"Ich hab' einen Vertrag unterschrieben 1 & 2" Moritz Krämers poetisches Album über Verträge mit fiesen Klauseln

Moritz Krämer gehört zu den besten Liedermachern Deutschlands. Das hat er nicht nur als einer der Köpfe der Band Die höchste Eisenbahn mehrfach bewiesen, sondern auch als Solokünstler. Nun erscheint das Doppelalbum "Ich hab' einen Vertrag unterschrieben 1 & 2", das Krämer spontan nach einem Albtraum über Verträge geschrieben und aufgenommen hat. MDR KULTUR-Musikkritikerin Marie Landes ist überrascht, wie facettenreich Indiepop-Songs über Verträge sein können. Eine Albumkritik.

Verträge sind nicht gerade ein sexy Thema für eine Platte und schon gar nicht für ein Doppelalbum. Moritz Krämer ist das egal. Für sein erstes Soloalbum nach mehr als sieben Jahren hat er sich genau diesem Thema gewidmet. Eine ziemlich spontane Entscheidung, wie er sagt: "Wir wollten eigentlich eine andere Platte aufnehmen. Die haben wir auch aufgenommen. Die hat den Arbeitstitel 'Die traurigen Hummer'. Kurz bevor wir ins Studio gegangen sind, hatte ich einen Traum über meinen Vertrag und dass ich den nicht gut finde. Und dann bin ich morgens aufgestanden und hatte so eine Wut im Bauch und habe diese Texte runterschrieben."

Klar, Verträge muss jeder in seinem Leben abschließen: mit dem Vermieter, dem Mobilfunkanbieter oder dem Arbeitgeber. Und als Musiker wie Moritz Krämer hat man eben einen Vertrag mit einem Plattenlabel. Doch die Klauseln können es in sich haben. Labels können darin eine bestimmte Anzahl von Alben einfordern – oder sich Optionen offenhalten, ob sie überhaupt ein Album veröffentlichen. Quasi eine Art Vorkaufsrecht, das konkret bedeutet: Der Musiker schreibt erst einmal fleißig Songs. Wenn sie dem Label gefallen, werden sie veröffentlicht. Wenn nicht, kann sich er nach einer anderen Möglichkeit umsehen. Und das ist nicht leicht.

Facettenreich: Ein innerer Monolog in 16 Songs

Moritz Kraemer, live am 14.01.18 im Berliner Musik und Frieden
Moritz Krämer bei einem Konzert in Berlin 2018 Bildrechte: imago/POP-EYE

All das verarbeitet Krämer in "Ich hab einen Vertrag unterschrieben 1 & 2". Das Doppelalbum sollte jedoch nicht als Abrechnung mit der Musikindustrie angesehen werden, auch wenn es durch Krämers Unzufriedenheit mit seinem eigenen Vertrag inspiriert wurde. Der 38-Jährige arbeitet sich viel mehr an einem überspitzten inneren Monolog eines Musikers ab, der glaubt, über den Tisch gezogen worden zu sein. Ein Monolog, der 16 Songs andauert. Ziemlich viele für ein so trockenes Thema wie Verträge – und doch lässt sich in jedem eine neue Facette finden. Stets untermalt von Krämers melancholisch, verträumten Gesang. Hier zeigt sich einmal mehr, was für ein ausgesprochen guter Songschreiber und Musiker er ist.

"Eine Ballade muss drauf sein, würde sich besser verkaufen"

Wer schafft es schon, Textzeilen wie "Eine Ballade muss drauf sein, würde sich besser verkaufen" zu schreiben und sie gleichzeitig in einen romantischen, leicht nach 80er-Jahre klingenden Sound inklusive emotionalem Klavier zu verpacken? Oder mit fast beängstigender Fröhlichkeit darüber zu singen, "mit neuer Frische" ans Songschreiben heranzugehen?

All das hat er auch noch in Rekordzeit produziert. Weil Krämer und seine Mitmusiker im Februar 2018 sowieso gerade im Studio waren, spielten sie seine Texte innerhalb weniger Tage live ein. Nur die Mischung, der Feinschliff zog sich über den ganzen Sommer. Auch wenn Krämer ein ganzes Album unliebsamen Verträgen widmet, hat er selbst eigentlich nur eine Horror-Vertragserfahrung – und die nicht mit seinem Label:

Jedes Mal wenn ich irgendwo im Urlaub einen Mietwagen buche, dann buche ich vor dem Abholen noch 1.000 Versicherungen dazu, die ich zuhause online eigentlich schon gebucht hatte. Aber die malen dann irgendwelche Szenarien aus, warum es wahnsinnig teuer wird – und dann buche ich alles noch mal. Aber so einen schlimmen Vertrag gibt's bei mir nicht.

Moritz Krämer, Musiker

Ärger mit dem Mietwagen – vielleicht ja Stoff für Kommendes? Bei einem Musiker wie Moritz Krämer kann man sich auf jeden Fall sicher sein, dass selbst diese Erfahrung in einem ziemlich schönen Song enden würde.

Moritz Krämer auf Tour 15.03. | Leipzig | nato
16.03. | Berlin | Lido
17.03. | Dresden | Beatpol
15.05. | Magdeburg | Moritzhof
16.05. | Erfurt | Museumskeller

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. Februar 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2019, 04:00 Uhr

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