Das Moka Efti Filmorchestra Babylon Berlin
"Zu Asche, zu Staub" mit diesem Titel macht Severija in "Berlin Babylon" Furore. Bildrechte: imago/Photopress Müller

Bekannt aus "Babylon Berlin" Aus "Babylon Berlin" in die Clubs: Das Moka Efti Orchestra bringt sie alle zum Tanzen

Das Moka Efti Orchestra funktioniert nicht nur am Filmset von "Babylon Berlin", die Vollblut-Musiker um Sängerin Severija erobern gerade die Clubs der Republik. Wir haben die drei Chefs getroffen, bevor die Band am Donnerstag die Kulturarena in Jena zum Tanzen bringen will. Dabei hat sie mehr als den Soundtrack zur Serie zu bieten.

von Max Enderling, MDR KULTUR

Das Moka Efti Filmorchestra Babylon Berlin
"Zu Asche, zu Staub" mit diesem Titel macht Severija in "Berlin Babylon" Furore. Bildrechte: imago/Photopress Müller

Der Saal schwitzt und pulsiert. Es herrscht eine ähnliche Stimmung wie bei der großen Tanzszene zu Beginn der ARD-Serie "Babylon Berlin". Das Moka Efti Orchestra funktioniert nicht nur am Filmset, aktuell erobern die Musiker auch die Clubs der Republik. Dabei hilft ihnen der Geist der Roaring Twenties, Musik bedeutete da noch echte Handarbeit. In einer Kneipe oder einem Tanzsaal konnte man keine Anlage anstellen, sagt Komponist Nikko Weidemann. "Da musste jemand stehen und spielen. Und wenn es nur ein Pianist ist. Wir referieren auf diese Zeit; auf diesen Humus, der immer noch fruchtbar ist. Die Leute reagieren auch ganz anders darauf, als wenn einfach jemand eine Anlage anstellt."

Das Moka Efti als Berghain der Zwanziger

Und wie die Leute reagieren! Da wird schon mal zu einem Delta-Blues kollektiv geschnipst oder ekstatisch mitgetanzt, ganz in Ragtime-Tradition. Dabei beschränkt sich das Repertoire nicht streng auf die Twenties. Das war bei der musikalischen Konzeption von "Babylon Berlin" aber auch gar nicht der Anspruch von Regisseur Tom Tykwer, erklärt Mario Kamien, sondern "dass das Moka Efti das Berghain der 1920er-Jahre sein sollte. Wir mussten jetzt musikhistorisch nicht komplett korrekt arbeiten. Es gibt einen schönen Spruch: Man soll nicht die Asche anbeten, sondern das Feuer bewahren. Und so haben wir das dann auch umgesetzt."

Das legendäre Moka Efti.
Das legendäre Moka Efti in "Babylon Berlin" Bildrechte: Frédéric Batier/X Filme

"Zu Asche, zu Staub": Vollblutmusikerin Severija

So liefert das Moka Efti Orchestra ein buntes Potpourri der Genres: von munter gepfiffenen Wannsee-Weisen hin zu schweren russischen Klavierballaden, letztere gesungen von der großartigen Severija. Sie spielt die Sorokina in "Babylon Berlin" und intoniert live natürlich auch den großartigen Titelsong: "Zu Asche, zu Staub". Gerade Nikko Weidemann schätzt die 37-jährige Litauerin und erzählt, wie sie letzte Nacht noch Backstage gejammt hätte: "Es sind alles total krasse Musiker, die die ganze Zeit wirklich spielen und einen irrsinnigen Reichtum an Repertoire haben. Und ich sitze drei Räume weiter und denke: Wer singt denn da? Ist das eine von den Frauen, die sie ins Backstage geschleppt haben? Am Ende war es Severija. Eine pure Musikerseele. Eine Musikantin, die als Schauspielerin erfolgreich ist. Sie ist ein großes Geschenk und auch eine Aufgabe für uns, wir müssen uns jetzt echt mal beschäftigen, ihr Stoff zu geben."

Mehr als ein Soundtrack

Und den gibt es demnächst auch. Im Spätsommer beginnen die Arbeiten am ersten Album des Moka Efti Orchestra. Geplant sind auch einige neue Songs. Schon jetzt fällt live auf, dass sich die Musiker nicht bloß auf den Soundtrack von "Babylon Berlin" beschränken und diesen stupide herunterspielen. Nein, sie möchten das im Zuge der Serienproduktion entstandene Bandprojekt für sich stehen lassen. Und das funktioniert: "Wir machen uns davon unabhängig. Sie wollten es einfach für den Film cool haben und wir sind frankensteinmäßig aufgestanden vom Seziertisch und das Monster läuft und tanzt los!", erzählt Weidemann lachend.

Hotjazz als Partymusik

Es tanzt in teils ausverkauften Clubs. Das mag zum Teil natürlich an der enormen Reichweite der Serie liegen. Sebastian Borkowski erklärt sich den Erfolg der Liveshows aber auch noch anders: "Diese Musik, der Hotjazz aus den Zwanzigern ist die populäre Tanzmusik der Zeit. Der Jazz wird erst später intellektuell, in den Fünfzigern mit Miles Davis, mit Coltrane. Vorher war er Partymusik. Und in dem Moment, wo wir die Tür aufgemacht haben mit der Serie, sind die Leute drin und merken: Och, diese Musik will mich gar nicht anstrengen, diese Musik möchte mir ein Feuerwerk bieten!"

Wie explosiv die Musik des Moka Efti Orchestra wirklich ist, das kann man Donnerstagabend in der Kulturarena Jena erfahren. Im Gespräch zeigt sich Borkowski jedenfalls vorfreudig: einerseits auf das Jenaer Publikum, andererseits auf den Veranstaltungsort: "Ich hab da schon öfter gespielt, es ist herrlich da! Deswegen freue ich mich schon. Leider haben sie die Tischtennisplatte nicht mehr im Backstage-Bereich. Also, wenn ihr das hört: Stellt sie wieder hin!"

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. August 2019 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2019, 04:00 Uhr

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