Geld für Sanierung benötigt Verbandsprecher verteidigt Verkauf hunderter Wohnungen in Dessau

Der Wohnungswirtschaftsverband Sachsen-Anhalt verteidigt die Pläne der Dessauer Wohnungsgesellschaft. Diese plant hunderte Wohnungen zu verkaufen, um den Bestand zu modernisieren. Mieter befürchten, dass die Kosten für das Wohnen steigen.

Plattenbau in Dessau
Die Dessauer Wohnungsgesellschaft will hunderte Wohnungen verkaufen. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Dirk Sattler

Die Dessauer Wohnungsbaugesellschaft DWG will Hunderte Wohnungen in den Stadtteilen Süd und Alten verkaufen. Als Reaktion auf den geplanten Verkauf der Wohnungen, äußerte der Verbandsdirektor des Verbands der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt, Jens Zillmann, Verständnis. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, der flächendeckende Verkauf von Wohnungen sei zwar kein gängiges Mittel, aber im Fall von Dessau nachvollziehbar.

Dessau ist Zillmann zufolge insofern ein spezieller Fall, dass die Stadt sehr stark von Schrumpfung betroffen ist. Man erwarte einen Bevölkerungsrückgang auf 65.000 Einwohner. Genau dieser Entwicklung müsse mit Investionen in das Stadtbild begegnet werden. Dazu gehörten die Aufwertung, der Abriss und eben auch der Verkauf von Objekten.

Verband: Kündigungen unwahrscheinlich

Sorge vor einer Kündigung müssen die Mieter der betroffenen Wohnung nach Aussage von Zillmann nicht haben. Demnach verkauft eine kommunale Gesellschaft Bestände meist nur mit einem Kündigungsschutz sowie einer Investionspflicht. Dementsprechend würden früher oder später auch die verkauften Wohnungen saniert.

Wohnungswirtschaftsverband Sachsen-Anhalt, Vorsitzender Jens Zillmann
Jens Zillmann, Verbandsdirektor des Verbands der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt Bildrechte: MDR/Tom Gräbe

So ein Schritt passiert Zillmann zufolge nämlich immer in Einklang mit den Plänen, die die Dessauer Wohnungsgesellschaft (DWG) für ihre Bestände hat. Wohnhäuser, die unternehmerisch wertvoll seien wie etwa die Kavalier- oder die Ferdinand-von-Schillstraße, würden aus eigener Kraft entwickelt. Das könne aber nur gelingen, wenn Verkaufserlöse zur Finanzierung der Bestände nutzbar gemacht würden.

Bürgermeister: Verkauf nötig, um Bestand zu sanieren

Die DWG hatte am Montag angekündigt, hunderte Wohnungen in Dessau-Süd und Dessau-Alten verkaufen zu wollen. Mit dem Verkauf sollen Einnahmen im zweistelligen Millionenbereich erzielt werden, sagt Oberbürgermeister Robert Reck (parteilos) im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT.

Die DWG benötige das Geld, um den aktuellen Bestand zu modernisieren. Das städtische Unternehmen will nach eigenen Angaben in den kommenden Jahren bis zu 100 Millionen Euro dafür ausgeben. Aktuell verwaltet die DWG in Dessau-Roßlau etwa 8.300 Wohnungen mit mehr als 15.000 Mietern.

Die Leerstandsquote liegt aktuell bei 30 Prozent. Auch das sei ein Grund, sich von Teilen des Bestandes zu trennen, sagte Reck. Er rechne nicht damit, dass ein neuer privater Eigentümer die Mieten deutlich anheben werde.

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MDR (André Damm, Hannes Leonard, Tom Gräbe, Annekathrin Queck) | Zuerst veröffentlicht am 23.01.2023

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. Januar 2023 | 05:00 Uhr

19 Kommentare

Reuter4774 vor 1 Wochen

Wenn ich, durch veraltete Mieten, kein Geld zur Instandhaltung/ Erneuerung habe funktioniert es eben nicht. Mieter stellen ( berechtigte) Ansprüche dafür muss ich aber auch angemessen bezahlen. Mit Geiz geht alles kaputt. Wohnen ist mir doch auch etwas wert?

Matthi vor 1 Wochen

Man muss sich nur anschauen was mit den Häusern Wohnungen passiert wenn sie verkauft werden, meistens war es für die Bausubstanz und den Mieter schlecht. Wir haben in Deutschland einen massiven Sozialen Wohnungsmangel auf der anderen Seite verkaufen Kommunale Unternehmen ihre Wohnungen.

Micha R vor 1 Wochen

@ Wessi
Da geht nicht vom Himmel fällt, müssen die Investitionskosten für die Modernisierungen irgendwo herkommen.
Schuldenaufnahme im größeren Umfang in Zeiten steigender Zinsen wäre da der völlig falsche Weg. Aber eine zumindestens teilweise Refinanzierung anfallender Kosten der angestrebten Modernisierungen durch Verkaufserlöse ist da die vergleichsweise kostengünstigere und damit bürgerfreundlichere Lösung!

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