Sänger Grant Davidson alias Slow Leaves
Die Musik von Slow Leaves zeigt uns den Unterschied zwischen Pop und Poesie. Bildrechte: Christopher Dyck

Neues Album: "Enough About Me" Slow Leaves: Lieder wie Herbstblätter

Grant Davidson kommt aus Winnipeg in Kanada. Früher hat er unter seinem Namen sehr feine ruhige Musik gemacht, eine Mischung aus Singer-Songwriter, etwas Country, auch Pop. Dann hat er seinen Namen zu Slow Leaves umbenannt und in Eigenregie nun das zweite Album veröffentlicht – "Enough About Me" (Genug von mir).

von Johannes Paetzold, MDR KULTUR-Musikkritiker

Sänger Grant Davidson alias Slow Leaves
Die Musik von Slow Leaves zeigt uns den Unterschied zwischen Pop und Poesie. Bildrechte: Christopher Dyck

Namen sollen zumindest sprichwörtlich Schall und Rauch sein. Bei Namen in der Popmusik möchte man dem zustimmen. Bei Grant Davidson beleuchtet der gewählte Name aber schon sehr gut die Poesie, Taktart und den Inhalt seiner Musik. Die Worte habe Davidson in einem Gedicht des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges gefunden.

Die Folge der Worte fand ich phantastisch. Langsame Blätter – die poetische Verbindung der beiden Worte und Mehrdeutigkeit beschreibt die Stimmung meiner Lieder sehr gut.

Grant Davidson alias Slow Leaves

Von Casablanca nach Chinatown

Zehn Lieder lässt Davidson wie Herbstblätter langsam auf uns heruntersegeln. Ungehemmt persönlich. Reflektionen eines jungen Mannes mit einem Faible für Filme: Der Song "Chinatown" ist nach dem Polanski-Film mit Jack Nicholson benannt und reflektiert gleichzeitig auch einen der Lieblingsfilme des Sängers: "Casablanca".

Es geht in beiden um Beziehungen. Aber das Ende ist sehr unterschiedlich Einer endet optimistisch, der andere pessimistisch. Darum geht es im Song: Viele Leute wollen gerne Casablanca leben, enden aber in Wirklichkeit in Chinatown.

Grant Davidson alias Slow Leaves

Lieder zum Fallenlassen im weichen Winterschnee

Immer wieder hört man die Einflüsse der 60er und 70er aus der Popmusik bei Davidson. Old School Country eines Jimi Rogers, Hank Williams und Willie Nelson sind Inspirationsquellen. Ein Bob Dylan zu Zeiten von "Desire" (1976) mag man heraushören. Auf dem übervollen Spielplatz der Singer-Songwriter hat er seine Ecke und Nische gefunden und ragt aus der Menge der Spielkameraden hörbar heraus. Der Kanadier kehrt sein Innerstes nach außen. In dem Lied "How Do I Say" geht es um die Schwierigkeiten der Kommunikation in Beziehungen.

Manchmal fühlt man sich voneinander angezogen wie Magnete – mit einem blinden Verstehen. Manchmal hält das aber nicht und die Gefühle und die Verständigung verlaufen sich.

Grant Davidson alias Slow Leaves

Im Song "How Do I Say" bleiben die Blätter aus dem poetischen Album von Davidson in der Luft stehen – Schwerkraft und Auftrieb in kurzzeitigem Gleichgewicht. Er kommt aus einer anderen Lebenswelt und berührt uns doch ganz direkt mit dem kleinen Unterschied zwischen Pop und Poesie. Die Lieder auf "Enough About Me" laden ein zum Fallenlassen in weichen Winterschnee.

Sänger Grant Davidson alias Slow Leaves
Grant Davidson mach als Slow Leaves Musik zum Fallenlassen. Bildrechte: Christopher Dyck

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Morgen | 04. Dezember 2017 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2017, 14:17 Uhr

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