Neu im Kino "Sunburned": Die dünne Linie zwischen Privilegierten und Deklassierten

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

Gerade in Urlaubsparadiesen offenbart sich die Trennlinie zwischen Arm und Reich: Die Urlaubsreisenden genießen ihr Leben im Luxus, lassen sich bedienen und blenden die ärmere Bevölkerung vor Ort aus. Die 13-jährige Claire balanciert auf dieser Linie und freundet sich mit dem Strandverkäufer Amram an. Carolina Hellsgård erzählt in ihrem Film "Sunburned" mit leisen Bildern von Privilegien, doch kommt dabei ohne moralisierenden Ton aus.

Filmszene - Sunburned
Filmszene aus "Sunburned" mit Zita Geyer und Gedion Oduot Bildrechte: Camino Filmverleih
Filmszene - Sunburned
Bildrechte: Camino Filmverleih

Ein Sommerurlaub, irgendwo an der spanischen Mittelmeerküste: Die 13-jährige Claire (wunderbar eigensinnig: Zita Geyer) hat sich auf die Andalusien-Reise mit ihrer Mutter Sophie (Sabine Timoteo) und der älteren Schwester, die gerade ihre erste Liebe erlebt, gefreut. Claire langweilt sich jedoch schnell, ist genervt von ihrer Familie und dem stumpfen Animations-Frohsinn. Deswegen freundet sie sich mit dem senegalesischen Strandverkäufer Amram an ("Styx"-Star Gedion Oduor Wekesa). Der Junge hat aufgrund seiner Situation deutlich finanzielle Interessen und indem Claire, die sich immer mehr mit ihm identifiziert, aufrichtig versucht ihm zu helfen, verschlimmert sie seine Lage unwillentlich und dramatisch. 

Feinsinnig, aber nicht belehrend

Filmszene - Sunburned
Bildrechte: Camino Filmverleih

Die schwedische, in Berlin lebende Regisseurin Carolina Hellsgård (gerade lief ihre originelle, in Thüringen angesiedelte Zombie-Comic-Verfilmung "Endzeit" im Kino) zeigt die unsichtbare, unüberwindliche Linie zwischen Privilegierten und Deklassierten. Weil sie konsequent aus der Perspektive der noch ganz offenen, naiven Heranwachsenden erzählt, erspart sie ihrer feinsinnig inszenierten Geschichte belehrende oder sozialromantische Töne. So hallt die leise Beunruhigung dieses eindringlichen Sommerfilms noch lange nach: Nichts wird gut, obwohl alles so gut gemeint ist.

Genre: Drama
Regie: Carolina Hellsgård
Besetzung: Zita Gaier Gedion Oduor Wekesa Sabine Timoteo Nicolais Borger
Im deutschen Kino ab: 02.07.2020
Produktionsland: Deutschland, Niederlande, Polen
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆ (4 von 5 Sternen)

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. Juli 2020 | 08:10 Uhr

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