Serienempfehlung "Hausen" – finstere Horrorserie von Leipziger Regisseur Thomas Stuber

Mit "In den Gängen" und "Herbert" hat der Leipziger Regisseur Thomas Stuber gemeinsam mit Clemens Meyer zwei sehr eindringliche Filme geschaffen. Jetzt hat Stuber für Sky die Horrorserie "Hausen" gedreht. Unsere Kritikerin ist überzeugt.

Serie Hausen 2 min
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Nach dem Film "In den Gängen" hat Regisseur Thomas Stuber eine Horrorserie gemacht. In "Hausen" spielt ein Lost Place die Hauptrolle und ein wenig DDR-Geschichte darf auch nicht fehlen.

Mi 21.10.2020 13:46Uhr 01:38 min

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Es ist absolutes Neuland für Regisseur Thomas Stuber. In zweierlei Hinsicht. Hausen ist seine erste Serie – und dann auch noch im Genre Horror: "Obwohl es natürlich viele Berührungspunkte für mich gibt aus meiner bisherigen Arbeit, was die Figuren oder die verschiedenen Lebensbereiche angeht, hat es natürlich mit dem Genre Mystery und Horror ein Element, das ich bisher noch nicht so bearbeitet habe," erklärt Stuber.

In "Hausen" bestimmt kein Supermarkt, sondern ein heruntergekommenes Hochhaus das Setting. Düster, dunkel, kalt und absolut verfallen. Ein Ort, an dem mysteriöse Dinge geschehen. Thomas Stuber schickt Charlie Hübner und Tristan Göbel als Vater-Sohn-Gespann in den Plattenbau am Rande einer namenlosen Stadt. Während der Ältere als Hausmeister versucht, Herr über das marode Haus zu werden, entdeckt der Jüngere, dass das Haus ein bösartiges Eigenleben hat und sich vom Leid seiner Bewohner ernährt.

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Charlie Hübner und Tristan Göbel ziehen als Vater-Sohn-Gespann in den Plattenbau ein. Bildrechte: Sky

Ein Lost Place übernimmt die Hauptrolle

Hausen vereint nicht nur geschickt Horrorelemente mit Drama und Märchen, sondern wird durch das düstere und klaustrophobische Setting im Hochhaus zu einem finsteren Kammerspiel, in dem ein besessener Plattenbau die eigentliche Hauptrolle spielt. "Wir wollten einen Lost Place erzählen", beschreibt Stuber den Ausgangspunkt. "Ich wollte, dass man das nicht richtig greifen kann. Die Leute sind irgendwie ostig, aber ich wollte nicht, dass man sagen kann, das ist jetzt Berlin oder Chemnitz."

Gedreht hat Stuber mit seinem Team im ehemaligen Regierungskrankenhaus der DDR in Berlin Buch, ein Ort gelebter Geschichte, der nicht typisch DDR, aber trotzdem sozialistisch angehaucht ist. Die Welt lässt Stuber nicht nur durch die Architektur des Hauses auferstehen, sondern vor allem auch durch die dichte, atmosphärische Spannung, die schon in den ersten Minuten entsteht. Stuber beschreibt: "Erst der Windzug, die dröhnende Atmo – ein Viertel von dem Ganzen ist der Ton!"

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Als Vorlage für das Gruselhochhaus diente das ehemalige Regierungskrankenhaus der DDR in Berlin Buch. Bildrechte: Sky

Die DDR spielt mit

Was "Hausen" allerdings mit seinen früheren Arbeiten gemeinsam hat: Auch hier schwingt die DDR-Erfahrung des Filmemachers mit, lässt sich als eine von vielen Meta-Ebenen aus der Serie herauskristallisieren: "Das ist so ein bisschen Postwende, mit der wir uns da beschäftigen. Das ist ja immer die Meta-Ebene, die bei mir mitspielt", erklärt Stuber. "Das große Haus, die Einsamkeit, die die ganzen Leute da betrifft – es ist wie ein Mikrokosmsos einer Stadt oder es könnte wie ein Land sein: Sie kommen alle da nicht raus."

Sprechende Wände, versteckte DDR-Vergangenheitsbewältigung und schauriger Horror. "Hausen" ist eine Serie, die definitiv die große Leinwand verdient hat.

Mehr Informationen zur Serie "Hausen"
Achtteilige Horrorserie
Ab 29. Oktober 2020 über Sky abrufbar

Regie: Thomas Stuber
Idee & Drehbuch: Till Kleinert und Anna Stoeva
Besetzung: Charly Hübner, Lilith Stangenberg, Alexander Scheer, Tristan Göbel, Daniel Sträßer und Constanze Becker

Programm-Tipp "Von Hunden und Pferden" (2011)
Thomas Stuber erzählt von Rolf, der versucht das Geld für die Hüftoperation seines Hundes auf der Leipziger Pferderennbahn zu gewinnen.
Im MDR-Fernsehen wird der Film am 24. Oktober, um 2 Uhr gezeigt. Anschließend ist er für 30 Tage in der Mediathek zu sehen.

 Matthias Brenner und Bernd Stempel (v.l.)
Matthias Brenner und Bernd Stempel (v.l.) Bildrechte: ARD Foto
MDR FERNSEHEN Sa, 24.10.2020 02:00 02:30
  • Mono
  • 16:9 Format
  • Schwarz/Weiß
  • Untertitel
  • VideoOnDemand

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Oktober 2020 | 12:40 Uhr

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