Preisgekrönt Drei Bücher von Margaret Atwood, die man unbedingt lesen sollte

Die kanadische Autorin Margaret Atwood bekommt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Diese drei Bücher der beeindruckenden Schriftstellerin möchten wir Ihnen besonders ans Herz legen.

The Handmaid's Tale – Der Report der Magd (1985)

Gerade ist in Deutschland die amerikanische Fernseh-Serie "The Handmaid's Tale" angelaufen und wird von der Kritik gefeiert. Bereits 1990 hatte Volker Schlöndorff den Stoff verfilmt. Der Roman von Margaret Atwood erschien 1985. Die Geschichte spielt im Amerika der nahen Zukunft nach der nuklearen Katastrophe. Die neugegründete Republik Gilead definiert die Rolle der Frau neu. Erzählt wird die Story von Desfred, einer der letzten fruchtbaren Frauen, die der Gesellschaft als Gebärmaschine zu dienen hat. Desfred soll dem Kommandanten ein Kind gebären, dessen Frau Serena Joy angeblich unfruchtbar ist.

Als auch Desfred nicht schwanger wird, vermutet Serena Joy, dass es möglicherweise am Kommandanten liegt und organisiert ein Stelldichein mit Nick, dem Fahrer des Kommandanten. Die beiden beginnen eine illegale heimliche Beziehung, Desfred wird schwanger und später von der Polizei Gileads abgeholt. Desfred vermutet, dass Nick ein Geheimagent des Systems ist und sie verraten hat. Nick jedoch beruhigt Desfred, die Polizisten seien Mitglieder der geheimen Widerstandsbewegung Mayday, die Desfred nach Kanada schmuggeln werde, wo Gilead sie nicht mehr erreichen könne. Mit diesem Roman über einen totalitären Staat hatte Atwood die Nachfolge ihrer Helden Huxley und Orwell angetreten. Die US-amerikanische Musikerin Ricky Lee Jones hat die fiktive Republik Gilead später für ihr Album "Balm in Gilead" benutzt.

The Blind Assassin – Der blinde Mörder (2000)

Für diesen Roman bekam Margaret Atwood den Booker Prize. Der Roman erzählt die Geschichte der Industriellentöchter Laura und Iris Chase, die im Ontario vor dem Zweiten Weltkrieg aufwachen. Der Vater schirmt sie ab von der Außenwelt und beschneidet ihre Lebensfähigkeit in der Realität. Die weltfremde Laura verliebt sich in den Kommunisten Alex Thomas. Der ist angeblich verantwortlich für die Brandstiftung an der Fabrik der Chases. Auch Iris ist Alex wohlgesonnen.

Als der Vater Iris in eine Ehe mit seinem wirtschaftlichen Konkurrenten zwingt, nimmt die Tragödie ihren Lauf. Der Vater stirbt, die Fabrik geht pleite, Alex geht in den Untergrund, Laura in die Nervenklinik, schließlich begeht sie Selbstmord. Iris erzählt die Geschichte als alte Frau ihrer Enkeltochter. Iris möchte am Ende ihres Lebens verstehen, warum ihr Leben so gelaufen ist. Außerdem möchte sie die Dämonen ihres Lebens nicht an die Enkelin weitergeben. Die andere Erzählperspektive ist die eines auktorialen Erzählers, der sich mit Iris abwechselt. Eine weitere Ebene ist eine Science-Fiction-Geschichte, die von Alex Thomas erfunden wird. In dieser geht es um die ewigen Themen von Margaret Atwood: Macht, Sex, Brutalität und Gier. Wegen der Struktur nicht der leichteste von Atwoods Romanen – aber spannend bis zur letzten Seite. 

Hag Seed – Hexensaat (2016)

In ihrem jüngsten Roman verneigt sich Margaret Atwood vor William Shakespeare. Sie erzählt die Geschichte von Felix, einem begnadeten Theatermacher und Star in der Szene. Felix’ Inszenierungen sind legendär - jetzt will er Shakespeares "Der Sturm" auf die Bühne bringen. Die Inszenierung soll ihm helfen, eine private Tragödie zu vergessen und ihn noch berühmter machen. Der Plan geht schief. Nach einer eiskalten Intrige seiner engsten Mitarbeiter zieht sich Felix zurück, verliert sich in Erinnerungen und sinnt auf Rache. Die Gelegenheit bietet sich zwölf Jahre später, als ein Zufall die Verräter in seine Nähe bringt.

In ihrem Roman schafft Margaret Atwood mit der Figur des Theaterdirektors Felix ein würdiges Pendant zu Shakespeares Prospero aus "Der Sturm", jenes Zauberers, der als ein Selbstporträt des alternden Barden aus Stratford-on-Avon gilt. Der Roman entstand im Rahmen des großen Shakespeare-Jubiläumsjahres 2016. Die Londoner Hogarth Press hatte englischsprachige Autoren eingeladen, ihr Lieblingsdrama von Shakespeare in einen zeitgenössischen Roman umzuschreiben. Stilistisch mal wieder ein Atwood-Meisterstück, das viel humorvoller ist als ihre Dystopien. Letztlich wird "Der Sturm" im Knast inszeniert und Atwood spart nicht mit bissigen Seitenhieben auf Theater-und Literaturbetrieb. Super Stoff auch für eine mögliche Verfilmung und natürlich für die Umsetzung im Theater.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Morgen | 13. Oktober 2017 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2017, 14:00 Uhr