Jutta Hoffmann vor einem Studiomikrophon bei einer MDR Hörspielproduktion.
Jutta Hoffmann Bildrechte: MDR/ Marco Prosch

Klassikerlesung Hans Fallada: Kleiner Mann - was nun?

Mit "Kleiner Mann - was nun" gelang Hans Fallada der internationale Durchbruch. Sein Roman von 1932 über das Leben des kleinen Angestellten Pinneberg und seiner Frau "Lämmchen" in den schwierigen Jahren der Weltwirtschaftskrise traf genau den Nerv der Zeit. Jutta Hoffmann, die 1967 in einer Fernsehverfilmung das "Lämmchen" spielte, liest Falladas Meisterwerk in dieser Klassikerlesung.

Jutta Hoffmann vor einem Studiomikrophon bei einer MDR Hörspielproduktion.
Jutta Hoffmann Bildrechte: MDR/ Marco Prosch

"Kleiner Mann was nun" begründete Hans Falladas Ruf als "Anwalt der aller Ausgestoßenen". Der Roman, der im Sommer 1932 erschien, spielt zur Zeit der Weltwirtschaftskrise um 1930, jener Epoche, die geprägt war von Massenarbeitslosigkeit, Wohnungsnot, sozialem Elend und politischer Orientierungslosigkeit. Detailreich schildert Fallada das Schicksal des kleinen Angestellten Johannes Pinneberg und seiner Frau Emma, genannt "Lämmchen" und ihren Kampf ums Überleben.

Hans Fallada: Kleiner Mann - was nun?
Bildrechte: Der Audio Verlag

Pinneberg und "Lämmchen"

Das junge Paar hat kurzentschlossen geheiratet, nachdem sie erfahren haben, dass Lämmchen schwanger ist. Das Geld ist knapp, doch die frisch Verliebten haben keine großen Ansprüche.

'Ich möchte', sagt Pinneberg leise und drückt Lämmchens Hand, 'dass wir es ein bisschen hübsch hätten. Weißt du' - er versucht es zu schildern -, 'es müsste hell sein bei uns und weiße Gardinen und alles immer schrecklich sauber.'

Hans Fallada "Kleiner Mann - was nun?"

Das junge Paar lebt in der norddeutschen Kleinstadt Ducherow, wo Pinneberg beim Getreidehändler Kleindienst arbeitet. Kurz nach der Hochzeit wird er entlassen und kann in Ducherow keine neue Anstellung finden. Das Paar zieht nach Berlin, wo Pinnebergs Mutter ihrem Sohn eine Stelle als Verkäufer im Kaufhaus Mandel verschafft. Er verdient zwar wenig, doch noch unterscheidet er sich von dem Heer der Arbeitslosen, denen er im Kleinen Tiergarten begegnet.

Massen von Menschen sind da, grau in der Kleidung, fahl in den Gesichtern, Arbeitslose, die warten, sie wissen selbst nicht mehr auf was, denn wer wartet noch auf Arbeit –?

Hans Fallada "Kleiner Mann - was nun?"

Die Einführung einer Verkaufsquote im Kaufhaus führt zu Neid und Betrügereien unter den Angestellten. Als Pinneberg auch diese Stelle verliert, ist der soziale Abstieg nicht mehr aufzuhalten.

Und plötzlich begreift Pinneberg […], dass er draußen ist, dass er hier nicht mehr hergehört, dass man ihn zu Recht wegjagt: ausgerutscht, versunken, erledigt.

Hans Fallada "Kleiner Mann - was nun?"

Die Welt der Kleinbürger

Fast dokumentarisch schildert Hans Fallada die Welt des Kleinbürgertums. Als Quelle und Inspiration zu "Kleiner Mann - was nun?" diente ihm Siegfried Krakauers empirisch-soziologische Studie "Die Angestellten", eine scharfsinnigen Analyse des Berliner Alltagslebens um 1930. Die Welt, die Fallada beschreibt, kannte er auch aus eigener Erfahrung, finanzielle Not hatte er selbst erlebt. Vorbild für das Lämmchen war seine eigene Frau Anna Issel, die er 1928 kennenlernte, und die ihm Halt und Hoffnung gab.

Das Buch wurde von Publikum und Kritik begeistert aufgenommen. Es wurde millionenfach verkauft, in zwanzig Sprachen übersetzt und insgesamt drei Mal verfilmt. Jutta Hoffmann spielte das "Lämmchen" in der Fernsehverfilmung von 1967. Mit dieser Lesung kehrt die Schauspielerin literarisch zu ihren Anfängen zurück und liest Falladas zeitlosen Roman mit einem untrüglichen Gespür für komische wie auch für beklemmende Stimmungen. Den Studioaufnahmen sind temperamentvolle Livemitschnitte aus dem Fallada-Haus Carwitz und dem Brechtzentrum Berlin zur Seite gestellt.

Der Schriftsteller Hans Fallada

Rudolf Ditzen alias Hans Fallada wurde 1893 in Greifswald als Sohn eines Landrichters geboren. Er verließ das humanistische Gymnasium ohne einen Abschluss und absolvierte eine landwirtschaftliche Lehre.

Hans Fallada
Hans Fallada Bildrechte: dpa

Zwischen 1915 und 1925 arbeitete er als Rendant auf verschieden Gütern, als Hofinspektor und Buchhalter, zwischen 1928 und 1931 als Adressenschreiber, Annoncensammler und Verlagsangestellter.

Zu seinen bekanntesten Werken zählen neben "Kleiner Mann was nun" noch "Bauern, Bonzen und Bomben" (1931), "Wer einmal aus dem Blechnapf frißt" (1934) und "Wolf unter Wölfen"(1937). Sein letzter Roman "Jeder stirbt für sich allein" (1947) avancierte Jahrzehnte nach seinem Tod zum internationalen Bestseller. Hans Fallada starb 1947 in Berlin.

Die Schauspielerin Jutta Hoffmann

Jutta Hoffmann, 1941 in Ammendorf bei Halle geboren, zählt zu den beliebtesten und profiliertesten deutschen Bühnen- und Filmschauspielerinnen.

International bekannt wurde sie durch ihre Rolle der Leonore in Egon Günthers TV-Verfilmung des Arnold-Zweig-Romans "Junge Frau von 1914" (1969). Mit Egon Günther drehte sie auch Filme wie "Lotte in Weimar", "Die Schlüssel" und "Der Dritte", der ihr den Darstellerpreis der Filmfestspiele Venedig einbrachte. Ab 1979 machte sich "die Hoffmann" auch in der Bundesrepublik und in Österreich einen Namen, mit großem Erfolg arbeitete sie u. a. an Münchner, Hamburger und Salzburger Bühnen.

Jutta Hoffman liest 2007 "Kleiner Mann – was nun?"
Jutta Hoffman bei einer öffentlichen Lesung von "Kleiner Mann – was nun?", 2007 Bildrechte: MDR/Karsten Trepte

Für die Darstellung der Irene in dem Fernsehfilm "Ein Teil von uns" erhielt sie 2016 den Sonderpreis für herausragende Leistungen beim Fernsehfilmfestival Baden-Baden und 2017 den Ernst-Grimme-Preis in der Kategorie "Fiktion" sowie den "Deutscher Schauspielerpreis".

MDR KULTUR-Hörerinnen ist die Stimme von Jutta Hoffmann seit Jahren vertraut. In der "Lesezeit" war sie u.a. mit den Tagebüchern der Brigitte Reimann (2000), Helga Schütz' Roman "Sepia" (2013) und Weihnachtsgeschichten von Hans Fallada (2017) zu hören. Zusammen mit Thomas Thieme las Jutta Hoffmann den "Briefwechsel Gertrud Schleef - Einar Schleef" sowie das Moskauer Tagebuch und Briefe von Christa Wolf.

Angaben zur Sendung Die Klassikerlesung:
"Kleiner Mann - was nun"
Von Hans Fallada
(20 Folgen)

Sprecherin Jutta Hoffmann
Regie: Matthias Thalheim
Produktion: MDR 2005


Sendung:
03.04.-30.04.2018 | Mo-Fr | jeweils 15:10 Uhr

Sie können die einzelnen Folgen dieser Lesezeit hier ein Jahr lang hören und herunterladen. Eine Folge im Podcast enthält jeweils zwei Folgen der Radiosendung.

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Hans Fallada: Kleiner Mann - was nun?
Bildrechte: Der Audio Verlag

Hörbuchtipp

Hörbuchtipp

Hans Fallada: "Kleiner Mann- was nun?"
Lesung mit Jutta Hoffmann
1 mp3-CD Laufzeit: ca. 5 h 15 min
Der Audio Verlag 2018
ISBN: 978-3-7424-0428-2
10,00 Euro

Hans Fallada: Kleiner Mann - was nun?
Bildrechte: Aufbau Verlag

Buchtipp

Buchtipp

Hans Fallada: "Kleiner Mann- was nun?"
Gebundene Ausgabe: 557 Seiten
Aufbau Verlag 2016
ISBN-13: 978-3351036416
22,95 Euro

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