Neues Album Norah Jones singt hitverdächtig über das Leben mit Corona

Vor gut 20 Jahren hat Norah Jones mit Songs zwischen Jazz und Pop ihre Karriere gestartet. Zuletzt hatte sie sich etwas zurückgezogen. Jetzt hat sie mit dem Album "Pick Me Up Off The Floor" zu alter Stärke gefunden. Unser Kritiker hat sie zum Interview getroffen.

Norah Jones
Norah Jones Bildrechte: Diane Russo

Auf dem Album handeln gleich drei Songs hintereinander vom Leben. Da hätte sich wohl auf dem Album ein kleiner "Themenschwerpunkt" ergeben, sagt Norah Jones im Interview – über "This Life", "To Live" und das ziemlich Hit-verdächtige "I'm Alive".

Vom Leben zu singen ist für Norah Jones gerade in diesen schwierigen Zeiten wichtig. Man sollte, meint die 41 Jahre alte Musikerin, jeden Tag so intensiv gestalten, als wenn es der letzte Tag auf Erden wäre: "Es ist schwierig, sich jeden Tag daran zu erinnern – ein ständiger Kampf, auf diese Art zu leben."

Die Texte klingen aktuell, entstanden aber schon vor der Pandemie

Norah Jones: Pick me up off the floor
Norah Jones musste die Songs für ihr neues Album nur vom Boden aufsammeln – daher der Titel "Pick Me Up Off The Floor". Bildrechte: Blue Note

"Das Leben, das wir kannten, gibt es nicht mehr" – solche Textzeilen könnte Norah Jones gerade erst geschrieben haben. Tatsächlich ist der Song, wie all die anderen auch, schon einige Zeit vor der Pandemie entstanden. Sie habe die vielen "losen Notenblätter" nur noch vom Boden aufsammeln müssen – womit auch der Titel des Albums "Pick Me Up Off The Floor" erklärt ist.

Auch den Bonustrack "Trying To Keep It Together" hat Norah Jones schon vor längerer Zeit geschrieben. Das Stück klingt irgendwie anders als die übrigen Titel und war eigentlich auch gar nicht zur Veröffentlichung vorgesehen. Ein viel zu trauriges Lied sei das, meint die Sängerin.

Nur wegen Corona ist der Song mit auf das Album gekommen. Denn genauso verzweifelt, wie es das Lied erzählt, habe sie sich plötzlich gefühlt, nachdem die Pandemie mit voller Wucht zugeschlagen hat. Doch als Mutter zweier kleiner Söhne, vier und sechs Jahre alt, müsse sie ja versuchen, die Familie irgendwie zusammenzuhalten – trying to keep it together.

Jede Woche ein Wohnzimmerkonzert

Sie könne von zu Hause aus arbeiten, sagt Norah Jones, also mache sie das auch. Und hat schon vor einigen Wochen das "Wohnzimmerkonzert" für sich entdeckt. Seitdem geht sie mindestens einmal pro Woche online, singt Lieder und begleitet sich dabei am Klavier. "Ich genieße diese Livestreams während der Quarantäne. Jede Woche Musik zu spielen, ist gut für mich", so Jones.

Mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben und sich selbst etwas Gutes tun – früher, erzählt Norah Jones, habe sie mit Twitter und Facebook nicht viel anzufangen gewusst. Jetzt schauen in den sozialen Netzwerken nach wenigen Minuten schon Tausende von Fans zu.

Lieder für einen guten Start in den Tag

Die Kommentarspalten sind dann bei ihren wöchentlichen Auftritten aus dem Wohnzimmer voller Lob und Bewunderung: "Wenn ich früher, als kleines Kind, schlecht geträumt hatte" schreibt ein Fan, "hat mir meine Mutter deine Musik vorgespielt. Jetzt höre ich dich, während wir in einem wirklichen Alptraum leben".

Mit "To Live" hat die Sängerin für ihr neues Album auch wieder eine richtige Norah-Jones-Hymne komponiert. Vergleichbar mit den unverwüstlichen Songs früherer Jahre: "Come Away With Me" oder "Sunrise" – Lieder, mit denen man wahlweise kleine Babies zum Einschlafen bringt oder große Erwachsene wunderbar in den Tag starten lässt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Juni 2020 | 17:40 Uhr