Eingang der Stadtverwaltung von Bittefeld-Wolfen. Davor steht ein Hinweisschild mit der Aufschrift "Wahlraum 3".
Die Bürgerinnen und Bürger von Bitterfeld-Wolfen waren am Sonntag aufgerufen, ihr Stadtoberhaupt zu wählen. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau

Auf der Suche nach Vertrauen Nach der OB-Wahl in Bitterfeld-Wolfen: Wahlsieger braucht Verbündete

10. Oktober 2023, 14:37 Uhr

In Bitterfeld-Wolfen war am Sonntag Stichwahl um das Amt des Stadtoberhaupts. Vor allem die AfD hatte sich viel von der Wahl versprochen: den Posten des ersten Oberbürgermeisters in Deutschland mit AfD-Parteibuch. Doch daraus wurde nichts. Armin Schenk von der CDU bleibt Oberbürgermeister in Bitterfeld-Wolfen. Der Amtsinhaber siegte in der Stichwahl gegen Henning Dornack von der AfD mit 54 Prozent der Stimmen.

MDR-Reporter André Damm
Bildrechte: André Damm

Es war eine Zitterpartie. Die AfD rutschte knapp an einem Erfolg vorbei. Vertan die Chance, kommunalpolitisch Geschichte zu schreiben. Der Oberbürgermeister-Posten in Bitterfeld-Wolfen wäre ein Novum in der Bundesrepublik gewesen. Die Partei, die zumindest in Teilen als demokratie-und fremdenfeindlich eingestuft wird, hätte weiter auf der Erfolgs-Welle reiten können.

Bündnis der Demokraten als Hilfe

Dass sich am Ende der bisherige Rathauschef Armin Schenk von der CDU wieder durchsetzte, lag nicht am politischen Gespür oder Amts-Geschick des Christdemokraten. Der 62-Jährige hat in den vergangenen sieben Jahren oft keine gute Figur abgegeben: die CDU zerstritten, der Stadtrat in Lager aufgeteilt, Vertrauen in der Bevölkerung verloren. Darunter litt auch die Stadtentwicklung. Ein Beispiel dafür ist die verpasste und notwendige Neugestaltung des Bitterfelder Innenstadtrings. Es gibt noch etliche andere Probleme, die nicht angepackt wurden.

Schenk hat seinen Wahlerfolg vornehmlich denjenigen zu verdanken, die keinen AfD-Oberbürgermeister in der Chemie-Region haben wollten. Da ist das Bündnis der Demokraten zu nennen, das aus Vertretern von Kirchen, Parteien, Vereinen und Gewerkschaften bestand. Es rief auf, Schenk zu wählen, um die AfD zu verhindern.

Schenk braucht Verbündete

Der Plan ging auf. Was bedeutet das nun für den alten und neuen Oberbürgermeister? Armin Schenk muss mehr tun, als nur die Kommunikation zu verbessern. Er muss den Stadtrat mehrheitlich einbeziehen und auf seine Seite ziehen, um die Region mit dem riesigen wirtschaftlichen Potenzial voranzubringen. Schenk braucht Verbündete. Nur so fassen die Bürger wieder Vertrauen in die Arbeit die Stadtverwaltung.

Denn die AfD wird nicht nachlassen, den Rathauschef zu attackieren. Zumal in wenigen Monaten die Kommunalwahlen bevorstehen. Gut möglich, dass die AfD-Fraktion, die schon jetzt die zweitstärkste Fraktion im Stadtrat von Bitterfeld-Wolfen stellt, noch stärker daraus hervorgeht.

Mehr zur OB-Wahl in Bitterfeld-Wolfen

MDR (André Damm, Moritz Arand)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 09. Oktober 2023 | 10:00 Uhr

65 Kommentare

yulietta vor 27 Wochen

Welche Methode denn und warum Strafanzeige erstatten ?
Haben Sie sich die Ergebnisse denn einmal genauer angeschaut ?
Dann hätten Sie feststellen müssen, dass der AfD Kandidat keineswegs "haushoch" geführt hat, wie es teilweise behauptet wurde, denn dann hätte es keiner Stichwahl bedurft.
Dann "vergessen" Sie, dass es in der Stichwahl nur noch 2 Bewerber gegeben hat und das Ergebnis des 1. Durchgangs NICHT übernommen wurde. Was glauben Sie, wohin die meisten Stimmen der SPD, CDU, Grüne und FDP des ersten Wahlganges wohl gegangen sind ? Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht an den Bewerber der AfD, denn dann hätten diese Wähler den AfD-Kandidaten auch direkt wählen können. Gerade für die Briefwahl dürfte dies noch viel stärker zutreffen, zumal die AfD ja gegen die Briefwahl votiert und ihren Wählern davon abrät. Damit widersprechen sich die AfD-Wähler auch selbst, wenn sie behaupten, dass bei der Briefwahl betrogen oder manipuliert wurde. Neben dem Recht, die Wahl zu kontrollieren.

yulietta vor 27 Wochen

"Wenn aus der AfD morgen zu hören sein sollte, dass 1+1 = 2 ist, .."

Nur dass das nicht passieren wird. Wenn man sich den von der AfD verbreiteten Populismus anschaut/hört, wird das Ergebnis 3 oder 4, vielleicht auch 5 lauten.

Wessi vor 27 Wochen

"Ergebnisoffen" @ Sonnenanbeter?Ergebnisoffen nachdem man mir ein Gros der väterlichen Familie in Ausschwitz,Sobibor etc. hinmorden ließ?Ergebnisoffen angesichts, tausender hingemordeter Sozialdemokraten,Kommunisten und Konservativer?Angesichts ermordeter Sinti+Roma, angesichts hunderter von Homosexuellen oder anderen Minderheiten?Da gibts nur eins: abgrundtiefer Haß.Lesen Sie Höcke und Kumpane...und nochwas...meine (nichtjüdische) Mutter verlor ihre Lieblingstante in den Bombennächten...und sagte: "Deutschland hats bestellt und zu Recht bekommen". Die AfD ist das Negativste was dieses Land seit 1945 zu "bieten" hat.Sie ist fremd.

Mehr aus Anhalt-Bitterfeld, Dessau-Roßlau und Wittenberg

Mehr aus Sachsen-Anhalt