis zu Minus 40 Grad. Nach der Wiedervereinigung wird im Februar 1993 die Arbeit auf der Station eingestellt.

Unser Mann im Eis 45 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die DDR gründet ihr eigenes Olympisches Komitee

Am 22. April 1951 wird im Berliner Roten Rathaus das Nationale Olympische Komitee für DDR gegründet. Allerdings wird dieses nicht vom Intenationalen Olympischen Komitee (IOC) anerkannt. Der Grund: Die BRD war der DDR bereits im September 1949 mit der Gründung eines eigenen Sport-Ausschusses zuvorgekommen. 1955 wird die DDR - unter großen Protesten der Bundesrepublik - provisorisch ins IOC aufgenommen. Die damalige Bedingung für die Aufnahme lautete: Zu den Olympischen Spielen 1956 sollte eine gemeinsame deutsche Mannschaft fahren. Doch das klappte nicht reibungsfrei. Es gab Streit wegen der Hymne. Zu den Olympischen Sommerspielen 1960 in Rom wollten beide deutschen Staaten ihre eigene Flagge hissen. Das IOC musste schlichten, man einigte sich auf ein gemeinsames Emblem: die olympischen Ringe auf Schwarz-Rot-Gold.

Das Konzentrationslager Sachsenhausen wird befreit

Am 22. April 1945 stoßen sowjetische Soldaten auf ihrem Weg nach Berlin auf das Konzentrationslager Sachsenhausen. Dort treffen sie auf rund 3.000 völlig entkräftete Menschen. Diese werden durch die Soldaten mit Medikamenten, Lebensmitteln und Kleidung versorgt. Doch viele der Häftlinge sind zu geschwächt oder zu krank. Für sie kommt die Hilfe zu spät. Zwei Tage zuvor, in der Nacht vom 20. auf den 21. April hatte die SS-Kommandantur das Lager auf Grund der nahenden sowjetischen Truppen geräumt. Es sollten keine Spuren mehr von den Verbrechen in den Lagern auffindbar sein. Mehr als 30.000 Gefangene werden so auf Todesmärsche Richtung Norden geschickt. Wer zu schwach ist, um das Lager zu verlassen, wird an Ort und Stelle von der SS erschossen.

Vorschaubild Video Sachsenhausen 7 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK