Haarpflege Shampoos, Conditioner, Kuren – Welche Inhaltsstoffe sind gefährlich?

Welches Haar braucht welches Pflegeprodukt? Und was steckt überhaupt in diesen Produkten drin? Inzwischen suchen auch viele nach Alternativen bei der Haarpflege. Wie schädlich sind Inhaltsstoffe wie Mineralöle, Paraffine und Silikone als Pflegemittel wirklich? Und gibt es Alternativen? Friseur Sven Hentschel klärt auf.

Frau unter der Dusche bei der Haarwäsche
Bildrechte: Colourbox.de

Welche Pflege für welches Haar?

Vor allem viele Frauen benutzen regelmäßig ein Shampoo in der Hoffnung auf Glanz, Volumen und wunderbar fallendes Haar. Aber leider ist nicht jeder Inhaltsstoff wirklich gut fürs Haar und unseren Körper.

Was wir schon wissen:

Frau schaut in Spiegel und untersucht ihre Haare.
Einige Inhaltsstoffe können Hautreizungen verursachen. Bildrechte: IMAGO

Shampoo besteht meist aus Wasser und chemischen Tensiden. Diese waschaktiven Substanzen lösen Schmutz und Fettablagerungen auf Haar und Kopfhaut. Um unseren Wunsch nach dem perfekten Shampoo zu erfüllen, kommen leider viele weitere chemische Substanzen dazu. Diese sorgen dann unter anderem für den Duft, die Farbe, die Konsistenz oder lange Haltbarkeit.
Besonders in konventionellen Haarpflegeprodukten stecken Konservierungsmittel, Duftstoffe, Parabene, Silikone, Mikroplastik und viele weitere synthetische Stoffe. Die meisten davon sind aggressive Chemikalien, die der Gesundheit und der Umwelt schaden. Hautreizungen und Allergien können durch diese Inhaltsstoffe ausgelöst werden. Es wird sogar vermutet, dass sie Krebserkrankungen begünstigen.

Zutaten, die man vermeiden sollte

Mineralöle       

Mineralöle werden aus Erdöl gewonnen. Sie bilden eine Art wasserabweisenden Film und machen das Produkt geschmeidiger. Sind diese Produkte mit der Substanz MOAH belastet, gelten sie laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit als potenziell krebserregend.

Parabene         

Parabene sind chemische Verbindungen mit antibakteriellen und fungiziden (Pilze und Sporen abtötenden) Eigenschaften. Sie dienen als Konservierungsstoff und machen unser Shampoo lange haltbar. Sie blocken das Wachstum von Schimmelpilzen und Bakterien. Leider gelten sie aber als Kontaktallergene, die die Kopfhaut reizen können. Bestimmte Parabene haben eine hormonähnliche Wirkung. Das liegt daran, dass sie der Struktur des weiblichen Sexualhormons Östrogen sehr nahekommen und über die Haut aufgenommen werden können. Das kann im Körper zu einer Östrogen-Dominanz führen und bei Frauen zu Stimmungsschwankungen, einem Prämenstruellen Syndrom (PMS) als auch zu Brust- oder Gebärmutterhalskrebserkrankungen.

Silikone            

Silikone sind synthetische Kunststoff-Polymere, die Haar und Kopfhaut versiegeln. Vom Grundaufbau sind sie nicht schädlich, verhindern aber das "sogenannte Atmen" von Haut und Haar und dadurch auch das Ausscheiden von Giftstoffen. Zusätzlich werden umweltschädigende Substanzen zur Herstellung verwendet, die kaum biologisch abbaubar sind und unsere Umwelt verschmutzen.

Duftstoffe

Diese meist synthetischen Moschusverbindungen sollen unseren Geruchssinn verzaubern und zum Kauf animieren. Doch bei vielen Menschen lösen sie Kopfweh, Schwindel, Reizhusten bis hin zu schweren allergischen Reaktionen aus. Auch nutzen sie unser Fettgewebe zur weiteren Anreicherung.

Weitere bedenkliche Inhaltsstoffe

  • SLS – Natriumsulfat (Schaumbildung)
  • DEA/TEA – Die- / Trithanolamin (Weichmacher)
  • PEG – Polyethylenglykol (Tensinde)

Die Alternativen

Shampoo und zusammengerollte Handtücher
Achten Sie bei Pflegeprodukten auf natürliche Inhaltsstoffe. Bildrechte: imago images/YAY Images

Naturprodukte mit den Siegeln NATURE und BDIH garantieren, dass die verwendeten Rohstoffe zum größten Teil natürlichen Ursprungs sind. Hier sind die vorgenannten Stoffe nicht erlaubt. Diese Haarprodukte sind schon eine echte Alternative. Wer es allerdings gern noch umweltfreundlicher und gesünder mag, findet nachfolgend sicher etwas für sich. Shampoos mit den folgende Inhaltsstoffen und den genannten Siegeln sind unbedenklich:

Haarseife                                         

Haarseifen werden fast verpackungsfrei verkauft und haben nur wenige Inhaltsstoffe, wie Natriumhydroxid und pflanzliche Öle.

Shampoo mit Kokosmilch         

Diese Shampoos enthalten milde Flüssigseife und Kokosmilch. Wenn dann noch Heilkräuter und Honig drin sind, wirken sie pflegend und entzündungshemmend.

Rosskastanien                                

Die in der Rosskastanie enthaltenen Saponine wirken entzündungshemmend und beruhigend. Sie pflegen Haar und Kopfhaut.

Birkenblattshampoo

Dieses Shampoo ist besonders durchblutungsfördernd und verbessert die Nährstoffversorgung der Haarwurzel.

NUR-Wasser

Spülen ganz OHNE Shampoo mit klarem Wasser. Die Umstellungsphase zum Angewöhnen kann etwas hart sein. Danach haben trotzdem viele ein "sauberes Gefühl".

Weitere positiv wirkende, natürliche Stoffe sind in Kamille, Walnuss, Salbei, Brennnessel, Hopfen, Ginko, Weizenkeime, Argan und Sheabutter. Sucht man nach Naturprodukten mit diesen Zutaten, lässt sich einiges finden. In guten Naturläden mit "Kosmetikangebot" steht oft auch eine persönliche Beratung zur Verfügung. Und auch bei den Friseuren stärkt sich das Bewusstsein, weniger Chemie zu verwenden und auf die Umwelt zu achten. Die Anzahl professioneller Zulieferer mit "Naturausrichtung" wächst stetig.

Fazit:

Seien Sie sehr kritisch bei der Auswahl und beim Kauf Ihrer Produkte und vergessen Sie nicht den Blick auf die Inhaltsangaben. Wirklich gut tun uns nur Dinge, die unseren Körper weder vergiften noch belasten. Und da wir alle besser auf unsere Umwelt achten sollten, ist auch die Größe und Zusammensetzung der Verpackung auf den Prüfstand zu stellen.

Mehr Haarpflege

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 28. September 2020 | 17:00 Uhr