Autorin Simone Buchholz
Stefan Maelck findet, die Krimis von Simone Buchholz zu lesen, das mache glücklich, auch wenn die eher triste Gefühlslage der Protagonistin, Staatsanwältin Chastity Riley, sich auch mit "Beton Rouge" nicht wegschminken lässt. Bildrechte: dpa

Stefan Maelck stellt den neuen Buchholz-Krimi vor "Beton Rouge" ist keine Schminke

Auf nach Hamburg, nicht zum Weihnachtsmarkt, sondern nach Altona und an den Hafen. Dort passieren eigenartige Dinge. Wie immer in den Krimis von Simone Buchholz, der neueste trägt den schönen Titel "Beton Rouge".

von Stefan Maelck

Autorin Simone Buchholz
Stefan Maelck findet, die Krimis von Simone Buchholz zu lesen, das mache glücklich, auch wenn die eher triste Gefühlslage der Protagonistin, Staatsanwältin Chastity Riley, sich auch mit "Beton Rouge" nicht wegschminken lässt. Bildrechte: dpa

Simone Buchholz ist die coolste Krimi-Autorin Deutschlands - das steht fest. Ermitteln lässt sie in Hamburg, ob das die coolste Stadt Deutschlands ist, darüber kann man streiten. Vom Wetter dort lässt sich Buchholz jedenfalls nicht abschrecken, sie ist sogar wegen des Wetters nach Hamburg gezogen, sagt sie. Simone Buchholz hat also Humor, worauf auch der Titel ihres neuen Krimis schließen lässt: "Beton Rouge", bereits der siebte Fall mit Staatsanwältin Chastity Riley. Schauplatz ist zunächst der Hamburger Hafen, dort ereignet sich ein Unfall mit Fahrerflucht. Aber das ist nur der ganz große Bogen der Geschichte. Denn der eigentliche Fall beginnt mit einem ominösen Käfig vor einem Hamburger Verlagshaus:

Der Käfig ist aus schwarzem Metall. Er hat dicke, äußerst robust wirkende Stäbe und ist nicht besonders groß. Gerade groß genug, dass ein erwachsener Mann reingeht, wenn man ihn einmal in der Mitte zusammenklappt.

Aus: Simone Buchholz' "Beton Rouge"

Was macht der Personlchef nackt im Käfig?

Der zusammengeklappte Mann ist darüber hinaus bewusstlos und sein Körper weist die Spuren einer Misshandlung auf. Bis Riley vor dem Verlagshaus Mohn & Wolff bei dem Käfig eintrifft, haben schon jede Menge Mitarbeiter den Käfig passiert. Doch statt zu helfen, haben sie den Mann angespuckt, der Tobias Rösch heißt und Chef der Personalabteilung ist. Kein Sympathieträger. Im Gegensatz zum neuen Kollegen der Staatsanwältin: Ivo Stepovich vom LKA 44 von der "funky Spezialistentruppe", wie Riley sinniert.

Die 44er sind zuständig für Juwelenraub und Banküberfälle, für Geiselnahmen und Erpressungen im großen Stil, aber auch immer, wenn etwas anliegt, das erstmal nicht so richtig eingeordnet werden kann. Sowas wie ein nackter Mann in einem Käfig. Und vielleicht auch sowas wie ich.

Staatsanwältin Chastity Riley in "Beton Rouge"
Simone Buchholz: Beton Rouge
Der siebte Krimi mit Staatsanwältin Chastity Riley Bildrechte: Suhrkamp Nova

Die beiden neuen Partner beschnuppern sich. Und als ein zweiter Käfig vor dem Verlag auftaucht kommen zu Rösch noch zwei weitere Unsympathen dazu, um die sich die Ermittler kümmern müssen: Leonard Bohnsen, Verlagsgeschäftsführer für den Bereich Zeitschriften und zweites Opfer und Robert Grabowski, Betriebsratsvorsitzender, der der Meinung ist, dass die Manager des Hauses über Jahre "Entwicklungen verpennt und falsche Entscheidungen getroffen" haben. Was nach Medienkritik klingt, ist weit mehr. Chastity hangelt sich mit Ivo durch die Büroetagen der Arroganz und findet raus: Rösch und Bohnsen sind zusammen zur Schule gegangen. Der dritte, mit dem sie einst das Internat terrorisierten, heißt Sebastian Schmidt und ist - Überraschung: Vorstandsvorsitzender bei Mohn & Wolff. Die Spur führt also in die Vergangenheit ...

Ansonsten: Die Möwen fliegen tief, die Tür zur Stammkneipe "Blaue Nacht" ist angelehnt, die Tür zum Betreiber jedoch fast geschlossen, Beziehungsprobleme allerorten, viel doppelter Boden und doppelte Schnäpse. Die Brutalität der Verbrechen ist bei Simone Buchholz immer subtil verkleidet. Selten wird es konkret, blutrünstig und gewalttätig, Simone Buchholz stellt ihre Protagonisten lieber an Tresen, um sich in Gesprächen und mit viel Alkohol von den gesehenen Gewalttaten zu erholen. Und natürlich wimmelt es darin wieder vor Lebensweisheiten wie: "Wer früh trinkt, hat früh einen Kater." Simone Buchholz’ Krimis könnte man also auch in die Ratgeberecke stellen. Glücklich machen sie, auch wenn Protagonistin Riley meistens nicht verstecken kann, dass sie unglücklich ist. Ihre Gefühlslage lässt sich nicht wegschminken, auch nicht mit "Beton Rouge". Und wenn dann am Ende auch noch die "Kopfschuss-Mucke" von Bill Callahan läuft, dann möchte man weinen und lachen zugleich und Chastity Riley mindestens auf ein Bier einladen.

 

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. Dezember 2017 | 13:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Dezember 2017, 15:18 Uhr

Simone Buchholz im Gespräch

Buch- & Hörbuchtipp Simone Buchholz: Beton Rouge

Simone Buchholz: Beton Rouge

Suhrkamp, 227 Seiten
ISBN: 978-3-518-46785-5

Erschienen ist auch eine Hörbuchfassung - Gelesen von Sandra Borgmann, Auchim Buch, Gustav peter Wöhler
Osterwold Audio, 5 CDs

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