Jon Bryant
Der kanadische Musiker Jon Bryant Bildrechte: Carly Dame

Neues Album Einfach mal reinlegen: Jon Bryants "Cult Classics"

Wie soll man das nennen, was Jon Bryant uns bietet: 21th-Century-Grübel-Pop, Canadian Coast-Rock, Paradiesvogel-Gospel? MDR KULTUR-Musikkritiker Stefan Maelck findet, in Jon Bryants Musik könne man sich hineinkuscheln, ohne dass sie Kuschelrock wäre. "Cult Classics" nennt der Kanadier sein viertes Album, was nicht heißen soll, dass er jetzt schon größenwahnsinnig wäre. Eine Albumkritik.

von Stefan Maelck, MDR KULTUR-Musikkritiker

Jon Bryant
Der kanadische Musiker Jon Bryant Bildrechte: Carly Dame

Jon Bryant stammt aus Halifax, Nova Scotia, ist 33 und wohnt inzwischen in Vancouver, British Columbia. 2009 erschien Bryants Debüt "Two Coasts for Comfort", das für den kanadischen East Coats Music Award als Folkalbum des Jahres nominiert war. 2012 und 2016 folgten weitere in Kanada gefeierte Werke. Jetzt kommt Album Nummer Vier mit dem unbescheiden klingenden Titel "Cult Classics", der aber wohl eher auf die etymologische Bedeutung des Wortes Kult anspielt, im Sinne der Gesamtheit religiöser Handlungen. Wobei alles zum Kult werden kann, findet Jon Bryant, der auch gern philosophiert über das Menschsein, Leben und Tod:

"Das ist wohl die Sache mit Kulten. Es ist wie das Sterben im Schlaf. Du spürst es nicht. Du gleitest einfach hinüber in den Tod. Vielleicht passiert das schnell, mit Gehirnwäschetechniken, die sie benutzen, vielleicht später, wenn sie deine Lebenserfahrungen und alle Geheimnisse benutzen, um dich darin gefangen zu halten. Jeder hat eine Schwäche. Jedes Gehirn hat eine Anfälligkeit, umgestaltet und geformt zu werden."

"Ich bin sehr extrovertiert"

Jon Bryants Musik erinnert an Jeff Buckley, an Simon & Garfunkel aber auch an Radiohead. Man würde jetzt den typisch introvertierten Songwriter vermuten. Er selbst sieht sich anders: "Ich bin sehr extrovertiert. Ich habe kein Problem damit, mit jemanden zu sprechen. Ich gehe auf Fremde auf der Straße zu, sage einfach Hallo und nerve sie. Manchmal komme ich ihnen blöd, einfach zum Spaß für mein eigenes Vergnügen. Ich nehme aber auf jeden Fall meine Kunst überall mit hin. Ich denke, das ist es", meint er

Ich suche ständig nach Inspiration in jeder Begegnung mit Menschen, ob nun auf der Straße oder bei einer Familienfeier. Ich denke einfach immer an die nächste Kunst, den nächsten Song oder das nächste Stück Poesie, das ich schreibe.

Jon Bryant, Musiker

Wurzeln in Gospel und Jazz

Bryants Lieder passen in die Zeit, man könnte ihn sich auf Tour mit dem Briten Passenger oder dem Iren Hozier vorstellen – beide schreiben genau wie Bryant diese gefühligen sehnsuchtsvollen Songs, die sich beim traditionellen Folk genauso bedienen wie beim Gospel. Aufgewachsen ist Bryant in einem sehr musikalischen Zuhause mit drei Geschwistern, Klavieren und Gitarren.

Mein Vater war ein Gospelsänger. Wir sind also damit aufgewachsen, in der Kirche Gospelmusik zu singen. Ich habe ungefähr neun Jahre lang Klavierstunden genommen. In der Schule war ich auch in einer Jazz-Band. Meine musikalische Bandbreite war also von Anbeginn sehr groß.

Jon Bryant, Musiker

Musik, die "nie stören" soll

Wie soll man das nennen, was Jon Bryant uns bietet: 21th-Century-Grübel-Pop, Canadian Coast-Rock, Paradiesvogel-Gospel? In kanadischen Polizei-und Teenagerserien werden die Songs von Bryant gern verwendet,  das verschafft ihm Popularität. "Cult Classics" ist vor allem ein Album, in das man sich einkuscheln kann – ohne dass es Kuschelrock ist. Bryant empfindet das nicht als Beleidigung, sagt seine Musik sollte die Leute "nie stören":

Ich liebe schöne Musik und schöne Klänge.

Jon Bryant

"Du triffst es also auf den Punkt, wenn du sagst, dass meine Musik Menschen ins Bett legt. Das passiert hoffentlich auf die beste Art und Weise: Leute gehen ins Bett, um zu schlafen, um Sex zu haben oder was auch immer. Ich will den Leuten einfach eine Freude bereiten."

Cover Jon Bryant
Cover "Cult-Classic" Bildrechte: NETTWERK PRODUCTIONS

Angaben zum Album Jon Bryant: "Cult Classics"
Label: Nettwerk Productions

Das könnte Sie auch interessieren

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Mai 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2019, 04:00 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR