"Inspiration Handwerk" im Japanischen Palais Ausstellung in Dresden zeigt Schönheit und Geschichte des Handwerks

Welchen Wert hat das mit der Hand gefertigte Werk in unserer schnellen, digitalen Welt? Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden widmen dem Handwerk eine eigene Sonderausstellung – "Inspiration Handwerk" – und versammeln dafür kunstvolle historische Exponate aus den eigenen Beständen und zeitgenössisches Handwerk. Im Japanischen Palais sind u.a. wunderschöne Kunstblumen, die Geschichte des Blaudrucks und faszinierende Videoinstallationen zum handwerklichen Prozess zu sehen, die sichtbar machen, wie nah Handwerk und Kunst beieinander liegen.

Ausstellung Inspiration Handwerk 4 min
Bildrechte: SKD/Alexander Peitz

Der Auftakt ist betörend schön, denn ein farbenprächtiger Blütenregen empfängt den Besucher im Obergeschoss des Japanischen Palais. Bei der Installation von Theresa Rothe hängen aus einem Wolkenähnlichen Gebilde tausende Kunstblumen herab. Wobei der Begriff irreführend ist, denn selbst wenn man an sich kein Fan dieser Nachbildungen ist, sieht man diesen hier die große Kunstfertigkeit an, mit der sie nach dem Vorbild der Natur handgefertigt wurden. Sie stammen aus der Kunstblumenmanufaktur Steyer in Wallroda nahe Dresden, die Heide und Gerald Steyer in diesem Jahr, nachdem sie 50 Jahre lang die Couturiers in Paris beliefert haben, schließen mussten. Die beiden freuen sich, "dass unsere Sachen als Kunst gewürdigt werden, während wir immer nur die Produktion gesehen haben, deswegen ist es doch sehr schön, als Abschluss zu sehen, was hier aus unseren Blumen gemacht worden ist".

Ausstellung Inspiration Handwerk
Installation von Theresa Rothe aus Kunstblumen der Manufaktur Steyer Bildrechte: SKD/Alexander Peitz

Etwas weniger exotisch erscheinen die anderen Gewerke, denen ebenfalls ein Ausstellungsraum gewidmet ist: die Weberei, der Blaudruck und die Maßschuhmacherei. Mit einer Forschungsreise durch diverse Depots der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wurden Exponate aufgespürt, mit denen sich diese Themen vielgestaltig inszenieren lassen: Der Blaudruck bspw. wird als Modeerscheinung, aber auch mit seiner kolonialistischen Vergangenheit beleuchtet, erklärt Generaldirektorin Marion Ackermann und legt ein weiteres Augenmerk auf die Schuhmacherei: "Wir haben ja in der Rüstkammer eine der größten Schuhsammlungen der Welt, von Napoleon bis Kant. Und zugleich ist es ein Rückbezug auf das vielleicht etwas vergessene Handwerk des Schuhemachens und die Qualitäten, die eben damit verbunden sind."

Videoinstallationen als Liebeserklärung ans Handwerk

Tatsächlich inspirierend wird die Ausstellung durch die audiovisuellen Installationen von Donata Wenders. Sie hat traditionellen Handwerkern, wie den Steyers auf die Hände geschaut. Dabei lenkt die Künstlerin den Blick auf den Rhythmus der Arbeit, auf das Material und weckt so – mit ästhetisch eindrücklichen Bildern – eine große Neugier auf diese zum Teil bedrohten Techniken. Wenders habe dabei besonders die Beziehung zwischen Mensch und Material interessiert: "Wir können von Handwerkern und Handwerkerinnen lernen, wie man den Bezug zur Umwelt liebevoll aufnehmen kann, indem ich etwas kennen lerne und wirklich in Beziehung trete."

Ausstellung Inspiration Handwerk
Auch den Blaudruck hat sich Donata Wenders in ihren Installationen näher angeschaut. Bildrechte: SKD/Alexander Peitz

Wie viel Kunst steckt im Handwerk und umgekehrt?

Mit dem Verhältnis von Kunst, Kunsthandwerk und Handwerk beschäftigt sich ein weiterer Raum, die so genannte zeitgenössische Kunstkammer. In den Vitrinen präsentieren sich gleichberechtigt historische Bucheinbände, Leinenstickereien und Taschenuhren neben Arbeiten von Auguste Rodin und Peter Makolies. "In jeder Kunst steckt Handwerk und in jedem Handwerk steckt irgendwie auch Kunst", resümiert Kuratorin Noura Dirani. "Seit Kurfürst August I. wurden ja Kunsthandwerk, bildende Kunst und wissenschaftliches Geräte gemeinsam gesammelt, das wurde gar nicht so streng getrennt, und zu diesem Ursprung gehen wir mit dieser Ausstellung zurück."

Vom handwerklichen Geschick Kurfürst Augusts kann man sich übrigens auch überzeugen, denn zwei seiner eigenhändig gedrechselten Elfenbeinarbeiten werden gezeigt, allerdings nicht im Original, sondern inspiriert davon, als 3D-Druck.

Informationen zur Ausstellung "Inspiration Handwerk"
vom 5. September 2020 bis 21. Februar 2021

Japanisches Palais
Palaisplatz 11
01097 Dresden

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr

Mehr Ausstellungen in Dresden

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. September 2020 | 07:10 Uhr