Inselbühne Leipzig: «Die Banditen oder Die Mauer muß weg»
Spielen mit: Michael Hinze, Carolin Masur, Armin Zarbock, Benjamin Mahns-Mardy, Lissa Meybohm, Maria Hinze (v.l.n.r.) Bildrechte: Karsten Kriesel

Auf der Leipziger Moritzbastei "Die Banditen oder Die Mauer muß weg": herrlich albernes Sommertheater

Die Leipziger Inselbühne zieht in ihrem Sommertheater die Förderansätze in der freien Theaterszene durch den Kakao: Jacques Offenbachs "Banditen" müssen dafür genau so herhalten wie das Wendejubiläum. Dieses herrlich alberne Stück hat das Zeug, in den kommenden Wochen zum Hit zu werden, urteilt unser Kritiker.

von Wolfgang Schilling, MDR KULTUR

Inselbühne Leipzig: «Die Banditen oder Die Mauer muß weg»
Spielen mit: Michael Hinze, Carolin Masur, Armin Zarbock, Benjamin Mahns-Mardy, Lissa Meybohm, Maria Hinze (v.l.n.r.) Bildrechte: Karsten Kriesel

Die Inselbühne gibt immer volle Pulle – auch, wenn das finanzielle Glas bei einer solchen, dem freien Theater zuzuordnenden Truppe meist ziemlich leer ist. Bei der Beantragung öffentlicher Fördermittel muss sie sich mitunter wohl auch den verrücktesten und von Jubiläen getriebenen Begründungen bedienen. Womit wir schon bei der Stückidee wären: Eine fiktive mitteldeutsche Operettenbühne versucht sich mit Offenbachs "Banditen" im Offenbachjahr 2019 einen finanziellen Vorteil zu erspielen.

Leider geht dieser Plan aber nicht auf: Sie hätten, gerade in Leipzig, lieber auf Clara Schumann setzen sollen. Doch wie will man mit deren tragischem Leben witziges Sommertheater machen? Außerdem hat man schon die Kostüme anfertigen lassen und jede Menge Räuberpistolen und falsche Bärte für das Banditenspiel gekauft. Nun werden Fördermittel gekürzt, der Impressario muss die Gagen zusammenstreichen. Die Truppe meutert, macht aber mangels Alternativen weiter mit. Und die Alternative, um das Ganze zu retten heißt: Wir müssen den Mauerfall und die friedliche Revolution mit reinnehmen ins Spiel. Denn aus diesem Fördertopf gibt es noch Mittel.

Finanzielle Zwänge machen kreativ

Wer weiß, inwieweit das wahre Leben bei dieser Story von Volker Insel die Feder geführt hat. Sie hat jedenfalls den Vorteil, so schön verrückt zu sein, dass man sich nicht um eine ganz schlüssige Dramaturgie kümmern muss, sondern wild drauflos spielen kann. Am besten wie die Teufel, dann klappt es am Ende schon mit der Unterhaltung. So ungefähr sah es wohl aus, das Rezept für die jüngste Inselbühnen-Produktion, bei der der namensgebende Chef der freien aber hochprofessionellen Truppe, Volker Insel, natürlich auch als Regisseur wieder in voller Verantwortung steht.

Auf dem Besetzungszettel des originalen Stücks von Jacques Offenbach stehen 25 Rollen. Die Inselbühne geht mit gerade mal sechs Personen ins Rennen, die im ersten Teil bis zur Pause eine herrliche Räuberpistole erzählen. Sprich, sie verkürzen den Offenbach aufs personell machbare und spielen und singen augenzwinkernd-parodierend schlechtes Musik-Theater. Das aber vom Feinsten - diese Operettenparodie funktioniert.

Offenbach und der Mauerfall

Mitten hinein in dieses Operettenprogramm stößt dann noch die Friedliche Revolution. Nach der Pause geht’s um den Fördertopf "Demokratie und Revolution", der Theaterspaß bekommt nun noch mehr Drive. Das Ensemble zieht mit "Wind of Change" auf den Lippen ein, pfeift sich eins auf Offenbachs Kompositionen und verlegt dessen Banditenhandlung von der italienisch-spanischen Grenze an die deutsch-deutsche Grenze im Jahr 1989: in die HO-Gaststätte zum fröhlichen Grenzverkehr.

Hier geht die Post richtig ab. Auch musikalisch, denn Maria und Michael Hinze liefern als musikalische Leitung immer neue Medleys aus den Bereichen Schlager und Pop. Armin Zarbock, der einzig besetzte richtige Schauspieler, versucht als Spielführer Heribert Fritzschen den singenden Kollegen Carolin Masur, Lissa Meybohm und Benjamin Mahns-Mardy zu zeigen, wo der schauspielerische Hammer hängt.

Potenzial zum Hit

Wenn die Temperaturen auf dem Thermometer in den nächsten Tagen wieder steigen, wird auch diese Inselbühnen-Produktion ganz schnell auf die Betriebstemperatur kommen, die sie braucht, um zum gefeierten Hit des Leipziger Theatersommers zu werden. Das Potenzial hat man auch bei der von Sturmböen und gefühlt unter Null fallenden Temperaturen der Premiere deutlich erkannt: coole Idee mit jeder Menge heißer Luft nach oben.

MB-Schriftzug
Das Stück wird in der Moritzbastei Leipzig aufgeführt. Bildrechte: T. Reitler

Informationen zum Stück Inselbühne Leipzig: "Die Banditen oder Die Mauer muß weg"

Vorstellungen jeweils um 20 Uhr am 8., 9., 13., 14., 16., 17., 18., 19., 20., 23., 25., 26., 27., 28. Juli 2019

Moritzbastei, Kurt-Masur-Platz 1, 04109 Leipzig

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. Juli 2019 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juli 2019, 13:36 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR