Burgenlandkreis Archäologen stellen Lage von ungewöhnlich großer Kirche in Memleben fest

In Memleben im Burgenlandkreis gab es im zehnten Jahrhundert ein Kloster und eine Kaiserpfalz. Archaölogen haben nun herausgefunden, dass die Klosterkirche Ottos II. ungewöhnlich groß war. Sie entdeckten bei Arbeiten zudem eine Mauer, die noch älter ist als die Kirche sowie zahlreiche Gegenstände, die zeigen, dass in Memleben schon lange Menschen siedelten.

Eine kleine Gruppe Menschen steht auf den ausgegrabenen Mauerresten einer großen Kirche in der Sonne.
Die Kirche Ottos II. war nach Angaben der Archäologen ungewöhnlich groß. Bildrechte: dpa

Im Burgenlandkreis stand im zehnten Jahrhundert eine ungewöhnlich große Kirche von Kaiser Otto II., der von 955 bis 983 lebte. Archäologen haben auf dem Klostergeländer Memleben erstmals die genaue Lage der Kirche feststellen können.

Der Projektleiter Leonhard Helten vom Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas der Universität Halle sagte, die Größe sei vergleichbar mit den großen ottonischen Kirchen in Köln und Magdeburg. Sie war 82 Meter lang und 39,5 Meter breit.

Im Memleben gab es im zehnten Jahrhundert eine Kaiserpfalz und ein Kloster, das 970 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Auf dem Gebiet des ehemaligen Klosters befindet sich heute ein Museum. Sowohl Kaiser Otto der Große als auch sein Vater Heinrich I. starben in Memleben. Begraben wurde Otto I. im Magdeburger Dom.

Mauer eines Vorgängerbaus entdeckt

Bei den Ausgrabungen in Memleben entdeckten die Archäologen zudem eine Mauer, die möglicherweise zur Vorgängerkirche von Otto I. (912-973) und Heinrich I. (um 876-936) gehörte.

Die Entdeckung der Kirchenmauer belegt nach Angaben des Grabungsleiters Holger Grönwald, dass es einen Vorgängerbau gibt und dass der Standort im zehnten Jahrhundert schon baulich belegbar war. Grönwald sagte: "Wir wissen jetzt Bescheid über die Fundamente und über die Baufugen und damit über Bauten, die angesetzt wurden."

Ein glatzköpfiger Mann zeigt Details an einer alten Mauer auf enem Ausgrabungsgelände.
Grabungsleiter Holger Grönwald sagt, die Entdeckung der Mauer zeige, dass es einen Vorgängerbau der Klosterkirche gibt. Bildrechte: dpa

Zahlreiche weitere Funde aus vorgeschichtlichen Epochen

Freigelegt wurden in Memleben außerdem Teile des Friedhofes auf dem Areal sowie Funde aus der Steinzeit, Bronzezeit sowie der römischen Kaiserzeit, darunter ein Arbeitsplatz mit Mahl- und Reibsteinen, Reste von der Zurichtung von Feuersteinwerkzeugen sowie in größerem Umfang entsprechendes keramisches Material und eine Schädelbestattung.

Außerdem fand das Archäologen-Team eine Facettenaxt, ein umgenutztes Bruchstück einer weiteren geschliffenen Steinaxt, Reste von zwei Schmelzöfen, eine verziegelte Lehmwanne sowie die Arbeitsoberfläche einer Textilwerkstatt mit Webgewichten und Spinnwirteln.

Die Funde belegen, dass Memleben über Jahrtausende als Siedlungsplatz bedeutsam war.

dpa,MDR (Julia Heundorf)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29. September 2022 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

wer auch immer vor 8 Wochen

Man muss nur an den richtigen Stellen tief genug graben.
Die Zeit verdeckt alles.
Auch uns!

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