Hohe Sozialabgaben VdK und Linke warnen vor wachsender Armutsgefahr für Rentner

Die hohen Sozialabgaben belasten immer mehr Rentner – die Linken und der Sozialverband VdK warnen deswegen vor einem zunehmenden Risiko für Altersarmut für Millionen Rentnerinnen und Rentner. Die Grünen-Politikerinnen Lisa Paus und Katharina Dröge forderten zudem eine Steuerreform gegen Frauen-Altersarmut.

Eine Seniorin mit Einkaufstrolley
VdK und Linke warnen vor einem Armutsrisiko für Rentner durch hohe Sozialabgaben. Bildrechte: IMAGO / Michael Gstettenbauer

Die Linke und der Sozialverband VdK warnen vor einem zunehmenden Armutsrisiko für Millionen Rentnerinnen und Rentner durch hohe Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, wie die "Augsburger Allgemeine" berichtet. Demnach rutschen über 1,1 Millionen Rentnerinnen und Rentner durch die Sozialabgaben für die Kranken- und Pflegeversicherung trotz jahrzehntelanger Beitragszahlungen unter die offizielle Armutsschwelle.

Dem Schreiben zufolge liegen derzeit 5,2 Millionen Rentenbezieher mit über 35 Jahren Beitragszahlungen netto unter der Armutsschwelle von derzeit 1.251 Euro. Ohne Abzug der Sozialabgaben wären es demnach nur 4,1 Millionen, berichtet die Zeitung.

Bartsch: Rentenniveau ist zu niedrig

Der Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte in der "Augsburger Allgemeinen", dass es Entlastungen für die Rentnerinnen und Rentner geben muss. "Das Rentenniveau ist aktuell zu niedrig und die Abgaben sind zu hoch", sagte Bartsch. "Wenn über 1,1 Millionen Rentner allein wegen der Sozialabgaben in Armutsgefahr rutschen, ist das ein inakzeptabler Befund". 

VdK-Präsidentin Verena Bentele sagte dem Bericht zufolge: "Es darf nicht sein, dass ärmere Rentnerinnen und Rentner unter den hohen Sozialabgaben leiden". Die gestiegenen Energie- und Lebensmittelkosten sowie Medikamentenzuzahlungen machten ihnen bereits zu schaffen. Bentele und Bartsch sprachen sich für eine Sozialversicherungsreform aus. 

Grüne fordern Steuerreform gegen Frauen-Altersarmut

In der vergangenen Woche forderten die Grünen-Spitzenpolitikerinnen Lisa Paus und Katharina Dröge eine Reform des Steuersystems zur Bekämpfung von Altersarmut bei Frauen. Bundesfamilienministerin Paus sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, ein geschlechtergerechtes Steuersystem braucht eine Reform der Steuerklassen III und V. "Denn dadurch wird die Lohnsteuerbelastung zwischen Eheleuten fairer verteilt."

Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, bei der Vorstellung der Corona-Kita-Studie zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kinder und Jugendliche.
Bundesfamilienministerin Lisa Paus hat einen Fünf-Punkte-Plan gegen Altersarmut bei Frauen vorgestellt. Bildrechte: dpa

Paus und Fraktionschefin Dröge wollen mit mehreren Maßnahmen gegen Altersarmut von Frauen vorgehen. "Geringere Einkommen und kürzere Zeiten im Job wirken sich stark auf die Rente aus", sagte Dröge den Funke-Zeitungen. Das führe dazu, dass Frauen im Durchschnitt nur in etwa die Hälfte der Rente von Männern bekommen. "Altersarmut ist oft weiblich", warnte die Grünen-Fraktionschefin. 

Die Reform des Steuersystems ist teil des vorgestellten Fünf-Punkte-Plans von Paus und Dröge. Es umfasst demnach außerdem die Forderung nach einer fairen Bezahlung für soziale Berufe, den Ausbau der Kinderbetreuung und ein neues Arbeitszeitmodell. Zudem wollen die Grünen-Politikerinnen Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen sowie Gründerinnen unterstützen.

AFP (kar)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 12. März 2023 | 09:45 Uhr

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