Neu im Kino "Becoming Black": Alltagsrassismus in der DDR

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

Ines Johnson-Spain wuchs als schwarzes Kind in einer weißen Familie in der DDR auf, ihre wirkliche Biografie wurde ihr verschwiegen. In ihrem Film deckt sie ihre eigene Geschichte auf. Sie zeigt, dass Rassismus auch in der sich internationalistisch gebenden DDR eine Rolle spielte und bis heute fortwirkt.

artour - Becoming Black
Ines Johnson-Spain Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Leser der hervorragenden DDR-Modezeitschrift "Sybille" kannten das schöne Gesicht von Ines, einem schwarzen Modell. In "Becoming Black", einem sehr sehenswerten Dokumentarfilm, erzählt Ines Johnson-Spain ihre unglaubliche Geschichte.

Das große Schweigen

Sie wuchs in den 60er-Jahren in einer weißen Familie auf. Niemand erklärte dem Kind, warum sie eine andere Hautfarbe hat, das sei eben eine genetische Besonderheit. Eine Zeit lang lebt sie in einem Kinderheim. Die Wahrheit über den Seitensprung der Mutter erfährt sie zufällig und findet die Ursachen für ihre doppelte Stigmatisierung.

Im Film geht Johnson-Spain ihrer Vergangenheit nach, sie verbindet geschickt ihre persönlichen Erfahrungen der Ausgrenzung mit einer Innenansicht noch immer geltender gesellschaftlicher und familiärer Tabus. Ruhig und sehr präzise stellt die Regisseurin die notwendigen Fragen, nimmt uns auf eine nahezu therapeutischen Reise zu ihrer eigenen Identität mit, die bis zu den neu gewonnenen Verwandten nach Afrika führt. Sie lädt auf stille, eindringliche Weise zu einem dringend notwendigen Dialog über den Alltagsrassismus damals und heute ein.

Genre: Dokumentation
Regie: Ines Johnson-Spain
Besetzung: Ines Johnson-Spain
Im deutschen Kino ab: 01.10.2020
Produktionsland: Deutschland
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆ (4 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. Oktober 2020 | 08:10 Uhr

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